Sehr früh, sehr heftig

Schleswig-Holstein hat am meisten unter Wintereinbruch zu leiden. Hamburg kommt glimpflicher davon

Hamburg/Kiel. Die heftigsten Schneefälle seit Langem haben in Schleswig-Holstein zu extremen Verkehrsverhältnissen und Unterrichtsausfall geführt. Wegen Schneeverwehungen oder Glätte mussten viele Straßen, aber auch Tunnel zeitweise gesperrt werden. Autos blieben stecken, Lastwagen stellten sich auf Autobahnen und Bundesstraßen quer. In Teilen des Landes konnte keine Post zugestellt werden. Auch der Zugverkehr war teilweise lahmgelegt. Wegen des Schnees konnten auch keine Busse als Ersatz fahren. "Die Leute sollen zu Hause bleiben - jeder der rausfährt, muss damit rechnen, stecken zu bleiben", sagte ein Sprecher der Regionalleitstelle Kiel. Auch in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern war die Lage zum Teil angespannt.

Die Räumdienste kamen gegen die Schneemassen kaum an. Auf der A 215 in Richtung Kiel gab es massive Behinderungen. Zeitweise gesperrt war die spiegelglatte A 21 zwischen Wahlstedt und Trappenkamp in Richtung Kiel, ebenso wie die A 1 zwischen Ratekau und Lensahn. Dort hatten zwei Fahrer die Kontrolle über ihre Lkws verloren, die quer über die Fahrbahn in die Leitplanken rutschten. "Hauptursache für die Verkehrsbehinderungen sind Schneeverwehungen", erläuterte ein Sprecher der Lübecker Polizei. "Wir hatten Schnee von 60 bis 70 Zentimeter Höhe." In Kiel herrschte stundenlanges heftiges Schneetreiben, sodass man kaum die Hand vor den Augen sah.

Kein Durchkommen gab es auch für die Post. Betroffen waren vor allem Ostholstein und der Großraum Kiel, sagte ein Sprecher. "Wir haben dort erhebliche Schwierigkeiten. Einige Kollegen sind nicht einmal mehr vom Hof gekommen." Im Landkreis Ostholstein konnten Busse der Nord-Ostsee-Bahn GmbH nur eingeschränkt fahren. Aufgrund von Weichenstörungen im Kieler Hauptbahnhof kam es dort zu Zugausfällen und Verspätungen. In vielen Schulen des Landes fiel der Unterricht aus. Eltern war es freigestellt, ihre Kinder zur Schule zu schicken oder nicht.

Behinderungen gab es auch im Zugverkehr zwischen Elmshorn und Hamburg. Die ICE-Linie von Hamburg nach Kopenhagen wurde wegen Schneeverwehungen in Schleswig-Holstein unterbrochen. Die Hansestadt kam aber glimpflicher davon. Bis zum Abend zählte die Polizei gut 100 Blechschäden. Zwölf Menschen wurden vorsorglich in Krankenhäuser eingeliefert, weil sie auf Gehwegen gestürzt waren.

Die Stadtreinigung schickte gestern Morgen ihre gesamte Flotte auf die Straßen. Die 120 Räumfahrzeuge verstreuten noch vor den vorhergesagten Schneefällen Salz auf den Asphalt. Als gegen 4 Uhr dann die ersten Schneeflocken vom Himmel fielen, räumten die übrigen Stadtwerker Verkehrsinseln und Fußgängerwege.

Da etwa auf den Gehwegen kein Salz, sondern nur feiner Sand gestreut werden dürfe, können sie erst zum Einsatz kommen, wenn der Schnee bereits liegt, sagte Andree Möller, Sprecher der Stadtreinigung. Um Verhältnissen wie im vergangenen Extremwinter gewappnet zu sein, habe die Stadtreinigung ihre Salzvorräte noch einmal ausgebaut. "Salznachschub ist derzeit überhaupt kein Thema. Wir haben 15 000 Tonnen eingelagert und Optionen auf weitere 5000 Tonnen, die jederzeit sofort nachgeliefert werden können." Im vergangenen Jahr hatte die Stadtreinigung lediglich 10 000 Tonnen in ihren Depots. Außerdem wurde der Vorrat an feinkörnigem Kies aufgestockt. Grund: Um den teils katastrophalen Verhältnissen im vergangenen Winter vorzubeugen, sind der Stadtreinigung mehr Aufgaben übertragen worden, die bislang in der Zuständigkeit der Bezirke lagen. So sind die Stadtreiniger jetzt unter anderem auch in der Pflicht, die knapp 4000 Bushaltestellen und die wichtigsten Radwege und "anliegerfreien Gehwege" zu räumen - eine Strecke von zusätzlich 1100 Kilometern.

Die Meteorologen kündigen unterdessen eine Besserung der Bedingungen an. Da neben dem Schneefall auch der Wind nachlassen soll, sei mit weniger Schneeverwehungen zu rechnen.