Bremen (dpa/lni). Werder Bremen steht vor dem Heimspiel gegen Augsburg unter Druck. Nur noch zwei Punkte beträgt der Vorsprung auf Platz 16.

Dreimal stand Werder Bremen in dieser Bundesliga-Saison schon mit dem Rücken zur Wand. Dreimal ging es bislang gut. Die Heimsiege gegen Mainz 05, den 1. FC Köln sowie Union Berlin bewahrten den Club jeweils im genau richtigen Moment davor, in eine sportlich bedrohliche Situation zu geraten.

Und jetzt? Das Heimspiel gegen den FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr/Sky) erinnert an diesem Wochenende wieder genau an jene Schlüsselpartien. Werder ist nur noch zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Die jüngste Leistung beim 0:2 in Stuttgart war sogar noch bedenklicher als die alarmierenden Auftritte in Heidenheim und Darmstadt im Herbst.

Jeder in Bremen weiß also, was am Samstag im Wohninvest Weserstadion auf dem Spiel steht. „Wir sind alle sensibilisiert für die Situation“, sagte der Profifußball-Leiter Clemens Fritz am Donnerstag. Trotzdem gibt es seiner Meinung aber einen Unterschied in der Wahrnehmung: Die Fans machen sich langsam Sorgen um Werder. Im Verein selbst habe man aber nie etwas anderes als diese Situation erwartet.

„Wir alle sind nicht zufrieden. Wir haben uns das alle anders gewünscht“, sagte Fritz. „Wir versperren uns nicht davor, dass es einzig und allein um den Klassenerhalt geht. Aber es ist nicht so, dass ich davon total überrascht bin. Wenn ich die Mannschaft sehe und wenn ich die Qualität sehe, die wir innerhalb dieser Mannschaft haben, dann habe ich vollstes Vertrauen in unsere Jungs.“

Dieses Spannungsfeld zwischen Werders begrenzten Möglichkeiten einerseits und den vermeintlich zu hohen Erwartungen andererseits war ein großes Thema bei der Pressekonferenz von Fritz und Werner am Donnerstag. Frage an den Trainer: Denken Sie nach vier Spielen ohne Sieg mal über einen Wechsel des taktischen Systems nach?

„Für eine Systemumstellung braucht man auch die passenden Spieler“, antwortete Werner darauf. „Wenn Sie die passenden Außenverteidiger für eine Viererkette bei uns im Kader sehen, dann gerne los!“

Eine andere Frage: Warum hatte Werder zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison schon fast doppelt so viele Punkte (21) wie aktuell (11)? Und auch hier antwortete der Trainer nicht ohne einen kleinen Seitenhieb:

„Wir sind letztes Jahr mit einer anderen Voraussetzung in die Saison gestartet. A), was die Euphorie angeht. Und b), was die Erwartungshaltung angeht“, sagte Werner. „Es war von vornherein klar, um was es geht - und das auch um den Verein herum. Intern ist das nach wie vor so. Letztes Jahr hatten wir in der Hinrunde einen größeren Kader, den wir früher zusammen hatten. Das sind die Punkte, die in diesem Jahr in der Arbeit und im Ergebnis einen Unterschied machen.“

Inhaltlich ist das richtig. Dort, wo in den vergangenen Saison noch der erfolgreichste Bundesliga-Stürmer Niclas Füllkrug stand, streiten sich jetzt vier vergleichsweise schwächere Angreifer um den Platz neben Marvin Ducksch. Und während 2022 schon alle Neuzugänge vor der Saison feststanden, fällt der Toptransfer Naby Keita aktuell seit Monaten aus. „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering“, sagte Werner auf die Frage, ob der langjährige Liverpool-Profi gegen Augsburg zur Startelf gehören werde.

Die Bremer Botschaft am Donnerstag war jedenfalls klar. Augsburg wird ein unangenehmer Gegner. Wahrscheinlich deutlich unangenehmer, als Köln, Mainz und Union das zum Zeitpunkt ihres Gastspiels im Weserstadion je waren. Aber bei Werder behält man die Ruhe. „Wir haben unsere Qualitäten dieses Jahr schon gezeigt“, sagte Werner. „Deshalb glaube ich auch, dass wir das am Samstag hinbekommen.“