Amok-Alarm

Armbrust-Attacke an Gymnasium: Mitarbeiterin in Lebensgefahr

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Der Tatverdächtige, der an einer Bremerhavener Schule eine Mitarbeiterin niedergeschossen haben soll, sitzt in U-Haft.

Bremerhaven. Armbust-Attacke an einem Gymnasium in Bremerhaven: Am Donnerstagmorgen hat ein Mann eine Mitarbeiterin der Schule mit einer Armbrust angegriffen und lebensgefährlich verletzt. Der Tatverdächtige konnte später in der Nähe des Lloyd-Gymnasiums festgenommen werden, noch am Abend wurde Haftbefehl gegen ihn erlassen.

Es war gegen 9.15 Uhr, als ein laut Polizei 21 Jahre alter Mann in das Schulgebäude im Stadtteil Bremerhaven-Lehe eindrang und eine Mitarbeiterin lebensgefährlich verletzte. Die Frau wurde ins Krankenhaus gebracht, wie eine Polizeisprecherin sagte. Bei dem Täter wurden neben der mutmaßlichen Tatwaffe, einer Armbrust, auch eine Schreckschusswaffe und zwei Messer gefunden.

Amok-Alarm an Gymnasium: Skurriles Video zeigt Festnahme des Tatverdächtigen

Skurriles Video zeigt Festnahme in Bremerhaven
Skurriles Video zeigt Festnahme in Bremerhaven

In welcher Beziehung der junge Mann zur Schule und zu dem Opfer stand, müsse noch ermittelt werden. Die Ermittler gingen von einem Einzeltäter aus. Ihm wird versuchter Mord vorgeworfen. Die Ermittlungen dauern an, die Polizei bittet darum, jegliches aufgenommene Bildmaterial auf dem Hinweisportal der Polizei Bremen zur Verfügung zu stellen.

Angst vor dem Amokschützen: "Ich saß zwei Stunden unter dem Tisch"

Nach der Tat wurde ein Notfallplan der Schule ausgelöst. Die Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte schlossen sich in den Klassenzimmern ein, wo sie ausharrten, bis die Polizei Entwarnung gab. Wegen der Abiturnachprüfungen sei die Schule relativ leer gewesen, sagte Bremerhavens Schuldezernent Michael Frost. Normalerweise besuchen den Oberstufenzweig des Lloyd-Gymnasiums mehr als 500 Schülerinnen und Schüler, am Donnerstagvormittag waren nur etwa 140 Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte vor Ort.

Ein 16-jährige Schüler, der von seinen Erlebnissen erzählt, besucht die 10. Klasse. Er habe gerade Kunst-Unterricht gehabt, als über die Lautsprecher der Codesatz für einen Amoklauf an der Schule mehrfach durchgesagt wurde. „Das war ein Schock für mich.“ Die Lehrerin habe die Tür verschlossen. Erst habe sie angefangen zu weinen, dann einige Mitschüler. Alle hätten sich auf den Boden gelegt. „Ich saß zwei Stunden unter dem Tisch“, so der Schüler.

SEK durchsucht Schulgebäude – dann Entwarnung

Der Polizeieinsatz dauerte noch bis zum Nachmittag an: Spezialkräfte durchsuchten das Gebäude, um sicherzustellen, dass keine Gefahr mehr besteht. Schließlich konnte Entwarnung gegeben werden. Für Eltern der Schülerinnen und Schüler richtete der Magistrat der Stadt Bremerhaven eine Hotline ein. Das Gelände der Schule wurde nach der Tat großräumig abgesperrt. Neben Einsatzkräften von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten waren Seelsorger und Schulpsychologen vor Ort.

In einem kleinen Park vor der Schule warteten zahlreiche Eltern auf ihre Kinder. Hagen Rösler hatte von einem Kollegen von der Tat erfahren. „Ich bin sofort in Panik losgerast“, erzählte er. Als er dann die Polizeiwagen gesehen habe, habe er weiche Knie bekommen. Schließlich habe er seinen Sohn aber telefonisch erreichen können. „Er hat mir gesagt, dass sie in Sicherheit seien. Er klang ruhig und gelassen“, sagte der Vater.

Nach dem Amok-Alarm: Seelsorger betreuen Schüler und Lehrer

„Das ist das schlimmstmögliche Ereignis, das passieren kann“, sagte Schuldezernent Frost. „So etwas ist überall möglich, das bestätigt sich heute.“ Die Schule sei aber sehr gut auf einen solchen Fall vorbereitet gewesen. „Wenn es heute eine gute Nachricht gibt, dann ist es diese“, betonte Frost. Den Schülerinnen und Schülern sei es nun freigestellt, ob sie am Freitag zur Schule kommen wollen. „Unterricht wird es nicht geben. Aber wir bieten Gesprächsmöglichkeiten an – auch für die Eltern.“

Schülerinnen und Schülern sowie dem Kollegium werde empfehlen, die seelsorgerischen Angebote am Freitag wahrzunehmen – verpflichtend sei die Teilnahme aber nicht.

( mit dpa )