Kauft Michael Jackson den "Immenhof"?

Landruhe: Besitzer des Hofes bestätigen Anfragen eines mysteriösen Fremden. Angeblich hatte sich der Popstar auf Gut Rothensande schon angemeldet. Das Anwesen soll zehn Millionen Euro kosten.

Malente. Immenhof statt Neverland? Seit durchgesickert ist, daß Michael Jackson bei seinem Überraschungsbesuch in Hamburg auch einen Ausflug ins holsteinische Malente geplant haben soll, brodelt die Gerüchteküche. Will der selbsternannte King of Pop möglichweise Herr auf Gut Rothensande werden - Schauplatz der legendären Immenhof-Filme?

Wie im Dornröschenschlaf liegt die heute weißgetünchte Hofanlage direkt am Kellersee. Morbider Charme schlägt dem Besucher entgegen, der sich auf dem schmalen Weg von der Landstraße nähert. Zutritt, warnt ein kleines, altmodisches Schild, ist nur Berechtigten gestattet. Trotzdem verdichten sich nach Abendblatt-Informationen die Hinweise, der Mega-Star, der nach dem Verkauf seiner kalifornischen Neverland-Ranch im Golfstaat Bahrain lebt, wollte am vergangenen Sonnabend tatsächlich kommen.

Gegen 13 Uhr hatte die Hamburger Polizei das Lagezentrum in Kiel per Fernschreiben informiert. "Es hieß, daß Jackson einen privaten Termin in Bad Malente plane", sagt Detlef Riedel, Sprecher der Polizeidirektion Lübeck. Er wolle sich ein Haus anschauen, einen Spaziergang machen und an einem nicht näher benannten Ort zu Abend essen, erfuhr das Abendblatt aus Hamburger Polizeikreisen. Daraufhin, so Riedel, seien acht Streifenwagen und eine zehnköpfige Einsatztruppe in Bereitschaft gesetzt worden. Eine Stunde später kam die Entwarnung: Jackson werde wegen des Medienrummels doch nicht kommen.

Trotzdem schaut jetzt alles auf Gut Rothensande. Schließlich hat das Anwesen eine Geschichte vorzuweisen, auch wenn es Filmgeschichte ist. Als Drehort der 50er-Jahre Triologie um die "Mädels vom Immenhof" wurde Rothensande über die Grenzen Deutschlands bekannt - und zum Inbegriff einer Nachkriegs-Heile-Welt. Bis heute werden die Streifen, zwei weitere entstanden in den 70er Jahren, regelmäßig im Fernsehen wiederholt. Es gibt einen registrierten Fan-Club. Auch Thriller-Sänger Jackson soll "Immenhof"-Fan sein.

Da trifft es sich gut, daß das Gut erst Anfang Januar in einer überregionalen Sonntagszeitung zum Verkauf angeboten wurde: samt Gutshaus mit 1265 Quadratmetern Fläche, Verwalterhaus, Nebengebäuden, Ställen und 265 Hektar Land - für zehn Millionen Euro. Gestartet hat die Offerte offensichtlich die Witwe des letzten Eigentümers, Anna Noerenberg, die mit Lebensgefährten und zwei Hunden im alten Gutshaus residiert. Sie handelte ohne Rücksprache mit anderen Mitgliedern der Erbengemeinschaft.

Diese halten sich bedeckt. Viele Möglichkeiten seien denkbar, heißt es. "Wir würden aber auch einen Verkauf in Erwägung ziehen, wenn er wirtschaftlich überaus interessant wäre", sagt einer der Eigentümer dem Abendblatt. Ein angebliches Kaufinteresse Jacksons wies die Nienstedtener Rechtsanwältin Dagmar Guth, auch Mitglied der Erbengemeinschaft, entschieden zurück: "Totaler Blödsinn."

Ganz so ist es wohl nicht. Wolfgang Bahr, ein auf Gutshäuser spezialisierter Immobilienmakler in Reinbek, hatte vor einigen Tagen einen rätselhaften Anruf. "Es war jemand, der zu einem bestimmten Zeitpunkt Informationen nach Frankfurt mitnehmen wollte", so Bahr. "Das könnte im Auftrag von Herrn Jackson gewesen sein." Der war über Frankfurt gekommen - und auch wieder abgeflogen.