Ostfriesland knobelt

Nikolausbrauch: Wurst, Fleisch und Süßkram zu gewinnen

Emden. Morgen geht es in Ostfriesland wieder um die Wurst: Am Vorabend des Nikolausfestes treffen Alt und Jung sich zur traditionellen Verknobelung. In Lebensmittelgeschäften, Backstuben und Gaststätten wird um Wurst, Ente, Gans und "Süßkram" wie Buttercremetorte gewürfelt.

So funktioniert der "Würfelkampf": Die Teilnehmer zahlen bis zu 1,50 Euro Einsatz. Ein lederner Becher mit drei Würfeln wird reihum gereicht. Wer die höchste Augenzahl würfelt, bekommt einen der begehrten Preise in Höhe von höchstens 15 Euro. Nur Wild und Geflügel dürfen einen höheren Einkaufswert haben. Würfeln zwei oder mehr Kontrahenten die höchste Zahl, gibt es ein Stechen.

Damit das Nikolausknobeln in leidlich geordneten Bahnen verläuft, wacht das Auge des Regierungspräsidenten sorgsam über den ostfriesischen Brauch. "Die Ausspielung von Alkohol ist verboten", heißt es im Erlass der Bezirksregierung vom 23. Oktober 1974. Trotzdem geht die Verknobelung in ostfriesischen Kneipen stets feucht-fröhlich vonstatten. Das Trinken von Bier und geistigen Getränken ist ja nicht ausdrücklich verboten worden.

"Das Knobeln ist ein alter holländischer Seefahrerbrauch, der sich seit mehr als 100 Jahren in Ostfriesland gehalten hat", erklärt Monika van Lengen vom Regionalverband Ostfriesische Landschaft. Ursprünglich soll es ein germanisches Fest zu Ehren des Gottes Wotan gewesen sein, das später vom christlichen Nikolausfest abgelöst wurde.