Das teure Leben des Dr. H.: Ein Klinikskandal erregt Lüneburg

Ein Leben mit drei Frauen hat seinen Preis: Der Lüneburger Orthopäde Dr. Peter Huhle ließ sich nicht lumpen, leistete sich zeitweise drei Frauen...

Lüneburg. Ein Leben mit drei Frauen hat seinen Preis: Der Lüneburger Orthopäde Dr. Peter Huhle ließ sich nicht lumpen, leistete sich zeitweise drei Frauen gleichzeitig - Ehefrau, Geliebte und Prostituierte. Das hat ihn nicht nur viel Geld gekostet, sondern am Ende auch seine Zulassung als Arzt, seine Reputation und seine Freiheit: Seit knapp anderthalb Jahren sitzt er wegen Brandstiftung am Haus seiner Geliebten hinter Gittern.

Jetzt kommen neue Details ans Licht: Er soll rund 1000-mal operiert haben, obwohl er es nicht durfte. Die Staatsanwaltschaft hat ihn nun auch dafür angeklagt - ebenso wie die beiden Geschäftsführer des Klinikums Lüneburg. Vorwurf: Abrechnungsbetrug.

Ein finanziell belastetes Haus mit der Ehefrau, gut 20 000 Euro für Haus und großzügige Geschenke an die Geliebte, regelmäßiges Honorar für die polnische Prostituierte: Dr. Huhle brauchte viel Geld. Auch Schweigegeld. Denn er war unvorsichtig geworden, hatte der jungen Polin von seinen Plänen erzählt, ein Haus in Reppenstedt anzünden lassen zu wollen. Das gehörte seiner Geliebten, die ihn 2006 verlassen hatte. Nachdem Liebesschwüre nicht fruchteten, griff er zu härteren Bandagen, hoffte, die Geflohene würde bei ihm um Hilfe betteln, wenn sie ihr Zuhause verloren hat. Am 26. Januar 2007 brannte es nieder. Dieser Teil des Plans ging auf, der andere nicht: Die Geliebte blieb weg. Und die Prostituierte erpresste ihn: Ihr Schweigen ließ sie sich mit gut 10 000 Euro bezahlen. Doch die Sache flog auf, Huhle wanderte in den Knast.

Jetzt kommt heraus, woher der Doktor das nötige Geld offenbar bekommen hat: per Abrechnungsbetrug bei den Krankenkassen. Nicht allein, sondern in fast 1000 Fällen gemeinsam mit den Managern des Lüneburger Klinikums: "Der Arzt hätte dort nicht operieren dürfen", sagt Oberstaatsanwalt Manfred Warnecke. "Man hat Verträge geschlossen, die das unserer Auffassung nach umgehen sollten." Die Verträge nützten offenbar auch der Klinik.