Eine Passion für Gorch Fock

| Lesedauer: 4 Minuten
Elisabeth Jessen

Biographie: Der Bremer Günter Benja über den Dichter aus Finkenwerder. "Poet mit Herz" betitelt der ehemalige Schnellbootkommandant Benja sein Buch.

Bremen. Der Name Gorch Fock hat Günter Benja (83) sein Leben lang begleitet. Schon als Schuljunge interessierte er sich für das berühmte gleichnamige Segelschulschiff der Marine. "Und in der Schulbibliothek fiel mir 1939 der Roman ,Seefahrt ist not' von Gorch Fock in die Hände", erinnert sich der Autor aus Bremen. Als er Jahre später seine Frau kennenlernte, war das Glück perfekt: "Sie hat die fünfbändige Fock-Gesamtausgabe mit in die Ehe gebracht."

Unzählige Male hat Benja die Bücher mittlerweile durchgelesen, hat die Probleme mit dem Finkenwerder Platt überwunden, und sein Respekt vor dem Finkenwerder Fischersohn Johann Wilhelm Kinau, genannt "Jan", der hinter dem Pseudonym Gorch Fock steckt, ist enorm: "Dieser Mann hat immer neben seinem Brotberuf geschrieben." Sein Pseudonym dürfte Fock vom Vornamen Georg und dem Geburtsnamen seiner Großmutter abgeleitet haben.

Günter Benja, der ebenfalls seit den 50er Jahren nebenberuflich als Journalist und Schriftsteller gearbeitet hat und schon mehrere Bücher über die Schiffahrt veröffentlichte, wollte Gorch Fock, den er als zuverlässigen und bescheidenen Menschen beschreibt, ein Denkmal setzen.

Schon zum 100. Geburtstag 1980 habe er über ihn schreiben wollen, aber da sei er beruflich noch so eingespannt gewesen. "Dann hatte ich an eine kleine Broschüre gedacht, die ich für die "Gorch Fock" in Stralsund schreiben wollte - anläßlich des 125. Geburtstags von Gorch Fock 2005 oder seines 90. Todestages in diesem Jahr." Schließlich wurde die Biographie doch umfänglicher. Gleichzeitig brachte der Sutton Verlag den Roman "Seefahrt ist not" neu heraus.

Benja beschreibt ausführlich die Familienverhältnisse, in denen Gorch Fock aufwuchs, beginnend bei den Vorfahren, die aus Niederschlesien stammten. Gorch Focks Großvater zog es als ersten aus der Familie auf See. Auch sein Vater Heinrich verdiente als Fischer sein Geld. Gorch Fock jedoch war für die Nachfolge in der Nordsee-Segelfischerei nicht geeignet: "Er war schwächlich und wurde seekrank. Er bestand den Eignungstest seines Vaters nicht. Das muß ihn sehr getroffen haben." Nach einer kaufmännischen Lehre und der Handelsschule verdiente der Fischersohn seinen Lebensunterhalt als Buchhalter. "Doch seine Heimat Finkenwerder hat ihn nie losgelassen", sagt der 83jährige. Gorch Fock müsse sehr genau hingehört und seine Umgebung ganz genau beobachtet haben. "Er hat so geschrieben, als ob er selbst dabeigewesen wäre, obwohl er nicht auf See war", sagt Benja ehrfürchtig.

Der Bremer Autor hat Erfahrung mit der Seefahrt. 1935 kam der gebürtige Oberschlesier erstmals an die Nordsee, als er vier Wochen zu Verwandten nach Emden verschickt wurde. "1941 habe ich mich zur Marine gemeldet." Nach Kriegsende arbeitete der ehemalige Schnellbootkommandant beim Minenräumdienst in Cuxhaven. "Der wurde von den Engländern 1947 aufgelöst." Benja blieb bei der Schiffahrt, "aber im kaufmännischen Bereich".

Anders Gorch Fock. Der meldete sich Ende 1914 als Kriegsfreiwilliger, drei Monate später wurde er einberufen und kam zur Infanterie. Doch es zog ihn zur Marine. Eine kurze Karriere. In der Schlacht im Skagerrak ging der Kreuzer SMS "Wiesbaden" mit Gorch Fock an Bord am 1. Juni 1916 unter. Etwa einen Monat später wurde seine Leiche bei einer kleinen schwedischen Insel angetrieben. Fock wurde mit einigen Kameraden und englischen Seeleuten auf der Schäreninsel Stensholmen bestattet. "Dem Patrioten wurde seine geliebte Nordsee zum Schicksal", schreibt Benja. Seine Aufgabe sieht er darin, die Erinnerung an den Poeten aus Finkenwerder aufrechtzuerhalten. "Deshalb werde ich weiter Material sammeln."