Der Mord an Felix ist aufgeklärt

Sein Dorf trauert. Die Polizei rollt Fälle seit 1992 neu auf.

Neu Ebersdorf. Die türkise Tür zum kleinen Spielhaus im Garten steht offen. Doch Felix wird hier nie mehr spielen. Seit Freitag abend weiß seine Mutter, die mit ihrem Lebensgefährten und ihrer älteren Tochter in dem Rotklinkerhaus lebt, daß ihr geliebter Sohn ermordet wurde. Das Wohnhaus des achtjährigen Jungen in Neu Ebersdorf (Landkreis Rotenburg/Wümmer) ist verwaist. Mehrere Zeitungen stecken in der Box am groben Holzzaun.

Gerda Hagenah (47), Wirtin in der Gaststätte "Hagenah", ist erleichtert, daß das Bangen im Dorf ein Ende hat - sie hat selbst einen sieben Jahre alten Jungen. Doch ihre Bedrückung ist unübersehbar: "In erster Linie denkt man jetzt an Felix' Familie."

Der hübsche blonde Junge war am Nachmittag des 30. Oktober 2004 ins etwa sechs Kilometer entfernte Hipstedt geradelt, um sich dort mit einem Freund auf dem Sportplatz zu treffen. An der Kreisstraße 116 wurde er zum letzten Mal gesehen. Hier, in dieser menschenverlassenen Gegend, muß ihn sein Mörder gesehen haben. Wie dieser Felix in seine Gewalt brachte, weiß die Polizei bislang noch nicht.

Die achtjährige Levke aus Cuxhaven-Altenwalde hatte Hoffmann am 6. Mai 2004 vor ihrem Elternhaus in sein Auto gelockt. Er war davor wie so oft ziellos durch die Gegend gefahren, bis er Levke erblickte. Er mißbrauchte sie sexuell und brachte sie anschließend um. Levke - ein Zufallsopfer wie wohl auch Felix.

Doch darüber wissen die Kriminalbeamten noch kaum etwas. Bislang hatten keine Indizien auf Hoffmann hingedeutet. Seinem Verteidiger, der ihn am Freitag vor einem Treffen mit der Staatsanwaltschaft im Gefängnis besucht hatte, gestand der 31jährige völlig überraschend den Mord an Felix. Darüber hinaus teilte er ihm mit, wo er die Leiche versteckt hatte. Abschließend sagte er nach Angaben seines Anwalts: "Mehr gibt es im Moment nicht zu sagen." Diese Formulierung alarmierte die Polizei. Denn die Frage ist: Bezieht sich die Formulierung "im Moment" auf weitere Details zum Tod von Felix oder vielleicht auf weitere ungeklärte Mordfälle?

Da Hoffmann die Tötung von Kindern beiderlei Geschlechts gestanden hat, kommt er möglicherweise auch für die Tötung der zehn Jahre alten Adelina Pismak aus Bremen, die im Juni 2001 auf dem Nachhauseweg verschwand, in Frage.

Einen möglichen Zusammenhang sieht die Polizei auch zum Mord an Dennis Klein (9) aus Osterholz-Scharmbeck, der im September 2001 unter mysteriösen Umständen aus einem Schullandheim in Wulsbüttel (Landkreis Cuxhaven) verschwand. Möglicherweise wurde Dennis Opfer eines Serientäters mit einer schwarzen Maske, der in mindestens 20 vergleichbaren Fällen seit 1992 Jungen in Schullandheimen im Elbe-Weser-Dreieck sexuell mißbraucht hat. Eine Täterbeschreibung führte zu dem Phantombild des "schwarzen Mannes". Danach ist der Täter groß, von kräftiger Statur und zwischen 30 und 40 Jahre alt. Er spricht hochdeutsch. Paßt diese Beschreibung auf Hoffmann?

Einen möglichen Zusammenhang sieht die Polizei mit drei Jungen, die zwischen 1992 und 1995 in Scheeßel (Landkreis Rotenburg/Wümme), an der dänischen Grenze und in den Niederlanden getötet wurden. Die Beamten untersuchen auch Parallelen zum Fall eines verschwundenen Jungen in Frankreich. Soko-"Levke"-Leiter Karsten Bettels will Fälle im gesamten Bundesgebiet in die Ermittlungen einbeziehen: "Sie können sich sicher sein: Wir bleiben dran."