Kreis Segeberg

Nachfrage nach Grippe-Impfung sorgt für volle Praxen

Ein kleiner Piks mit großer Wirkung: Dr. Jens-Michael Berger verabreicht der Patientin Carola Kolmsee eine Grippe-Schutzimpfung.

Ein kleiner Piks mit großer Wirkung: Dr. Jens-Michael Berger verabreicht der Patientin Carola Kolmsee eine Grippe-Schutzimpfung.

Foto: Burkhard Fuchs

Es herrscht kein Mangel an Impfseren bei den Ärzten im Kreis Segeberg. Erstmals gibt es einen Schutz gegen alle vier Virenarten.

Norderstedt/Kreis Segeberg.  „Es ist nur ein kleiner Piks in den Arm, der kaum weh tut“, sagt Dr. Jens-Michael Berger. „Aber die Impfung schützt den Patienten mit großer Sicherheit davor, in diesem Winter an Grippe zu erkranken.“ Darum appelliert der Norderstedter Hausarzt ebenso wie das Gesundheitsamt des Kreises Segeberg und der Apothekerverband Schleswig-Holstein vor allem an ältere und chronisch kranke Bürger, sich unbedingt impfen zu lassen. Auch schwangeren Frauen und Menschen, die in ihrem Beruf viel Kontakt zu anderen Menschen haben wie Erzieherinnen, Lehrer oder Krankenpfleger, sei dies dringend angeraten.

Im Moment herrscht Hochbetrieb in den Norderstedter Arztpraxen, weil sich zurzeit Hunderte Norderstedter Bürger die Grippe-Schutzimpfung geben lassen. Allein in der Hausarztpraxis von Dr. Berger an der Ochsenzoller Straße sind es jedes Jahr etwa 300 Patienten, die auf diese Weise für ihre Gesundheit vorsorgen. „Die Grippe-Schutzimpfung ist sehr wichtig, vor allem für ältere Menschen ab 60 und chronisch Kranke“, sagt der Arzt.

Ende Oktober/Anfang November sei der ideale Zeitpunkt für eine solche Impfung. „Dann kommt man in aller Regel mit einer Impfung über den Winter aus“, sagt Berger. Die Umfrage in anderen Norderstedter Arztpraxen ergibt ein ähnliches Bild: „Es ist zurzeit unglaublich voll bei uns wegen der Grippeimpfung“, sagt eine Arzthelferin. „Wir sind voll im Stress wegen der Grippe-Impfung“, sagt eine andere.

Bei Dr. Berger können sich Patienten dreimal in der Woche nur am Vormittag impfen lassen. „Dieser Hochbetrieb in den Praxen liegt auch daran, dass in diesem Jahr viel mehr Impfstoff vorhanden ist und es keinen Engpass gibt wie im vorigen Jahr“, sagt Berger.

Die „Impfbereitschaft“ der Menschen ist hoch

Das bestätigt Thomas Friedrich, Geschäftsführer des Apothekerverbandes von Hamburg und Schleswig-Holstein. Die Arztpraxen seien in diesem Jahr nicht nur mit weit mehr und vor allem ausreichend Impfseren versorgt. Vor allem würden die Impfstoffe erstmals auch eine Vierfach-Sicherheit geben, weil sie gegen alle vier Grippeviren Schutz böten. Der Apothekenverbandschef schätzt, dass auch in diesem Jahr die Zahl der Impfungen zunehmen werde. „Wir erkennen eine hohe Impfbereitschaft in der Bevölkerung und eine deutlich erhöhte Nachfrage bei den Patienten.“

Diese Einschätzung bestätigt die Norderstedter Hausärztin Ann-Kristin Budde. „Wir haben mit etwa 250 Impfungen in diesem Jahr schon mehr als im vorigen Jahr.“ Das erkläre sie sich auch mit der starken Grippewelle im vorigen Jahr. Sie empfehle es allen ihren Risiko-Patienten, die über 60 sind oder an Diabetes und Immunschwäche leiden, so Dr. Budde. „Es gibt zum Glück keine Lieferengpässe in diesem Jahr. Wir impfen während der Sprechstunden.“ Die Patienten sollten einfach in die Praxis in der Rathausallee vorbeikommen. Im vorigen Jahr stellte man bei bundesweit rund 2,5 Millionen Impfungen eine Steigerung von 15 Prozent fest, was auch zu dem Engpass 2018 geführt hätte. Friedrich: „Damit liegt Deutschland aber weiterhin am unteren Ende im Vergleich zu den Empfehlungen der Weltgesundheitsbehörde WHO, die 70 Prozent der Bevölkerung rät, vorsorglich eine Grippe-Schutzimpfung zu machen.“

Vor allem für alle sogenannten „Risiko-Patienten“, die älter als 60 Jahre und chronisch krank sind und in Kontakt mit vielen Menschen stehen, sei die Grippe-Schutzimpfung „sinnvoll und notwendig“, rät der Apothekenverbandschef. Wichtig ist der Zeitpunkt der Impfung: Wer sich zu spät impfen lässt läuft Gefahr, dass er sich schon mit einem Grippevirus angesteckt haben könnte. Darum bietet das Kreisgesundheitsamt jetzt an jedem ersten Dienstag und Donnerstag im Monat (5. und 7. November, 3. und 12. Dezember sowie 6. und 9. Januar) jeweils von 14 bis 16 Uhr in ihren Räumen im Haus A in der Hamburger Straße 30 in Bad Segeberg kostenlose Grippe-Schutzimpfungen an. Eine Anmeldung unter 04551/951 96 04 sei möglich, aber nicht notwendig, teilt Kreissprecherin Sabrina Müller mit.

Die Kreis-Ärztin Gabriele Seidel versichert: „Den besten Schutz, nicht an der Grippe zu erkranken, bietet die Impfung.“ Selbst wenn es zu einer Ansteckung käme, könnte der Krankheitsverlauf für den Betroffenen durch die Impfung deutlich abgeschwächt werden. „Jeder ist für seine eigene Gesundheit verantwortlich“, betont die Kreisärztin, „auch für die der Mitmenschen.“ Denn die Impfung schütze nicht nur die geimpfte Person, sondern auch sein Umfeld, in dem Kinder und kranke Menschen besonders anfällig gegen die aggressiven Grippeviren seien.

Im vorigen Jahr sind in Schleswig-Holstein insgesamt 8800 Menschen an der Grippe erkrankt. 44 von ihnen starben an dieser durch Tröpfcheninfektion übertragenen Krankheit, die zunächst mit Fieber, Husten, Schnupfen und Kopfschmerzen beginnt und sich durch Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und Schwächegefühl bis hin zu schweren Symptomen schnell steigern könne, so das Kreisgesundheitsamt. „Wer eine Grippe-Ansteckung vermeiden will, sollte sich unbedingt impfen lassen.“