Windkraft kippt Windrad

Goldenstedt. Mit einer solchen Urgewalt hatte der Windparkbetreiber Engelbert Schwenz aus dem niedersächsischen Goldenstedt (Landkreis Vechta) nicht gerechnet, als er die Sturmwarnungen im Radio hörte. Die vier Windkraftanlagen seines Windparks Ellenstedt hatten sich wegen zu viel Windes schon automatisch abgebremst und die Rotorblätter in Segelstellung gebracht, um dem Wind keine Angriffsfläche zu bieten. "Trotzdem habe ich vorsichtshalber gegen zehn Uhr alle Anlagen ganz abgestellt", sagt der 46-Jährige. Dann ging er nach Hause: "Ich dachte, alles wäre in Butter."

Ein Irrtum.

Der Orkan "Jeanett" schaffte, was noch kein Sturm fertig gebracht hatte: Wie ein Baum wurde ein 93 Meter hohes, 750 000 Euro teures Windrad "entwurzelt", als sein knapp zwei Meter starkes Betonfundament aus dem Boden gerissen wurde. "Die Kräfte, die auf die Konstruktion gewirkt haben, müssen gewaltig gewesen sein", sagt Johann Götz (62) von der Kieler Firma GETproject. Sie hatte die vier 600-Kilowatt-Anlagen vom Typ GET 41a 1997 für die niedersächsische Windpark Ellenstedt GmbH aufgestellt. Götz steht vor einem Rätsel: "Die Anlagen dieses Typs sind so berechnet, dass sie ,Jahrhundertböen' von bis zu 235 Kilometern pro Stunde standhalten müssten."

Motorbrände und Rotorbrüche kommen vor, umgefallen war bisher aber noch nie eine der mehr als 12 000 Windkraftanlagen in Deutschland. Dabei stehen mehr als 90 Prozent von ihnen auf so flachen Fundamenten wie die in Goldenstedt. "Nur wo der Boden zu weich ist, werden zusätzlich Betonpfähle in den Boden gerammt", sagt Götz. Auch in Goldenstedt hatte das Bauamt die statischen Berechnungen der von HDW-Nobiskrug in Flensburg gebauten Windanlagen geprüft und die Baugenehmigung erteilt.

Trotzdem hielt die 123 Tonnen schwere Anlage dem Sturm irgendwann am Nachmittag nicht länger stand, kippte und schlug auf den Acker bei Goldenstedt. Der 70 Meter hohe Stahlturm mit der Motorgondel brach beim Aufprall. Erde und scharfe Glasfasersplitter von den 23 Meter langen Rotorblättern flogen durch die Luft. Um 17.15 Uhr alarmierte die Polizei den ahnungslosen Betreiber. "Es war kaum zu glauben", sagt Schwenz immer noch ungläubig.

Die genaue Unfallursache wird jetzt untersucht. Vielleicht wurde die berechnete "Jahrhundertböe" von Orkantief "Jeanett" tatsächlich übertroffen: "Am Unglückstag wurden Windgeschwindigkeiten von mehr als 160 Kilometern pro Stunde gemessen", so Schwenz - "mit steigender Tendenz."