Norderstedt
Gott und die Welt

Segen im Leid?

Im Himmel trafen sich alle Bäume eines Waldes wieder und machten einen "Stammtisch" auf. Und dann kamen die Erinnerungen an die Erdenzeit "auf den Tisch".

Im Himmel trafen sich alle Bäume eines Waldes wieder und machten einen "Stammtisch" auf. Und dann kamen die Erinnerungen an die Erdenzeit "auf den Tisch". Aber nicht nur die schönen Erlebnisse, wenn ein Baum der bevorzugte Spielplatz für die Eichhörnchen war und es keinen Tag Langeweile gab, sondern gerade auch die schweren Tage waren Gesprächsstoff. So klagte einer: "Wisst ihr noch, wie wir geächzt haben, als man uns damals schlug und uns die Rinde vom Leib riss, unsere Äste amputierte, uns kurz und klein machte? Wir konnten es nicht verstehen, wozu das gut sein sollte. Und was ist aus uns geworden?" Und dann erzählte der eine, wie man aus ihm Dachbalken gemacht hatte und sein Sterben doch nützlich gewesen sei - noch heute würde er mithelfen, Regen und Schnee abzuhalten. Ein anderer Baum wusste von einer besonders langen Leidenszeit zu berichten. Lange habe man an ihm herum gehobelt und gefeilt, aber schließlich sei er veredelt worden und habe das Singen gelernt. Das Ziel seines Leidens war es, eine Geige zu werden. Ein dritter Baum berichtete, dass er damals besonders erbost gewesen sei, denn unendlich viel Schmerzen hatte er auszuhalten. Wie keinen anderen hatte man ihn in kleinste Teile zersägt, um Streichhölzer daraus zu machen. Heute aber wisse er, dass er öfter als alle anderen gebraucht werde, um ein wärmendes Feuer zu entzünden

Die Bibel berichtet eine eigentümliche Geschichte: Am Fluss Jabbok tritt dem Erzvater Jakob ein Mann in der Dunkelheit entgegen und kämpft mit ihm. Jakob spürt, dass er es eigentlich mit Gott selbst zu tun hat. Schließlich spricht er: "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn." Als der Kampf zuende ist, hinkt Jakob, denn jene Gestalt hatte ihm die Hüfte ausgerenkt.

So ist das offenbar: Man kommt nur mit Narben ins gelobte Land. Wer es mit Gott zu tun bekommt, geht nicht mehr so aufrecht wie zuvor, in dessen Gesicht bleiben Falten, an dessen Leib bleiben Spuren. Aber: Er ist gesegnet!