Hannover

Atom-Stollen: Ministerium wusste seit Dezember von Einsturzgefahr

Der Vorsitzende des Landtags-Umweltausschusses, Stefan Wenzel, hat angesichts der Tatsache, dass das Umweltministerium seit Dezember über die Einsturzgefahr in Asse (Kammer 4) informiert war, scharfe Kritik an Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) geübt.

Der Vorsitzende des Landtags-Umweltausschusses, Stefan Wenzel (Grüne) hat wegen der vom Einsturz bedrohten Kammer im Atommülllager Asse schwere Vorwürfe erhoben. Diese richten sich gegen Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP), der nach eigenen Angaben erst am Donnerstag von der Einsturzgefahr erfahren hatte, als auch gegen den ehemaligen Betreiber. Die Probleme habe der alte Asse-Betreiber Helmholtz Zentrum München dem niedersächsischen Umweltministerium bereits am 3. Dezember 2008 mitgeteilt und empfohlen, zur Stabilisierung die sogenannte Kammer 4 mit etwa 6000 radioaktiv belasteten Atommüll-Fässern mit Beton zu füllen.

"Dieses Vorgehen von Helmholtz erweckt bei mir eben auch den Eindruck, dass man noch in letzter Sekunde verhindern wollte, dass man hier nicht genauer hinguckt", sagte Wenzel, nachdem der Umwelt-Ausschuss über den Stand der Dinge in der Asse informiert worden war. Ein Auffüllen mit Beton würde das Öffnen der Kammer und ein mögliches späteres Herausholen des Atommülls wohl unmöglich machen. Kurz vor Weihnachten hatten Experten entschieden, dass keine akute Gefahr für die Asse vorliegt und hatten von einer Beton-Auffüllung wieder Abstand genommen.

Der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen äußerte Zweifel an der Darstellung, in der Kammer lagerten lediglich schwach radioaktiv belastete Fässer. "Diese Kammer 4 ist die erste Kammer, die damals befüllt wurde von '67 bis '71. Da ist der Müll reingekommen, der damals schon angefallen ist in der Bundesrepublik. Und es wäre natürlich hochinteressant zu gucken, was hier tatsächlich damals eingelagert worden ist", sagte Wenzel.

Nach offiziellen Angaben wurden bis 1978 etwa 125 000 Fässer mit schwach- und mittel-radioaktiv belastetem Atommüll in die Asse eingelagert. Der Grünen-Politiker wies darauf hin, dass es zu den Belastungen lediglich Erklärungen der damaligen Anlieferer gäbe. "Das wurde beim Eingang ins Lager damals aber nicht kontrolliert", sagte Wenzel, der deshalb nun Stichproben aus allen Asse-Kammern forderte, "um nochmal Sicherheit darüber zu gewinnen, was hier wirklich eingelagert wurde".

Angesichts der Tatsache, dass das Umweltministerium seit Dezember über die Probleme in Kammer 4 informiert war, Minister Hans-Heinrich Sander (FDP) nach eigenen Angaben bis zum Donnerstag aber keine Kenntnis von dem Fall hatte, nahm Wenzel auch Sander unter Beschuss. "Der Umweltminister ist offenbar überhaupt nicht mehr Herr im eigenen Haus", sagte Wenzel.

Vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) als neuem Asse-Betreiber forderte er deutlich mehr Transparenz. Da das BfS ebenfalls seit Dezember über die einsturzgefährdete Kammer im Bilde war, hätte auch der neue Betreiber bereits Anfang Januar an die Öffentlichkeit gehen können. Generell nahm er das BfS aber in Schutz. Bislang habe er das Gefühl, dass das BfS den Willen hat, transparenter als das Helmholtz Zentrum zuvor zu informieren.