Nach Bombenexplosion in Göttingen

Noch immer schlummern viele Bomben und Munition im Boden

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Bremens Sprengmeister warnt, es gebe noch immer viele Bomben und Munition in den Böden im Norden. Gefahr von Explosionen steigt.

Bremen. 65 Jahre nach Kriegsende schlummern immer noch viele Bomben im Boden. Und damit steigt auch die Gefahr, dass sich die Sprengkörper irgendwann selbst auslösen – vor allem die mit Langzeitzündern. Um solch eine handelte es sich auch bei der Explosion Anfang Juni in Göttingen . "Man muss sehen, dass man die Bomben möglichst schnell aus dem Boden kriegt", sagte Bremens Sprengmeister Andreas Rippert am Montag bei der Vorstellung des Kampfmittelräumdienstes des Landes.

Doch das wird nach seiner Ansicht nicht nur in Bremen, sondern auch in anderen Städten noch viele Jahre dauern. Allein in Bremen wurden bei 173 Luftangriffen 26.000 Tonnen Munition abgeworfen, darunter 100.000 Spreng- und eine Million Brandbomben.

Mit Blick auf das tragische Unglück in Göttingen , bei dem Anfang Juni bei einer geplanten Entschärfung drei Kollegen ums Lebens kamen, sagte Rippert: "Die Kollegen haben Pech gehabt. Eine Woche später wäre es vielleicht zur Selbstdetonation der Bombe gekommen."

Problem dieser amerikanischen Fliegerbombe mit Langzeitzünder sei die Zelluloidscheibe, die die Feder für den Schlagbolzen halte. "Wenn diese Scheibe über die Jahre brüchig wird, kann der Schlagbolzen plötzlich freigesetzt werden und die Bombe hochgehen." In Bremerhaven seien in den vergangenen 15 Jahren zwei Blindgänger dieser Art gefunden und unschädlich gemacht worden.

Seit Kriegsende wurden im Land Bremen 16.000 Spreng- und 95.000 Brandbomben gefunden. Doch so akribisch wie heute wurden die Fundorte der Sprengkörper früher nicht dokumentiert. "Unsere Vorgänger haben umfangreich gesucht, aber wir wissen nicht wo. Da haben wir ein großes Problem", sagte Rippert. Wie viele heute noch im Erdreich lägen, könne er nicht sagen.

Hauptaufgabe des Kampfmittelräumdienstes ist die Überprüfung von Baugebieten – vom Carport über Gewerbeflächen bis zu neuen Wohngebieten. "Jeder, der bauen will, muss nachfragen, ob das Grundstück frei von Kampfmitteln ist", sagte Rippert. Etwa 1000 Bauanträge sind es pro Jahr.

Angst hat Rippert bei seiner Arbeit nicht. "Aber man hat Respekt, man weiß, dass es gefährlich ist. Wir sind aber nicht lebensmüde."Seine bisher größte Bombe war ein 1800 Kilogramm schweres britisches Exemplar. Als krönenden Abschluss seiner Laufbahn wünscht sich Rippert den Fund einer 10.000-Kilo-Bombe. "Eine Größere gibt es nicht mehr."

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