Hannover (dpa/lni). Der niedersächsische Einzelhandel ist von vielen Krisen gebeutelt. Auch auf das sonst erfolgreiche Weihnachtsgeschäft blickt der Handelsverband in diesem Jahr eher pessimistisch.

Der Einzelhandel in Niedersachsen blickt auf ein umsatzschwaches Jahr zurück. Das Weihnachtsgeschäft werde das insgesamt schwache Jahr nicht mehr herausreißen können, befürchtet der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Niedersachsen-Bremen, Mark Alexander Krack. „Es ist zu erwarten, dass nicht mehr die Plusraten wie in der Vergangenheit erreicht werden“, sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Es habe auch schon Jahre gegeben, in denen Händlerinnen und Händler viel inbrünstiger auf die Monate November und Dezember geschaut hätten, erinnert sich Krack. „Jetzt hat man ein Jahr des Darbens hinter sich. Da ist die Erwartungshaltung nicht besonders hoch.“ Insbesondere das mittlere Preissegment im Einzelhandel habe es 2023 schwer gehabt.

„Wir sehen mehr Leerstände, wir haben auch diverse Insolvenzfahren von namhaften Anbietern am Markt miterlebt“, sagt Krack. Als Grund für den geringeren Umsatz nannte er die Konsumzurückhaltung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Wegen der gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel würden sie sich mit anderen Anschaffungen zurückhalten.

„In diesem Jahr ist das Leiden von Einzelhandels-Angeboten im mittleren Bereich deutlich stärker als im hochpreisigen Segment“, sagt Krack. Auch im besonders preiswerten Discount-Bereich sehe es besser aus.

Viele Händler kämen zudem mit gesteigerten Miet- und Pachtforderungen nicht mehr klar, sagt der Verbands-Geschäftsführer. Vor allem in den größeren Städten sei dies ein Problem. Besser gehe es den Händlern, die eine eigene Immobilie für ihr Geschäft besäßen.

Das niedersächsische Wirtschaftsministerium sieht Innenstädte nicht nur als Orte des Handels, sondern auch als gesellschaftliche Treffpunkte. Dies lasse sich auch anhand der Frequenzen, also der Zahl der Kundenbesuche, nach Ende der Pandemie belegen, so das Ministerium.

„Erforderlich sind daher attraktive Rahmenbedingungen, die innovative lokale Konzepte ermöglichen und den Handel vor Ort im Strukturwandel gegenüber dem E-Commerce stärken“, erklärt ein Sprecher des Ministeriums in Hannover. „Zur Erhöhung der Frequenzen in den Innenstädten benötigt es mehr Vielfalt und gemischte Zentren.“

Laut Krack sei die Zahl der Menschen, die die Innenstädte aufsuchen, „gar nicht so furchtbar weit weg“ vom Vor-Corona-Niveau. „Die Menschen wollen weiter in die Innenstadt gehen.“ Aber, so fügt er hinzu: „Das hat natürlich noch keine Aussagekraft in Hinblick auf Umsatzgrößen.“

Ein Mittel zur Stärkung des Einzelhandels seien verkaufsoffene Sonntage, merkt Krack an. Dabei gehe es ihm nicht um mehr verkaufsoffene Sonntage, sondern um die Gewissheit, diese durchführen zu können, ohne dass dagegen geklagt werde. Dafür müssten alle Akteure gemeinsam mit der Gewerkschaft Verdi zusammenwirken, fordert Krack. Die Gewerkschaft klagte in den vergangenen Jahren mehrmals gegen die Zulassung verkaufsoffener Sonntage in Niedersachsen, um die Beschäftigten zu schützen.

Beginnen sollten man hier nach Ansicht des Wirtschaftsministeriums zunächst mit einer für alle Beteiligten wirkungsvollen Umsetzung der bestehenden Regelung zu verkaufsoffenen Sonntagen. Für eine weitere Ausweitung von Sonntagsöffnungen gebe es in der gesellschaftlichen Debatte derzeit dagegen wenig Raum, so der Sprecher. In Niedersachsen sind derzeit bis zu sechs verkaufsoffene Sonntage pro Jahr möglich. Die genauen Termine legen die Kommunen fest.