Streit um Abriss: Kurator des Museums of Modern Art mischt sich ein

Appell aus New York: Rettet Hannovers Landtag

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Ludger Fertmann

Neubau oder Sanierung? Es geht um den Denkmalschutz und um mehr als 40 Millionen Euro.

Hannover. Mit Andres Lepik hat sich ein renommierter Kurator des New Yorker Museums of Modern Art ungefragt in eine ureigene Angelegenheit des niedersächsischen Landtags eingemischt, Seite an Seite mit der Berliner Akademie der Künste, dem Steuerzahlerbund und den Denkmalschützern vom Heimatbund.

Auf der anderen Seite steht Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU), dem bei der Plenartagung am Donnerstag die Grünen kräftig einheizen wollen wegen seiner Pläne, den alten Plenarsaal abzureißen und durch einen deutlich komfortableren Neubau zu ersetzen.

Zwar hat Dinkla in der eigens eingesetzten Baukommission Ende vergangenen Jahres noch CDU, SPD, FDP und Linksfraktion für seine Baupläne begeistern können, inzwischen aber gibt es quer durch die Fraktionen eine neue Nachdenklichkeit. Mitten in der Wirtschaftskrise für über 40 Millionen Euro einen Plenarsaal zu bauen, der bekanntlich bestenfalls drei Sitzungstage im Monat gebraucht wird, das passt nicht in die Zeit.

Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) will sich zu den Bauplänen nicht äußern: "Dazu sage ich gar nichts." Unter der Hand aber weisen Mitarbeiter des Regierungschefs gern darauf hin, dass in der Staatskanzlei unter ungleich schwierigeren räumlichen Bedingungen gearbeitet wird, ohne auch nur den Ansatz von Neubauplänen.

Dabei ist das Geld nur einer von vielen Haken bei dem Projekt. Der Plenarsaal wurde von dem Architekten Dieter Oesterlen 1962 gebaut; der Mann gilt als prägender Baumeister der Nachkriegszeit. Lepik, der am Museum of Modern Art die Architekturabteilung leitet, schrieb an Landtagspräsident Dinkla: "Ein Abriss wird weit über Deutschland hinaus einen nachhaltigen und dauerhaften Schaden für das Ansehen der Stadt, des Landes und seiner Vertreter in der Öffentlichkeit nach sich ziehen."

Dem Steuerzahlerbund geht es erklärtermaßen in erster Linie ums Geld - bis 45 Millionen Euro für einen Neubau seien "überzogen". Dieser Vorwurf gilt ausdrücklich aber auch für den Plan, die Abstände zwischen den Sitzreihen "übermäßig zu erhöhen". Im britischen Unterhaus seien die Sitzverhältnisse ungleich beengter. Die geplante Tiefgarage mit 80 Stellplätzen sei überflüssig: Die Politiker sollten wie alle anderen Menschen auch die Parkgaragen im Umfeld nutzen.

Die Grünen werden in der Landtagsdebatte die Kollegen der anderen Fraktionen auffordern, ihre "Vorbildfunktion im Denkmalschutz wahrzunehmen". Jeder Bürger muss sich bei Denkmalschutz dauerhafte Nutzungseinschränkungen gefallen lassen, der Landtag dagegen kann in eigener Sache den Denkmalschutz schlicht streichen.

Dass der Oesterlen-Bau grundlegend saniert werden muss, bestreiten auch die Grünen nicht. Das aber sei auch für die Hälfte der Neubaukosten möglich und dies "bei Erhalt der architektonischen Substanz".