Norderstedt
Kriminalität

"Die Diebe werden brutaler, das Viertel ist ein Ghetto"

Zwei maskierte Männer stürmen am Sonnabend, gegen 23 Uhr, in die kleine Spielhalle des Einkaufszentrums am Glashütter Markt in Norderstedt.

Hinter dem verglasten Tresen sitzt eine 66-jährige Frau als Aufsicht. An einem der Spielautomaten sitzt noch ein 50-jähriger Kunde. Einer der Täter hält der Frau eine Schusswaffe vor die Nase, der andere bedroht den 50-jährigen mit einem Messer. Die Frau versucht sich mit einer Holzkeule gegen die Räuber zu wehren - ein Fehler. Die Männer schlagen und treten die Frau krankenhausreif. Dann nehmen sie die Tageseinnahmen aus der Kasse und dem Tresor, lassen den 50-jährigen Spieler seinen Geldbeutel leeren und verschwinden mit mehreren Hundert Euro Bargeld.

Ihr Pech: Ein aufmerksamer Zeuge beobachtet, wie die beiden zusammen mit einem Komplizen wegrennen. Die Polizei stellt die drei Männer aus Norderstedt und Hamburg im Alter von 18, 26 und 27 Jahren nur 15 Minuten später in einer Kneipe an der Tangstedter Landstraße.

Am Sonntag hat Renate Habel (68) den Platz der überfallenen Kollegin eingenommen. Seit sieben Jahren macht sie den Job, seit 40 Jahren wohnt sie in Glashütte. "Das ist der dritte Überfall in der letzten Zeit. Das wird immer schlimmer hier. Die Umgebung ist ein Ghetto", sagt Habel. Kaum werde es ruhig am Glashütter Markt, kämen die üblen Gestalten "aus den Büschen", sagt sie. "Ich bin hier als resolut bekannt. Ich schicke jeden weg, der mir nicht passt. Aber ich habe keine Lust mehr, für fünf Euro Stundenlohn mein Leben aufs Spiel zu setzen", sagt Habel. Die Kollegin sei aus dem Krankenhaus raus, habe aber einen Filmriss. "Die Arme ist erst zwei Jahre dabei und will jetzt nie mehr Nachtschichten machen - verstehe ich", sagt Habel.

Die Täter seien brutal. Renate Habel: "Denen reicht es nicht, einfach das Geld zu nehmen und abzuhauen. Die sind aggressiv, haben Waffen und wollen Ärger machen", sagt die 68-Jährige. Sie würde am liebsten die Tür abschließen und nur noch reinlassen, wen sie gut kennt - es kommen ja fast nur Stammkunden. Doch ihr Chef lehnt das bisher ab.