Aufstiegshilfe: Damit Fische in der Elbe eine Zukunft haben

Neue Stör-Stelle Geesthacht

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Carolin George

An der Staustufe soll eine größere Fischtreppe gebaut werden. Nur so hat der Stör eine Chance zurückzukehren.

Geesthacht. Das überlebt kein Fisch: Mit 500 Kubikmetern pro Sekunde rauscht die Elbe durch die Staustufe in Geesthacht. Eine Umleitung, in der es ruhiger zugeht, wurde den Tieren zwar 1998 als sogenannte Aufstiegshilfe gebaut. Doch sie reicht nicht aus. Eine zweite, größere Fischtreppe ist dringend nötig - und der geplante Bau eines Wasserkraftwerks am Wehr muss verhindert werden.

Das fordern Fischretter verschiedenster Fronten und haben gestern erstmals Bundestagsabgeordnete für ihre Anliegen interessieren können.

Wurden Mitte des 19. Jahrhunderts noch bis zu 7000 Störe jährlich aus der Elbe auf die Teller geholt, landete vor 50 Jahren das letzte Exemplar im Netz. Auch der Lachs ist als Wirtschaftsfisch längst passe. Jetzt macht sich auch noch der Aal extrem rar: 90 Prozent weniger als vor 40 Jahren schwimmen in der Elbe, "wir Berufsfischer zwischen Geesthacht und Schnackenburg leben aber von den Wanderfischen", erklärte Christian Köthke aus Gorleben den Gästen aus Berlin beim Ortstermin in Geesthacht. "Dass der Aal so stark zurückgeht, macht uns ganz große Sorgen."

Kürzlich erst wurden 100 000 Jungaale als künstliche Besatzhilfe zwischen Bleckede und Geesthacht zu Wasser gelassen, seit Jahren bereits werden Störe gezüchtet, die später in der Elbe wiederangesiedelt werden sollen. Doch wenn es so weit ist und die Fische nach ihrer Reise ins Meer zurück in die Elbe kommen, endet diese spätestens in Geesthacht. Denn die Umleitung am Südufer ist zu klein für die bis zu drei Meter langen und 80 Zentimeter breiten Störe. "Wir brauchen eine zweite, doppelt so große Treppe am Nordufer", machte Rene Schwartz, Fließgewässerexperte aus der Hamburger Umweltbehörde, klar. Vattenfall habe sie bereits als Ersatzmaßnahme für sein geplantes Kohlekraftwerk in Moorburg beantragt, "aber wenn dieser Tauschhandel nicht funktioniert, ist der Bund gefordert", so Schwartz. "Wir brauchen die Treppe so schnell wie möglich, realistisch wäre 2010." Ein Wasserkraftwerk, wie von den Wirtschaftsbetrieben Geesthacht geplant, will er in Geesthacht nicht sehen: Das käme einer "Fischzerschredderungsanlage" gleich. Der Meinung des Experten schlossen sich die Berliner Besucher zügig an: "Drei Windkraftanlagen würden dieselbe Menge Strom produzieren", sagte Brunhilde Irber (SPD), Vorsitzende der Parlamentariergruppe "Frei fließende Flüsse", der SPD, FDP, Grüne und Linke angehören. "Das ist nicht verhältnismäßig."

Und da er schon mal einen Ansprechpartner von weit oben bei sich hatte, formulierte Schwartz gleich noch einen Wunsch: "Die Altarme der Elbe sollten alle fünf Jahre ausgebaggert werden." 90 Prozent der Auen seien mit dem Hauptstrom mittlerweile nicht mehr verbunden, die Nischen für Laichen, Aufzucht und Brut gingen damit verloren. Die Strategie der Fischförderer erklärt Axel Schlemann vom Elbfischereibüro: "Die dafür zuständigen Wasser- und Schifffahrtsämter haben daran erst mal kein Interesse, weil sie nicht der Schifffahrt dienen. Deshalb müssen entsprechende Ansagen aus der Politik kommen."

Denn wenn die Aale noch weniger werden und die Wiederansiedelung des Störs nicht funktioniert, hat die Fischerei an der Elbe keine Zukunft mehr. Regionale Spezialitäten würden vernichtet, der Tourismus in eine Krise geschubst: "Unsere Elbe ist eine Urlaubsregion, die vom Wasser lebt", sagt der Touristiker Schlemann. "Und zum Wasser gehören Fische." Fische aber brauchen genug Platz und genug Sauerstoff. Noch aber sei Geesthacht für sie ein "Mäuseloch im Scheunentor".