Gütersloh/Hannover (dpa/lni). Es gibt einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, dieser kann jedoch vielerorts nicht erfüllt werden. Kultusministerin Hamburg sieht das Land dennoch „auf einem guten Weg“. Was sagen die Kommunen?

In Niedersachsen fehlen einer Studie zufolge 41.600 Kita-Plätze, um den Bedarf der Eltern zu decken. Landesweit sind 34 Prozent der unter Dreijährigen in einer Kindertagesbetreuung, jedoch wünschen sich 47 Prozent der Mütter und Väter für ihr Kind in dieser Altersgruppe einen Platz. Von den älteren Vorschulkindern werden 92 Prozent betreut, einen Bedarf haben 96 Prozent der Eltern. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten „Ländermonitoring Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann Stiftung mit Sitz in Gütersloh hervor.

„Die aktuelle Studie bestätigt uns erneut, dass Niedersachsen mit den eingeleiteten und umgesetzten Maßnahmen zur Verbesserung des Betreuungsangebotes im Krippen- und Kita-Bereich auf einem guten Weg ist“, sagte Kultusministerin Julia Willie Hamburg. Dies gelte vor allem für den Personalschlüssel, also die Zahl der Kinder pro Betreuerin. Die Grünen-Politikerin räumte aber ein, dass durch einen spürbaren Fachkräftemangel die Situation für alle Beteiligten dennoch extrem herausfordernd und angespannt sei. Es gebe noch viel zu tun.

Nach Ministeriumsangaben wurden schon der Quereinstieg erleichtert und das Schulgeld für angehende Erzieherinnen und Erzieher abgeschafft. Die Zahl der Ausbildungsplätze sei zuletzt 2022 um 750 erhöht worden. Derzeit seien landesweit 18.000 Schülerinnen und Schüler auf dem Weg zur pädagogischen Assistenz beziehungsweise Fachkraft - laut Ministerium ein Rekordwert.

Die niedersächsischen Kommunen fühlen sich bei den Kitas vom Land im Stich gelassen. Das Land trage nicht mehr den vereinbarten Anteil von 58 Prozent der Personalkosten, sondern wegen der Kostensteigerungen deutlich unter 50 Prozent, kritisierte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Landkreistages (NLT), Hubert Meyer. „Die Sachkosten fallen ohnehin nur den Kommunen zur Last.“ Schon 2021 hätten die Gemeinden, Städte und Landkreise in Niedersachsen fast 2,2 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln aufgebracht.

Mit Blick auf die Gewinnung von zusätzlichem Personal forderte Meyer, die Standards zu flexibilisieren. „Seit Jahren fordern die kommunalen Spitzenverbände, eine echte duale Berufsausbildung für Erzieher und Erzieherinnen zu ermöglichen“, sagte der NLT-Geschäftsführer der dpa.

Stephan Meyn vom Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB) sprach von einer stark angespannten Situation. „Bedingt durch die hohe Nachfrage der für Eltern kostenfreien Betreuungsplätze sowie durch den Fachkräftemangel im Erzieherinnenbereich kommt es fortwährend zu Engpässen, temporären Einschränkung bis hin zu Schließzeiten.“

Niedersachsen könne den Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz nach wie vor nicht bedarfsgerecht erfüllen, kritisierte Kathrin Bock-Famulla, Expertin der Bertelsmann Stiftung für frühkindliche Bildung. Zudem würden mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Kita-Kinder in Niedersachsen in Gruppen mit nicht kindgerechten Personalschlüsseln betreut.

Um die Situation zu verbessern, benötigten die Kitas deutlich mehr Personal, heißt es in der Studie. Bis zum Jahr 2025 fehlten landesweit 5000 Fachkräfte, nur um die Betreuungsbedarfe der Eltern zu erfüllen. Erst 2030 wäre rechnerisch ausreichend Personal da. Um die Kita-Krise kurzfristig abzumildern, müssten die vorhandenen Fachkräfte von nicht-pädagogischen Aufgaben entlastet werden, forderte die Expertin.

Für bessere Bedingungen in den niedersächsischen Kitas demonstriert auch die Gewerkschaft Verdi aktuell jeden Donnerstag vor dem Landtag in Hannover. Es gehe darum, ein weiteres Abwandern von Fachkräften zu verhindern und für die Entlastung der Beschäftigten zu sorgen, sagte Andrea Wemheuer, Leiterin des Verdi-Landesbezirks Niedersachsen-Bremen. Notwendig sei eine praxisnahe, tariflich vergütete Ausbildung.

In Bremen fehlen laut der Studie 6500 Kita-Plätze, um allen interessierten Müttern und Vätern einen Platz für ihren Nachwuchs anzubieten. Im kleinsten Bundesland sind nur 30 Prozent der unter Dreijährigen in der Kinderbetreuung (Bundesschnitt 36 Prozent), obwohl 51 Prozent der Mütter und Väter sich eine Betreuung in diesem Alter wünschen.

Bei den ab Dreijährigen liegt die Betreuungsquote mit 88 Prozent ebenfalls unter dem Bundesdurchschnitt (92 Prozent). Hier wünschen sich 99 Prozent der Eltern eine Kindertagesbetreuung. Beim Personal hingegen stehe Bremen im Bundesvergleich relativ gut da, teilte die Bertelsmann Stiftung weiter mit.