Lübeck feiert Thomas Mann

Ausstellung zum 50. Todestag des Dichters. Vom schwierigen Verhältnis zu seiner Geburtsstadt.

Lübeck. Die Hansestadt Lübeck und ihr großer Sohn Thomas Mann: Als der Autor der "Buddenbrooks" vor 50 Jahren starb, war er erst wenige Wochen zuvor, am 20. Mai 1955, zum Ehrenbürger seiner Geburtsstadt ernannt worden. 50 Jahre danach zeigt Lübeck in der Museumskirche St. Katharinen eine ganz besondere Ausstellung: "Das zweite Leben" ist ihr Titel, die Wirkung des Literatur-Nobelpreisträgers nach seinem Tod ihr Thema.

Weit über seine Romane, seine penible Selbstinszenierung und seine in den 70er Jahren veröffentlichten Tagebücher hinaus beeinflußt Thomas Mann die Kultur. Ohne ihn hätte es Horst Buchholz als "Felix Krull" nicht gegeben, nicht Hans Lothar als Christian Buddenbrook; das Fernsehen hätte sein Highlight von 2001, den Dreiteiler "Die Manns", nicht erlebt.

Viele Zeitgenossen, ganz besonders viele in Lübeck, wollten dennoch an Höflichkeit Thomas Mann gegenüber eher ersticken als sie zum Ausdruck zu bringen. Das entlarvende lübsche Sittengemälde "Die Buddenbrooks" hatte man ihm an der Trave verziehen, seine Reden aus dem US-Exil und seinen literarischen Erfolg aber nicht. "Mit den Stimmen aller Anwesenden" beschloß die Lübecker Bürgerschaft 1955, Thomas Mann die Ehrenbürgerrechte zu verleihen. Allerdings: Fast die Hälfte der Bürgerschaftsmitglieder war aus Protest gar nicht erst zur Abstimmung erschienen.

Manns Befürworter allerdings wußten lange vorher um die Größe eines solchen Aktes: Als Thomas Mann 1953 nach Hamburg kam, um vor Studenten von seiner Hoffnung auf ein europäisches Deutschland an Stelle eines deutschen Europa zu sprechen, war ihm eine Lübecker Delegation mit Rotspon, Marzipan und Blumen im Gepäck entgegengereist, um den Rückkehrer so nahe seiner Heimatstadt willkommen zu heißen.

Was hat sich aus dieser Morgengabe entwickelt?

In Lübeck selbst ist bisweilen Murren zu vernehmen: zuviel Mann, heißt es. Auch dies ein Stück Wirkungsgeschichte. Diffizil ist die Sicht auf Thomas Mann geblieben. "Feiger, selbstgerechter, geldgieriger Egomane!" schrien die einen ihm hinterher, andere polierten an seiner Gloriole.

So unausstehlich er bisweilen gewesen sein mag: Thomas Mann war seiner Heimatstadt verbunden. 14mal kehrte er nach dem Tod seines Vaters nach Lübeck zurück. Hier ist er geboren und getauft worden. Im altehrwürdigen Katharineum, gleich neben der Katharinenkirche, hatte er sich zum Realschulabschluß geschleppt und den "Frühlingssturm", die erste deutsche Schülerzeitung, herausgegeben. Eine seiner Reden heißt: "Lübeck als geistige Lebensform".

  • "Das zweite Leben - Thomas Mann 1955-2005", 21. Mai bis 31.Oktober täglich 10-18 Uhr, Katharinenkirche, Königstraße 21, Lübeck. Eintritt vier Euro, Gruppen ab zwölf Personen 3,60 Euro pro Person, Schüler und Studenten 2,20 Euro. Nähere Informationen unter www.buddenbrookhaus.de Buchtip: Hans Wißkirchen, "Spaziergänge durch das Lübeck von Heinrich und Thomas Mann", Arche Verlag, 2003, 160 Seiten, 14,80 Euro.