Geschichte

Rechtsstreit um Kirchenfenster überraschend beigelegt

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Ein Abbild des von Markus Lüpertz entworfenen Kirchenfensters zum Thema Reformation steht während eines Ortstermins im Zivilprozess um das Fenster in der Marktkirche.

Ein Abbild des von Markus Lüpertz entworfenen Kirchenfensters zum Thema Reformation steht während eines Ortstermins im Zivilprozess um das Fenster in der Marktkirche.

Foto: dpa

Celle. Der Rechtsstreit um ein von Altkanzler Gerhard Schröder gestiftetes Kirchenfenster für die Marktkirche Hannover ist am Dienstag überraschend beigelegt worden. "Die Parteien haben sich geeinigt", sagte ein Sprecher des Oberlandesgerichts (OLG) Celle nach der mündlichen Verhandlung (Az. 13 U 1/21). Damit kann das von Star-Künstler Markus Lüpertz gestaltete Fenster mit mehr als drei Jahren Verzögerung eingebaut werden.

Der Erbe des Nachkriegs-Architekten der Kirche hatte mit einer Klage versucht, den Einbau zu verhindern, weil das Fenster die von seinem Stiefvater Dieter Oesterlen geschaffene Schlichtheit des Innenraumes zerstöre. Das Landgericht Hannover wies diese Klage Ende 2020 ab, dagegen legte der Oesterlen-Erbe Berufung ein.

Die Richter des 13. Zivilsenats hätten zunächst herausgestellt, dass der Einbau des Fensters urheberrechtlich zulässig sei, sagte der Sprecher. Um den Rechtsstreit aus der Welt zu schaffen, schlugen sie einen Vergleich vor, den der Sohn des Architekten sowie die Marktkirchengemeinde annahmen. Sie einigten sich darauf, dass ein Schild angebracht wird, das unter anderem darauf aufmerksam macht, dass das Lüpertz-Fenster nachträglich eingebaut wurde. Auf dem Fenster sind unter anderem eine weiße Gestalt - wohl Reformator Martin Luther - sowie überdimensionierte schwarze Fliegen zu sehen.

Auf dem Hinweisschild sollen nach Gerichtsangaben alle Besucherinnen und Besucher der Kirche eingeladen werden, sich den durch das Lüpertz-Fenster hergestellten "Kontrast bewusst zu machen und gezielt die schlichte Gestaltung des übrigen Innenraums auf sich wirken zu lassen" und so "die Großartigkeit des von Prof. Oesterlen geschaffenen Werks in besonderer Weise" zu erfassen.

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