Domschule: Älteste Lehranstalt im Norden feiert 700. Geburtstag

Hier wird seit 1307 gepaukt

Alt ist die Schleswiger Schule, aber nicht verstaubt. Zu den Schwerpunkten gehören Informatik, aber auch Latein.

Schleswig. Als Hamburgs älteste Schule, das Johanneum, 1529 seine Pforten öffnet, wird gut einhundert Kilometer nördlich schon seit mindestens 222 Jahren eifrig gebüffelt: Die Domschule in Schleswig, die älteste Lehranstalt im Norden, feiert Ende der Woche ihr 700. Jubiläum. "Unser Gymnasium ist wahrscheinlich noch viel älter", sagt Schulleiter Georg Reußner. Spätestens von 1096 an hätte der theologische Nachwuchs in Schleswig die Schulbank gedrückt. Urkundlich erwähnt wird die betagte Lehranstalt aber erst 1307.

Nur einige Jahre später, 1320, bekommt die Domschule erstmals Konkurrenz. In Kiel startet eine Lateinschule, die heutige Gelehrtenschule. "Da habe ich mein Abitur gemacht", schmunzelt Reußner. An seiner Domschule bricht mit der Reformation eine neue Zeit an. Aus der klerikalen Kaderschmiede wird langsam eine Bürgerschule. 1814 kommt es zum großen Bruch. Die Domschule und das 1738 gegründete Christianeum (Altona) werden in staatliche Regie überführt, direkt der dänischen Krone unterstellt.

Nach dem deutsch-dänischen Krieg beginnt 1869 ein neues Schulkapitel. Die nun "königlich-preußische Domschule" zieht in die Königstraße um. "Das Gebäude mit dem markanten Kreuzgang ist also nicht ganz so uralt, wie es aussieht", sagt Reußner. Das schmucke Gemäuer an den Königswiesen der Schlei ist nicht das Einzige, was die Domschule (61 Lehrer, 880 Schüler) von modernen Bildungszentren unterscheidet. Im Schnitt startet eine der fünften Klassen mit Latein als erster Fremdsprache.

Bundesweit gibt es um die 20 andere Gymnasien mit früheren Wurzeln, insbesondere das Paulinum in Münster (um 797) und das Carolinum in Osnabrück (804). Beide starteten einst als Domschulen. Eine offizielle Hitliste gibt es nicht, zumal viele Schulen im Laufe der Jahrhunderte Namen und Gebäude wechselten oder neu gegründet wurden. Selbst die Kultusministerkonferenz winkt ab: "Welche Schule am ältesten ist, wissen wir nicht."

"Wir sind keine verstaubte Schule", versichert der Schleswiger Domschul-Chef Reußner. Zu den Lehrschwerpunkten gehört Informatik, aber auch Musik und Kunst, der eigene Domschulruderverein. Einige alte Zöpfe wurden abgeschnitten. Die Domschule ist eine offene Ganztagsschule und seit 1972 dürfen auch Mädchen die Schulbank drücken. Um die Zukunft ist Reußner nicht bange. Für das neue Schuljahr liegen 125 Anmeldungen vor.

Zuvor wird in Schleswig aber das runde Schuljubiläum gefeiert - am Freitag mit einem Festakt im Dom, am Sonnabend mit einer Party auf dem Schulgelände. Mehr als 1000 ehemalige Schüler haben sich schon angemeldet, auch aus Brasilien und Kanada. "Viele kommen aus dem Großraum Hamburg und aus der Region Schleswig", so der Schulleiter.

Zu den erfolgreichen Domschülern, die in den vergangenen Wochen Festvorträge hielten, gehören der frühere "Bild"-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje und Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts. Den Festvortrag hält Ex-Pennäler und Ex-Generalbundesanwalt Kay Nehm. Der wohl bekannteste Domschüler aber wird das Jubiläum absehbar schwänzen. Schlagersänger Jürgen Drews habe sich bisher nicht gemeldet, sagt der Direktor trocken. Unklar ist, ob eine seit Kurzem prominente Ex-Schülerin vorbeischaut: Sandra Thomsen, die Freundin von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen.

Klar ist dagegen, dass der Hausherr des nahen Schleswiger Doms, Bischof Hans Christian Knuth, die Schulbank einer anderen Lehranstalt drückte. Knuth ging zeitweise in Hamburg zur Schule, auf das Johanneum.