Geschäftszentrum

Kaltenkirchen - Ärger um das Bahnhofsviertel

Der Ärger ist auf Kaltenkirchens kostbarstem Grundstück zurückgekehrt: Kommunalpolitiker kritisieren neue Pläne des Investors Ferox für das Geschäftszentrum.

Kaltenkirchen. Groß war die Freude, als im vergangenen Winter nach jahrelangem Stillstand am Kaltenkirchen Bahnhof die Bauarbeiter anrückten. Endlich sollte der Bau eines neuen Geschäftszentrums beginnen, immerhin steht heute bereits der Rohbau eines Supermarktes. Doch jetzt ist der Ärger auf Kaltenkirchens kostbarstem Grundstück zurückgekehrt: Der Investor Ferox will offenbar seine Pläne ändern. Das fürchten viele Kommunalpolitiker in der Stadt.

Hoch schlugen die Wogen im Bauausschuss, als die angeblichen Ferox-Ideen bekannt wurden, abweichend vom gültigen Bebauungsplan weiterzumachen. Von den Plänen für ein zweigeschossiges Gebäude mit einem Backshop, Servicebüro der AKN, öffentlichen Toiletten und abschließbaren Fahrradständern soll in den zusammen gestrichenen Plänen nur ein eingeschossiges Haus mit Backshop übrig geblieben sein, berichtete die "Segeberger Zeitung".

Angeblich baut Investor Ferox Parkplätze ohne Genehmigung

Schlimmer noch: Angeblich soll Bürgermeister Hanno Krause diese Pläne bereits abgesegnet haben, ohne die Kommunalpolitik zu informieren. Außerdem soll Ferox bereits mit dem Bau von Parkplätzen an den zusammen gestrichenen Gebäude begonnen haben, obwohl dafür keine Genehmigung vorliegt. Das Blatt zitiert den CDU-Fraktionsvorsitzenden Kurt Barkowsky, er sei "stinksauer" auf die Verwaltung.

Die SPD legte noch einmal nach: Er habe den Eindruck, die Verwaltung und der Investor wollten die Politiker über den Tisch ziehen, sagte Fraktionschef Bernd Schädler. Dennoch sei seine Fraktion bereit, über Änderungsvorschläge nachzudenken. Allerdings nur unter einer Bedingung: Das Ergebnis dürfe keine langweilige Architektur sein, sondern ein Zentrum mit attraktivem Gesicht.

Die SPD sei nicht bereit, vorgefasste Bedingungen des Investors im Ausschuss und in der Stadtvertretung durchzuwinken. Schädler bezeichnete es als Affront gegen die Selbstverwaltung, dass der Investor von gültigen Bebauungsplänen abweiche und bereits mit dem Bau nach seinen Vorstellungen begonnen habe.

Bürgermeister Hanno Krause erfuhr von dem Rabatz im Bauausschuss erst nach der Rückkehr aus seinem Urlaub. Er weist die Vorwürfe zurück und nimmt Ferox in Schutz. Der Investor setze die Bauanträge um, die bis ins Detail mit der Politik abgestimmt worden seien, sagte er.

Ferox plane, im sogenannten Block 2 einen eingeschossigen, etwa 150 Quadratmeter großen Backshop mit etwa 55 Sitzplätzen und Toiletten zu errichten. Außerdem sollen für das Café sieben Parkplätze gebaut werden. Bei diesen Plänen werde mehr als die Hälfte der erlaubten Fläche bebaut. "Aus wirtschaftlichen Gründen möchte der Investor außerdem von einer zweigeschossigen auf eine eingeschossige Bebauung für den Block 2 wechseln", sagt Verwaltungschef Krause.

"Der Investor muss nach geltendem Recht betrachtet innerhalb des Baufensters die Fläche nicht voll ausnutzen und kann kleiner bauen", erklärt der Bürgermeister. "Es ist auch möglich, nicht zu bauen, was nicht im Interesse der Stadt liegen kann." Ferox passe sich der Marktlage an und könne nicht gezwungen werden, zweigeschossig zu bauen. Außerdem seien im Block 2 das AKN-Büro und die öffentlichen Toiletten Bestandteil der Pläne für dieses Gebäude gewesen. Verwaltungschef Hanno Krause: "Solche Details gehören nicht zum Bebauungsplan."

Ferox hat offenbar Probleme, Mieter zu finden

Krause wies auch den Vorwurf zurück, an der Politik vorbei Absprachen mit Ferox getroffen zu haben. "Alle Bauplanungen und Bauanträge der Stadt wurden und werden in den städtischen Gremien - insbesondere Bau- und Umweltausschuss und der Stadtvertretung - beraten und dort entschieden, in der Regel nach vorheriger Beratung der einzelnen Fraktionen und des Bürgermeisters mit den Fraktionsvorsitzenden", sagt Krause.

Die Wuppertaler Firma Ferox hat offenbar große Probleme bei der Suche nach Mietern für die neuen Gebäude in Kaltenkirchen und war nicht bereit, gegenüber dem Abendblatt Stellung zu den Vorwürfen zu nehmen.