Mit Galerie und Möbel im Kuhstall

Zwei Männer und ihr Traum vom "Kulturhof" in Groß Offenseth-Aspern

Groß Offenseth-Aspern. Manche Unternehmen werden bei einem Glas Wein gegründet. Als Dirk Steiniger (36) und Peter Möller (35) beschlossen, aus einem alten Bauernhof etwas Neues aufzubauen, hätten sie höchstens mit Wasser angestoßen. Getroffen haben sie sich in einer Therapie-Gruppe. Beide waren Alkoholiker. Heute sind sie "trocken" und bauen sich gerade ein Leben nach dem Suff auf.

In Groß Offenseth-Aspern nördlich von Barmstedt (Kreis Pinneberg) betreiben die beiden Männer seit März den "Kulturhof Nestbau". Besucher werden von Hofhund Berry neugierig beschnuppert, die Katzen Murat und Ali folgen ihnen ins Cafe oder in den Ausstellungsraum mit Möbeln und Kunst. Im knapp 500 Quadratmeter großen ehemaligen Kuhstall sind Galerie, Möbelgeschäft und Hofladen untergebracht. Indische Hochzeitsschränke stehen hier, Sofas, Esstische, Strandkörbe und Wohnaccessoires. Mitten im Raum zieht eine "Indian", ein Motorrad, die Männerblicke auf sich. Alle paar Wochen kommt etwas Neues dazu. Ganz neu ist schwedischer Glasschmuck.

Die Idee dazu habe er schon vor Jahren gehabt, sagt Steiniger, der zuvor als Disponent in einem Verlag gearbeitet hatte. Doch erst nach Entzug, Therapie, Jobverlust und Trennung von der Freundin sei der Kopf dafür frei gewesen. Der Weg von Peter Möller, der von der Seefahrt bis zum stellvertretenden Leiter eines Altenheims schon einige Berufe hatte, verlief ähnlich. Nachdem beide wieder einen klaren Kopf hatten, war die Frage nach der Zukunft wieder sehr präsent.

Der Kronshof, ein Gehöft mit einer fast 400-jährigen Geschichte, stand schon länger leer. Steiniger und Möller konnten ihn günstig pachten. Im Januar begannen sie mit der Renovierung. Mit Freunden und Familie räumten sie den Kuhstall aus, strichen die Wände, erneuerten den Boden und machten daraus den Verkaufsraum. Aus dem Melkraum wurde ein Büro und die Diele zur kleinen Konzertbühne.

Banken haben Steiniger und Möller gar nicht erst nach Krediten für den Umbau gefragt. Dafür gibt es Unterstützung vom Dorf. Bürgermeister Werner Schlüter findet die Idee gut und hilft, die bürokratischen Hürden zu minimieren: "Die Gemeinde legt keine Steine in den Weg."

Im Streichelzoo vor dem Eingang haben Schafe, Ziegen, Meerschweinchen und Kaninchen ihre Gehege. Im Garten schnattern Enten und Gänse, zwei Ponys stehen im Stall. Der Hofladen in einer Ecke des Ausstellungsraumes bietet Produkte von Erzeugern aus der Umgebung. Mit Hochdruck arbeiten sie an der Weinstube, die im Oktober fertig sein soll. 2005 wollen sie eine "Heuherberge" eröffnen - einfache Übernachtungsmöglichkeiten für den kleinen Geldbeutel.

Momentan trägt sich der Hof vor allem durch Idealismus. Alle arbeiten hier seit Monaten fast ohne Honorar. Einnahmen werden sofort wieder investiert. Steiniger und Möller begnügen sich jeweils mit einem kleinen Zimmer und haben einen 16- bis 18-Stunden-Arbeitstag.

Nebenbei ist der Kulturhof auch ein regionaler Wirtschaftsfaktor. Ein Teil der Möbel entsteht in Zusammenarbeit mit Polsterern, Tischlern und Schmieden aus der Umgebung. Für die örtliche Kultur- und Musikszene bieten sich mit Workshops, Ausstellungen und Konzerten zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten. Dabei wird auch Alkohol ausgeschenkt. Denn trotz ihrer Vergangenheit können auch Möller und Steiniger sich eine "Brasilianische Nacht" ohne Caipirinhas nicht recht vorstellen.

Gab es auch Rückschläge? "Kleine. Aber die halten uns nicht mehr auf", sagen beide. Sie sind angetrieben von dem Willen, diese Chance zu nutzen. Steiniger: "Wenn die Leute es hier genießen - das motiviert uns."

Kulturhof Nestbau, Rosenstraße 3, 25335 Groß Offenseth-Aspern, täglich 11-20 Uhr, Telefon 04123/809 81 99, Internet: www.kulturhof-nestbau.de