Hannover (dpa/lni). Landwirte und Weidetierhalter machen mobil gegen den Wolf. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil verspricht mehr Schutzzäune und will sich für eine Regulierung des Wolfsbestands einsetzen.

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) sieht die Notwendigkeit, die Ausbreitung des Wolfes in Niedersachsen einzudämmen. „Kein Mensch kann bestreiten, dass es Teile von Niedersachsen gibt, wo das Problem sehr gut beherrschbar ist“, sagte der Regierungschef am Donnerstag während seiner Sommerreise. „Aber in solchen Hotspots wie in der Küstenregion oder beispielsweise auch in der Heide, da muss sich was ändern, das kann man nicht so laufen lassen.“

Die Mittel des Landes für den Schutz der Weidetiere vor Wolfsrissen werden noch für dieses Jahr deutlich aufgestockt. Umweltminister Christian Meyer (Grüne) sagte am Donnerstag: „Ich bin Finanzminister Gerald Heere ausgesprochen dankbar, dass er auf meinen Antrag hin für das laufende Haushaltsjahr kurzfristig zusätzliche 3,7 Millionen Euro für den Herdenschutz und für Entschädigungen bei Wolfsrissen frei gegeben hat.“ Damit konnten die Mittel mehr als verdoppelt werden. Bisher standen knapp drei Millionen Euro für das Jahr 2023 zur Verfügung.

Die Gelder können für den Herdenschutz beantragt werden, also etwa für wolfsabweisende Zäune. Auch sogenannte Billigkeitsleistungen werden an Weidetierhalter gezahlt, wenn ihre Schafe, Kühe oder Ponys nachweislich von einem Wolf getötet worden sind. Allein bis Mai 2023 waren mehr als 400 Anträge für Präventionsmaßnahmen eingegangen. Die Landwirtschaftskammer bewilligte seit Jahresbeginn laut Ministerium etwa 470 Anträge, allerdings darunter eine große Zahl aus den Vorjahren.

Weil kündigte zudem an, das Thema Wolf bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz zur Sprache zu bringen. „Ich bin mir sicher, es gibt eine ganze Reihe von Kolleginnen und Kollegen aus anderen Ländern, insbesondere aus ostdeutschen Ländern, die an dieser Stelle mindestens so viel Druck haben wie wir hier.“ Vor knapp drei Wochen hatten im ostfriesischen Aurich rund 3000 Menschen gegen die Ausbreitung des Wolfes und für einen restriktiveren Umgang mit den Tieren demonstriert.

Wölfe stehen unter strengem Naturschutz und dürfen nur in Einzelfällen mit behördlichen Ausnahmegenehmigungen geschossen werden. Niedersachsens rot-grüne Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag festgeschrieben, an einem Konzept der Bundesregierung für ein europarechtskonformes, regional differenziertes Bestandsmanagement mitarbeiten zu wollen. Dies würde bedeuten, dass Wölfe in bestimmten Regionen geschossen werden könnten, um ihre Zahl konstant zu halten.

Nach Angaben der Landesjägerschaft gab es im Juni 2023 in Niedersachsen 42 Wolfsrudel, vier Wolfspaare und zwei ständig hier lebende Einzelwölfe.

„Der Wolf steht in Niedersachsen definitiv nicht vor der Ausrottung“, betonte Weil. Es gehe darum, mit den anderen betroffenen Ländern sowie mit der Bundesregierung eine gemeinsame Linie zu finden, um „wirklich sehr deutlich unsere Interessen in Brüssel zu vertreten“. Wie das Bundesumweltministerium 2022 mitteilte, ist es derzeit nicht mit EU-Recht vereinbar, Wölfe präventiv zu töten. Dies fordern aber Weidetierhalter etwa für Regionen, wo keine wolfsabweisende Zäune errichtet werden können.

Minister Meyer sagte: „Der Herdenschutz ist wichtig, um die Nutztierschäden durch den Wolf zu reduzieren.“ Dadurch könne die Diskussion weiter versachlicht werden. „Wir stehen klar an der Seite der Weidetierhalter und ihrer wertvollen Arbeit für Deichschutz, Naturschutz und Landschaftspflege“, betonte der Grünen-Politiker.