Norderstedt: Ein Wettbewerb vom Marketingverein und der Norderstedter Zeitung

Eine Idee voraus, weil sie einen "Plan haben"

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Bernd-Olaf Struppek

Inzwischen wird das Projekt made in Norderstedt auch in anderen Kommunen in Schleswig-Holstein kopiert. Jürgen Hennings (71), Polizist im Ruhestand, hat es für den "Eine Idee voraus"-Wettbewerb nominiert.

Norderstedt. "Wir haben viel Spaß, verstehen uns sehr gut. Und ich habe das Gefühl, es hat mir etwas gebracht." Lukas (15) aus Norderstedt, der früher "große Probleme" hatte, mit seinen aufgestauten Aggressionen umzugehen, hat in seinem "Paten" Thomas Gerhardt in den vergangenen Monaten eine Vertrauensperson und einen wichtigen Ansprechpartner gewonnen. Und es gibt positive Resonanzen, was Lukas' Verhalten angeht.

Ein Beispiel für eine von inzwischen mehr als 40 erfolgreichen Patenschaften, die in den vergangenen elf Jahren im Rahmen des Vorzeige-Projekts "Plan haben" vermittelt worden sind. Dieses aus der Arbeitsgruppe Jugend des Kriminalpräventiven Rates heraus initiierte Paten-Modell hat längst weit über die Grenzen der Stadt Nachahmer gefunden.

Der Norderstedter Jürgen Hennings (71), Polizist im Ruhestand, hat "Plan haben" für den "Idee voraus"-Wettbewerb von Norderstedt Marketing und der Norderstedter Zeitung (siehe nebenstehenden Text) nominiert. "Ich habe das Projekt von Anfang an verfolgt. Es hat mich überzeugt", sagt Hennings. Er weiß, wovon er redet: War er doch während seiner Dienstzeit als Polizist in Hamburg lange Zeit selbst im Bereich des "Jugendschutztrupps" in St. Pauli und St. Georg eingesetzt gewesen. Später war Hennings auch Jugendsachbearbeiter der Polizei in Norderstedt.

Die freiwilligen Paten wie Thomas Gerhardt verpflichten sich, sich ein Jahr lang regelmäßig mit ihren Schützlingen zu treffen. Die Kinder und Jugendlichen, die ebenfalls freiwillig mitmachen, sind acht bis 16 Jahre alt. Sie alle sind zuvor auffällig geworden, zumeist durch Aggression im Bereich Schule. Oder aber haben erste Straftaten begangen. "Sie sind aber weder kriminell, noch krank", wie Polizei-Oberkommissar und Jugend-Sachbearbeiter Wolfgang Banse betont. Der Ordnungshüter, Experte für Jugendkriminalität, ist Sprecher des Arbeitskreises Jugend.

Um die fachliche Auswahl der "richtigen" Paten kümmert sich, als einzige hauptamtlich Tätige bei "Plan haben" Sozialpädagogin Renate Macuch-Weinhold. "Sie landet fast immer Volltreffer!" lobt Banse.

So war es auch bei Lukas und seinem Paten, der selbst drei Kinder hat und in Hamburg als Polizist arbeitet. Nach einem ersten "Beschnuppern" zusammen mit der alleinerziehenden Mutter des Jugendlichen, merkten Gerhardt und der Junge, dass "die Chemie" stimmt.

"Er ist mir ans Herz gewachsen", sagt heute der Norderstedter über sein Patenkind und spricht von einer "sehr starken Vertrauensbasis". Gemeinsame Aktivitäten wie Schwimmen, Billardspiel, Kinobesuche und eine Tour zu einem HSV-Spiel standen für den aktiven Jugendfußballer Lukas mit seinem Paten auf dem Programm. Im Frühling soll es auch mit dem Kajak auf Tour gehen. Die Kosten für die Unternehmungen übernimmt in aller Regel das Projekt "Plan haben". Das alles soll dazu dienen, "den Jugendlichen durch Gespräche und beispielhaftes Vorleben die Augen für Ethik und Kultur zu öffnen und ihnen einen Zugang zu einer intakten Gesellschaft Gleichaltriger zu schaffen", wie die Verantwortlichen des Kriminalpräventive Rat Norderstedt in ihrem jüngsten Jahresbericht erläutern.

Und was könnte den Erfolg einer "Plan haben"-Patenschaft mehr verdeutlichen, als wenn Lukas sagt: "Ich würde gerne haben, dass es so bleibt." Für Pate Thomas Gerhardt steht schon fest: "Lukas kann sich immer bei mir melden. Die offene Tür werde ich nie für ihn schließen." Und warum rekrutieren sich so viele "Plan haben"-Engagierte aus den Reihen der Polizisten? Gerhardt sieht keinen Zusammenhang zu seinem Berufsstand: "Ein guter Menschen ist wohl auch ein guter Pate."

Inzwischen wird "Plan haben" made in Norderstedt auch in anderen Städten und Gemeinden in Schleswig-Holstein "kopiert". Und auch die Diakonie aus Hamburg-Blankenese setzt auf das Erfolgsmodell in Sachen Jugendhilfe.

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