Bögen im Beton, Blasen im Asphalt: Hitzeschäden an A 20 und A 23

Baumängel: Schon wieder muß die Autobahn von Lübeck nach Osten repariert werden - Spursperrung bei Itzehoe. Auch auf der A 19 bei Rostock verschoben sich Fahrbahnplatten. Ungeklärt: Wer hat schuld und bezahlt?

Upahl/Itzehoe. Sind die Autobahnen im Norden der Hitze nicht gewachsen? Tatsache ist, daß auf der A 20 zwischen der schleswig-holsteinischen Landesgrenze und Schönberg bis auf weiteres Tempo 80 gilt, weil der Asphalt Blasen schlägt. Auch östlich von Rostock mußten linke Fahrspuren der A 19 streckenweise gesperrt werden, weil sich Autobahnplatten verschoben hatten, ähnlich wie auf der A 23 Höhe Hohenfelde.

Bis zu 30 Zentimeter Durchmesser zeigen die Asphaltblasen auf der A 20. Eine Wanderbaustelle soll diesen Schaden beheben. Wie lange das dauert? Axel Rath, Leiter der Autobahnmeisterei Upahl, erklärt das Problem: "Die Blasen kommen durch die Hitze zustande, bleiben nur bei Hitze sichtbar und lassen sich auch nur dann beseitigen." Beseitigt wird der Dampfdruck mit Bohrungen. "Die Männer kommen gut voran", sagt Rath. "Sie brauchen allerdings eine Fahrbahntemperatur von 50 Grad Celsius." In den kommenden Tagen sollen die Temperaturen jedoch sinken.

Warum es überhaupt zur Blasenbildung gekommen ist, muß der A-20-Bauherr, die bundeseigene Fernstraßenplanungsgesellschaft DEGES, klären - auch die Frage, wer die jüngsten Reparaturen bezahlen soll. Das betroffene Autobahn-Teilstück hat sich jedenfalls seit seiner Inbetriebnahme im Dezember 2004 durch markante Baumängel hervorgetan: Zuerst ging der Straßenbelag der seit 15 Jahren aus der Mode gekommenen Marke "Besenstrich quer" als Brüllbeton in die deutschen Annalen ein; beim anschließenden Sanierungsversuch pappte der Bitumen-Kleber an Hunderten Autos fest.

Die DEGES hatte die Verantwortung für die Lärmentwicklung zwar an die Baufirmen Kirchner und Hentschke zurückverwiesen - nachdem sie das Teilstück aber schon abgenommen hatte. Während gestern die A 20 Blasen schlug, war bei der DEGES in Berlin niemand zu erreichen. Das Schweriner Wirtschaftsministerium hatte sich da bereits für "nicht zuständig" erklärt.

Auch die A 23 ist der Hitze des nahenden Sommers nicht gewachsen - zumindest auf dem noch aus den 70er Jahren stammenden Streckenabschnitt. Auf Höhe der Anschlußstelle Hohenfelde verschoben sich zwei der je zehn Meter langen Betonplatten und bogen sich hoch. "Die Platten bestehen aus zwei Lagen Beton", erklärt Eckhart Czeloth, stellvertretender Direktor beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein.

"Bei Hitzeeinwirkung dehnt sich die obere stärker aus als die untere. Zusammen könnten die Platten mit einer Querschnittshöhe von ungefähr 22 Zentimetern der Spannung standhalten." In diesem Fall hat sich aber die obere Ebene von der unteren gelöst. Dem konnten die Dehnungsfugen nicht standhalten.

Die Betonplatten seien am Ende ihrer Lebensdauer angelangt, sagt Czeloth. Deshalb sei das Land seit gut zwei Jahren dabei, die Strecke zwischen Elmshorn und Itzehoe zu erneuern. Im Moment laufen die Bauarbeiten zwischen Itzehoe-Süd und Lägerdorf. Wann sie in Hohenfelde beginnen, kann Czeloth nicht sagen. Die defekten Platten in Hohenfelde sollen bis Freitag ersetzt werden.

So lange bleibt eine Spur gesperrt.