Geschichte

"Proklamation No. 3" brachte Bremen Selbstständigkeit zurück

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dpa

Das Land Bremen war nach dem Zweiten Weltkrieg noch vor der Bundesrepublik Deutschland wieder ein selbstständiges Land. Eingeleitet wurde das durch ein Dokument, das 1947 von einem ranghohen US-Offizier unterzeichnet wurde.

Bremen. Das Land Bremen feiert in diesem Jahr den 75. Jahrestag der Wiederherstellung seiner Selbstständigkeit. Am 21. Januar 1947 unterschrieb der US-Militärgouverneur für Deutschland, Joseph T. McNarney, die "Proklamation No. 3". Sie sei das Dokument, mit dem die Freie Hansestadt Bremen wieder ein Land wurde, erinnerte die Senatskanzlei am Freitag. Das Land sei damit älter als die Bundesrepublik, die erst 1949 mit Inkrafttreten des Grundgesetzes wieder ein souveräner Staat wurde.

"Mit der Proklamation No. 3 wurden die für die politische und wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes entscheidenden demokratischen Strukturen und Institutionen aufgebaut, die eine bis dahin ungekannt lange Phase von Frieden und Wohlstand in Freiheit sicherstellten", sagte Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD). "Seit nunmehr 75 Jahren hat sich die Stabilität der Institutionen unseres Landes im föderalen System trotz vielfacher Herausforderungen bewährt."

Die Proklamation trat am 22. Januar 1947 in Kraft und wirkte rückwirkend zum 1. Januar 1947. Seitdem gab es wieder das Land Bremen, das aus der Stadt Bremen und der rund 60 Kilometer nördlich gelegenen Stadt Wesermünde - aus der später Bremerhaven hervorging - besteht. Die Bremische Landesverfassung trat am 21. Oktober in Kraft. Damit war die Gründung des Landes Bremen abgeschlossen.

"All dies war im Januar 1947 keineswegs absehbar", gab der Leiter des Bremer Staatsarchives, Konrad Elmshäuser, zu bedenken. "Die Menschen standen in einer kriegszerstörten Stadt vor einer ungewissen Zukunft. Diktatur und Krieg hatten schwere Wunden geschlagen. Deutschland trug Verantwortung für unsagbares Leid in der Welt - und ein Erfolg von Länderneugründung auf seinen Trümmern war keineswegs garantiert."

Erster Bürgermeister nach dem Krieg war der Sozialdemokrat Wilhelm Kaisen. Er arbeitete in einer Stadt, die in weiten Teile völlig zerstört war. Im Zweiten Weltkrieg hatte Bremen 173 Bombenangriffe erlitten. Auch wenn die Aufräumarbeiten schon im Krieg begonnen worden waren, bestimmten 1947 noch immer Trümmergrundstücke und Ruinen das Bild.

Das wird auch auf einigen der rund 150 bisher unveröffentlichten historischen Fotos aus den Jahren 1947/48 sichtbar, die das Staatsarchiv am Freitag anlässlich des Jahrestages der Proklamationsunterzeichnung online stellte. Angefertigt habe sie der dokumentarisch versierte Fotograf Alfred Nawrath.

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( dpa )