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In Pandemie so wenig Verkehrstote wie nie: Aber Baumunfälle

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dpa
Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz.

Foto: dpa

Alle 3 Stunden endete durchschnittlich ein Unfall an einem Baum, alle 15 Minuten verunglückte ein Mensch im Straßenverkehr: Dennoch sank im Corona-Jahr 2020 die Zahl der Unfälle und Verkehrstoten in Niedersachsen - mit einer Ausnahme.

Hannover. Weniger Menschen auf der Straße, weniger Unfälle: Im Corona-Jahr 2020 sind bei Verkehrsunfällen in Niedersachsen so wenig Menschen wie nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1953 gestorben - nur auf Landstraßen sah es etwas anders aus. Die Zahl der bei sogenannten Baumunfällen tödlich verunglückten Menschen stieg um einen auf 121, wie Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius am Dienstag zur Verkehrsunfallstatistik 2020 sagte.

Insgesamt starben 2020 in Niedersachsen 370 Menschen bei Verkehrsunfällen, 62 weniger als ein Jahr zuvor. Damit verlor etwa ein Drittel aller Verkehrstoten in dem Bundesland bei Unfällen mit Bäumen das Leben, wie der SPD-Politiker sagte. 2019 sei es jedes vierte Opfer gewesen. Die Grünen im niedersächsischen Landtag forderten "Kraftanstrengungen" der Landesregierung, um den Verkehr sicherer zu machen.

Auffällig bei den tödlichen Unfällen mit Straßenbäumen auf den Landstraßen sei das Alter der Fahrerinnen und Fahrer, sagte Pistorius. 21 der 121 Verkehrstoten waren demnach zwischen 18 und 24 Jahre alt, zwischen 25 und 34 Jahren waren es sogar 31 Todesopfer: "Das zeigt: Zu hohes Tempo und auch nur sehr kurze Unaufmerksamkeit oder Ablenkung ist lebensgefährlich."

Pistorius kündigte eine landesweite Unfallpräventionskampagne an. 2014 war bereits ein dreijähriges Modellprojekt zu Baumunfällen in den Landkreisen Cuxhaven, Emsland, Friesland, Hildesheim, Osnabrück und Osterholz gestartet worden: Die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten ging im Untersuchungszeitraum um 34 Prozent zurück. Im vergangenen Jahr sank die Gesamtzahl der Baumunfälle um 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 2963. 710 Menschen wurden schwer verletzt - ein Jahr zuvor waren es noch 762. Leicht verletzt wurden 1328 Menschen, 9,5 Prozent weniger als 2019.

Die Gesamtzahl aller polizeilich registrierten Verkehrsunfälle in Niedersachsen wiederum gab 2020 um 15,2 Prozent auf 184 844 nach, schwer verletzt wurden 5260 (2019: 6140) Menschen, leicht verletzt wurden 29 745, ein Rückgang um 16,9 Prozent. Die wichtigsten Ursachen tödlicher Unfälle waren zu schnelles Fahren, Missachtung der Vorfahrt, Fehler beim Überholen und Abbiegen und zu wenig Abstand. "Verkehrsunfälle passieren nicht einfach so", betonte Pistorius.

Er sagte: "Die Corona-Pandemie verändert vieles, das gilt auch für die Mobilität und insbesondere für die Verkehrsunfälle." Zwar gab es nie zuvor so wenig Todesopfer auf Niedersachsens Straßen. "Das ist aber keine gute Botschaft, denn das sind immer noch 370 Menschen zu viel, die ihr Leben verloren haben."

Auffällig seien die Unfallzahlen bei älteren Radfahrern. Fahrräder und Pedelecs seien in der Pandemie noch einmal beliebter geworden, erklärte der Minister. 2020 starben in Niedersachsen 51 Radfahrer - 30 Prozent weniger als 2019. Davon waren 32 bereits 65 Jahre oder älter. In der Altersgruppe starben im vergangenen Jahr insgesamt 113 Menschen bei Unfällen, 30 weniger als 2019. Ihr Anteil an den Verkehrstoten lag bei rund 31 Prozent - während ihr Bevölkerungsanteil nur etwas mehr als 22 Prozent beträgt.

Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Landtag in Hannover, Detlev Schulz-Hendel, nannte die rückläufige Zahl der Verkehrstoten "erfreulich": "Das darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese Entwicklung eine vorübergehende Momentaufnahme ist und zu einem überwiegenden Teil auf die Einschränkungen in der Corona-Pandemie zurückgeht." Er forderte, Radwege in Niedersachsen "mit mehr Elan" auszubauen. Außerdem rief er die Landesregierung dazu auf, den Widerstand gegen ein Tempolimit auf Autobahnen und Landesstraßen aufzugeben - und sich im Bundesrat dafür stark zu machen.

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( dpa )