Weniger Gläubige, weniger Steuereinnahmen

54 katholische Kirchen werden geschlossen

Es trifft Katholiken in Cuxhaven, im Landkreis Lüchow-Dannenberg und Bremen und ist doch nur der Anfang: Das Bistum Hildesheim schließt in den kommenden zehn Jahren 54 von mehr als 400 Kirchen.

Hildesheim. Angesichts der rückläufigen Kirchensteuereinnahmen und der sinkenden Zahl der Kirchenmitglieder ließ Bischof Norbert Trelle gestern in Hildesheim keinen Zweifel, dass das Kirchensterben noch dramatischer wird. "Dauerhaft" will er sogar nur 167 Kirchen erhalten. Über die Liste der zu schließenden Gotteshäuser hat der Bischof letztlich persönlich entschieden. Bei weiteren über 100 Kirchen ist ihre Notwendigkeit für die Seelsorge bereits "mittelfristig zu prüfen".

Zur Diskussion bei den zu schließenden Kirchen steht eine anschließende Nutzung etwa als Kindertagesstätte oder auch für betreutes Wohnen im Alter. Angeboten werden die Kirchen auch evangelischen und orthodoxen Gemeinden. Ein Verkauf allerdings an islamische Gemeinschaften schließt das Bistum aus.

Seit das Bistum vor anderthalb Jahren die Diskussion über die Kirchenschließungen angestoßen hat, wird in den Gemeinden nicht nur heftig gestritten, es gab auch Kundgebungen gegen die Pläne des Bistums. Domkapitular Adolf Pohner sprach gestern "von zum Teil heftigen Reaktionen". Bischof Trelle verwies dazu auf einen "erheblichen Rückstau" bei den Investitionen von inzwischen 115 Millionen Euro. Angesichts leerer Kassen seien deshalb die Schließungen unumgänglich: "Es ist ein Kreuz, das wir wohl gemeinsam tragen müssen." Bei der Entscheidung über Schließungen wurden die Wege der Gläubigen berücksichtigt, aber auch die historische Bedeutung oder die Bausubstanz der Gebäude. Das Bistum umfasst weite Teile Niedersachsens vom Hamburger Rand bis zum Harz sowie Bremen, aber in diesem flächenmäßig drittgrößten deutschen Bistum leben nur 645 000 Katholiken.