Literatur

Ukraine: Gerstenberg Verlag will Autoren und Verlagen helfen

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dpa

Hildesheim. Der Hildesheimer Gerstenberg Verlag will Autorinnen und Autoren sowie Verlagen in der Ukraine helfen - und auch Kindern auf der Flucht. Ab sofort solle der Verkaufserlös für die Kindersachbücher "Hören" und "Sehen" auf Wunsch des ukrainischen Autorenpaares Romana Romanyschyn und Andrij Lessiw an eine Stiftung polnischer Kinderbuchverlage weitergeleitet werden, sagte eine Verlagssprecherin am Donnerstag. Diese Stiftung wolle dann Autoren und Verlage in der Ukraine unterstützen, indem sie ukrainische Kinderbücher aufkaufe und an Kinder in Flüchtlingslagern verteile.

Das Autorenpaar sagte im Interview der "Hildesheimer Allgemeinen Zeitung" (Donnerstag), für sie sei es derzeit "relativ sicher". Sie lebten in einem kleinen Ort etwa 200 Kilometer südlich von Lwiw (Lemberg) im Haus von Lessiws Eltern. "Wir wappnen uns für mögliche Angriffe und bereiten uns auf Flüchtlinge vor. Jeder tut etwas", sagte Romanyschyn. "Wir bereiten uns darauf vor, ihnen Unterkünfte zu geben und ihnen zu helfen, sammeln Kleider und die Basisausstattung zum Überleben, außerdem Spielsachen für die Kinder. Es geht vor allem um Mütter mit Kindern."

Lessiw erklärte, man erlebe gerade einen Wendepunkt: "Dieser Krieg läuft schon seit acht Jahren, aber es war wie in Zeitlupe." Nach Romanyschyns Angaben rechnete man damit, dass sich ein großer Krieg daraus entwickeln würde. "Jetzt haben wir nur noch die Wahl zu kämpfen. Wir wollen, dass alle Truppen aus Russland und Belarus unsere Heimat verlassen und aufhören, uns zu terrorisieren und die Zivilbevölkerung zu töten." Zu der Drohung von Kreml-Chef Wladimir Putin, Atomwaffen einzusetzen, sagte Lessiw: "Wissen Sie, wir haben so viele Drohungen von Putin gehört, uns überrascht das nicht mehr."

Romanyschyn betonte: "Die Russen greifen uns an, aber in Wahrheit attackieren sie die ganze freie Welt und ihre Werte." Lessiw sagte, es sei klar, dass sich Streitkräfte anderer Länder nicht an dem Krieg beteiligen werden, aber man benötige Hilfe, um die Bevölkerung zu schützen. "Es berührt uns sehr, die Menschenmassen in deutschen Städten zu sehen, die sich mit der Ukraine solidarisieren. Wir spüren, dass wir nicht alleine sind", sagte Romanyschyn. Lessiw ergänzte: "Wir schätzen die Unterstützung der europäischen Länder sehr, wir werden das nie vergessen."

Flüchten wollten sie nicht, sondern helfen und "ein Teil dieses Kampfes sein", sagte er. "Aber sicher, wenn sich die Lage dramatisch verschlechtern sollte, müssen wir umdenken und unser Leben retten." Auf der Homepage des Verlags schrieb Geschäftsführerin Daniela Filthaut, "tiefe Anteilnahme" gelte "allen Betroffenen in unserer Branche. Das Verlegen von Büchern baut internationale Brücken und Freundschaften. Kunst ist demokratisch und international." Die Gedanken seien bei Verlagen und ihren Künstlern und Künstlerinnen in der Ukraine.

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( dpa )