Bürgermeisterwahl

Drei Frauen und ein Mann wollen Lüneburg regieren

| Lesedauer: 13 Minuten
Von Abendblatt-RedakteurinLena Thiele
Die Kandidatin der CDU: Monika Scherf (56)

Die Kandidatin der CDU: Monika Scherf (56)

Foto: Monika Scherf

Wer folgt auf den langjährigen Bürgermeister Ulrich Mädge? Im September entscheiden die Bürger der Salzstadt. Die vier Kandidaten im Check

Für die CDU geht Monika Scherf ins Rennen. „Ich habe mich zur Kandidatur entschieden, weil ich Lüneburg sehr gut kenne, schon lange hier lebe und die Stadt liebe“, sagt sie. „Aber auch, weil ich diese Herausforderung liebe und dafür viel Erfahrung, Fachwissen und Führungskompetenz mitbringe.“

Die 56-Jährige kann umfassende Erfahrung in der Verwaltung vorweisen. Das Studium der Raumplanung in Dortmund schloss sie als Diplom-Ingenieurin ab. Seit 2008 war sie Kreisrätin des Landkreises Lüneburg, 2016 wechselte sie auf die gleiche Position im Landkreis Harburg. Vor drei Jahren wurde sie Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung Lüneburg, eine Schnittstelle zwischen Landesregierung und kommunalen und regionalen Akteuren.

„Die Region liegt mir am Herzen“, sagt die Christdemokratin. „Als Raumplanerin reizt es mich natürlich, die Geschicke der Stadt zu lenken und ebenso reizt es mich, die kommunale Verwaltung zu leiten und eng mit der Politik zusammenzuarbeiten. Darauf habe ich richtig Lust.“ Sie bringe nicht nur die notwendige Kompetenz mit, sondern strebe auch eine neue Führungskultur an. „Ich bringe frischen Wind ins Rathaus und das wird der Stadt guttun. Ein guter Stil ist das A und O für eine Verwaltungsleitung.“

Mit Blick auf die Zukunft der Stadt gibt es vier große Themen, die sie umtreiben. Das ist zunächst die Verkehrssituation. Ihr Ziel sei ein gleichberechtigtes Miteinander aller Verkehrsteilnehmer, sagt Scherf. „Sie alle müssen schnell, sicher und unkompliziert durch die Stadt kommen. Dafür müssen wir Mobilität neu denken.“ Wichtig sei es zudem, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. In einer wachsenden Stadt wie Lüneburg müssten zunächst Baulücken geschlossen und Häuser aufgestockt werden. „Dieses Potenzial müssen wir ausnutzen, um möglichst wenig Fläche zu verbrauchen.“ Darüber hinaus steht die Entwicklung des Einzelhandels in der Innenstadt auf ihrer Prioritätenliste. Und schließlich will sie Lüneburg als Hochschul- und Wissenschaftsstandort stärken.

Die aus Trier stammende Verwaltungsfachfrau lebt, mit kurzen Unterbrechungen, seit Anfang der 1990er-Jahre in Lüneburg. Mit ihrem Ehemann Jürgen wohnt sie im Speicherquartier nahe der Kulturbäckerei.

„Mir gefällt der besondere Mix aus Grün und mittelalterlichem Flair“, sagt sie über ihre Wahlheimat. „Die Stadt ist einfach schön.“ In ihrer Freizeit fährt Monika Scherf viel Fahrrad und geht Wandern. Ihre Urlaube verbringt sie gern auf Mallorca, im Schwarzwald oder im Allgäu. Eine endgültige Entscheidung über ihre Kandidatur für das Bürgermeister-Amt fällen die Parteimitglieder im April.

Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbands, Alexander Schwake, begründet die Nominierung mit ihrer langjährigen Verwaltungserfahrung. Außerdem sei Lüneburg von einer Mischung aus konservativen und offenen Ansichten geprägt. „Monika Scherf spiegelt das perfekt wieder, sie hat Herz und Verstand.“

Die SPD will Pia Steinrücke ins Rennen schicken. Die 48-Jährige ohne Parteibuch ist seit sechs Jahren Dezernentin für Bildung, Jugend und Soziales bei der Stadt Lüneburg. Nach einem Studium der Sozialarbeit an der Fachhochschule Düsseldorf arbeitete sie im Sozialdienst ihrer Heimatstadt Bocholt, zuletzt als Leiterin des Geschäftsbereichs. Zudem machte sie einen Master in Sozialmanagement und ließ sich in systemischer Familienberatung weiterbilden.

Im Mai 2014 kam Steinrücke als Fachbereichsleiterin Soziales und Bildung ins Lüneburger Rathaus, ein Jahr später übernahm sie das Dezernat. Seitdem führt sie rund die Hälfte der etwa 1000 Mitarbeiter im Rathaus. „Ich habe einen guten Einblick in die Verwaltung und sehe die Dinge, die sich ändern müssen“, sagt sie. Allerdings sei sie kein „Urgewächs“ der Lüneburger Stadtverwaltung. „Ich bin immer schon meinen eigenen Weg gegangen und habe mir einen kritischen Blick von außen bewahrt.“Als Bürgermeisterin muss sie die Sorgen der Bürger erkennen und Lösungen entwickeln. „Was zurzeit alle bewegt, sind die Folgen der Corona-Pandemie“, sagt Steinrücke. „Wie geht es wirtschaftlich weiter? Wie steht es um die Entwicklung der Kinder? Und wie um den Zusammenhalt der Gesellschaft? Wir müssen gemeinsam sehen, was uns alle bewegt und was uns eint, um unsere neue Normalität zu gestalten.“

Darüber hinaus stünden natürlich weitere Themen an, wie Klimawandel, Mobilität, Teilhabe und Wohnen. „Wir müssen uns fragen, wie viel Autoverkehr verträglich ist, wie wir den ÖPNV stärken und einen guten Mix beim Wohnen in der wachsenden Stadt hinbekommen können. Schon jetzt haben Bürger die Sorge, dass ihre Stadt zu voll wird. Wir müssen auch viel stärker in die Quartiere gehen und mit den Menschen reden, die sich sonst abgehängt fühlen.“Alle Themen müssten mit dem sozialen Gedanken verknüpft werden, betont Steinrücke, die eine Bürgermeisterin für alle sein will.

„Mir ist es wichtig, die Dinge und die Menschen zu einen. Mit meiner Kandidatur sehe ich die Chance, etwas zu verändern. Ich habe wirklich Lust darauf, die Entwicklung der Stadt zu gestalten.“ Eine der größten Herausforderungen sei es, die konkurrierenden Themen in Einklang zu bringen, zumal in einer finanziell angespannten Situation. Pia Steinrücke wohnt mit ihrer 22-jährigen Tochter und ihrem Hund seit sieben Jahren im Hanseviertel. ihre freie Zeit verbringt sie oft draußen, fährt Fahrrad oder geht mit Labrador Bruno auf lange Spaziergänge. „Und ich koche sehr gern und finde es herrlich, in der Küche zu schnippeln.“ Im Urlaub zieht es sie in den Süden.

„Ich bin großer Italienfan und fahre am liebsten zum Wandern nach Südtirol.“ „In Gesprächen hat Pia Steinrücke uns davon überzeugt, dass sie der SPD nah steht und unsere sozialdemokratischen Werte teilt“, sagt Hiltrud Lotze, Vorsitzende des Ortsvereins. „Als Dezernentin hat sie gezeigt, dass sie die ganze Stadt im Blick hat, sich für die Menschen einsetzt und Lüneburg sozial und nachhaltig gestalten will.“ Am 11. Februar treffen die Mitglieder eine endgültige Entscheidung.

Die Kandidatin der Grünen steht bereits an der Spitze eines Rathauses: Claudia Kalisch ist seit 2016 Bürgermeisterin der Samtgemeinde Amelinghausen. Dort tritt sie im Herbst nicht mehr an. Stattdessen will die 48-Jährige den Wandel im deutlich größeren Lüneburger Rathaus gestalten. „Ökologie, Ökonomie und Soziales zu verbinden, liegt mir quasi im Blut“, sagt die Diplom-Umweltwissenschaftlerin, die auch einen Master of Business Administration gemacht hat.

„Es wird höchste Zeit, das auch in Lüneburg zu tun. Denn gerade in Zeiten des Wandels bieten nachhaltige Strategien die notwendigen und langfristigen Lösungen.“ Besonders wichtig ist ihr die Beteiligung der Bürger an den Veränderungsprozessen, zum Beispiel beim Projekt Zukunftsstadt. Die dort gesetzten Impulse müssten konsequent verfolgt werden, sagt Kalisch, die seit 2010 Mitglied der Grünen ist. Der Klimaschutz soll als zentraler Gedanke in alle Entscheidung einbezogen werden, sodass Lüneburg innerhalb von zehn Jahren klima-neutral werden kann. „Diese Stadtentwicklung ist sozial zu gestalten und wir dürfen dabei niemanden vergessen.“Seit 27 Jahren ist Claudia Kalisch in und um Lüneburg zu Hause. „Die Stadt hat mir wahnsinnig viel gegeben. Ich bin überzeugt, ihr ganz viel zurückgeben zu können.“

Mit ihrem Mann, den zwei Kindern und einem Kampffisch namens „Blue“ wohnt sie in Reppenstedt. Mit Karate, Yoga, Spinning und Nordic Walking hält sie sich fit. Bevor sie Bürgermeisterin und damit Hauptverwaltungsbeamtin der Samtgemeinde Amelinghausen wurde, war sie im Rat der Samtgemeinde Gellersen aktiv und saß im Kita-Jugend-Sozialausschuss und im Schulausschuss. Beruflich war sie unter anderem neun Jahren am Centre for Sustainability Management der Leuphana Universität tätig. Als Mitglied der Unternehmensleitung der Firma Firstcon baute sie 2014 den regionalen Öko-Energiedienstleister Lünestrom auf. Dessen Service-Center ist aus ihrer Sicht ein Beispiel für die wichtige Innenstadt-Belebung.

„Innenstadt bedeutet nicht gleich Einkaufstadt. Nur die Kombination von Wirtschaftsleben mit sozialen und ökologischen Perspektiven holt das Leben in unsere Stadt zurück.“ Auch für die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum seien Konzepte notwendig, die Verkehr, Ökologie und Stadtklima im Blick behielten. Zudem will Claudia Kalisch die Mobilitätswende zur Fahrradstadt vorantreiben. Eine Wende will sie auch in der Verwaltung bewirken. „Im Rathaus gilt es, nach dieser langen Zeit die Fenster aufzumachen und frischen Wind reinzulassen. Frische Luft ist ja gut fürs Klima“, sagt Claudia Kalisch.

Starre, hierarchisch strukturierte Verwaltungen böten wenig Raum für tieferen Wandel. Umso wichtiger sei ihr ein sinnstiftender und kooperativer Führungsstil. Der Ortsvorstand und die Stadtratsfraktion der Grünen unterstützen ihre Kandidatur, auch die Basis hat sich am Mittwoch für sie ausgesprochen. „Claudia Kalisch teilt unsere Vorstellungen von einem lebenswerten und liebenswerten Lüneburg“, sagt Ortsvorstand-Sprecherin Andrea Kabasci. „Darüber hinaus verfügt sie über viel Kompetenz und wichtige Erfahrungen. Sie hat in der Lüneburger Wirtschaft und Wissenschaft gearbeitet und kennt daher auch das Stadtleben jenseits der Rathausflure bestens.“

Heiko Meyer, Unternehmer und Vorsitzender des Lüneburg City Managements, hat bereits im März 2020 seine Kandidatur angekündigt. Der 51-Jährige, der Mitglied im Rat der Stadt ist, tritt als parteiloser und unabhängiger Bewerber an. „Ich möchte einen Beitrag dazu leisten, dass sich Lüneburg wirtschaftlich, sozial und ökologisch erfolgreich entwickelt“, sagt Meyer. Seine Vorstellungen für die Zukunft seiner Heimatstadt hat er in einem Acht-Punkte-Plan ausgearbeitet. Zuoberst steht die Stärkung des Miteinanders in Lüneburg. „Es ist mir ganz wichtig, die Bürger in allen Prozessen zu beteiligen“, sagt Meyer.

Das betrifft die Neuorganisation der Stadtverwaltung und eine transparente Bürgerinformation ebenso wie die Stadtplanung und die Digitalisierung aller Behördengänge. Das zweite Ziel, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, soll unter anderem durch Nachverdichtung und Aufstockung erreicht werden. Auch sollen Wohnungen verstärkt für Menschen geschaffen werden, die bereits in der Stadt leben.Für ein soziales Lüneburg will er die Teilhabe aller Generationen am städtischen Leben gewährleisten – durch mehr Kita-Plätze, Integration von Menschen verschiedener Herkunft und eine lebenswerte Gestaltung der Stadt auch für ältere Menschen.

„Ich will gleiche Chancen für alle“, sagt Meyer. Beim Verkehr setzt er auf eine fahrradfreundliche Stadt, den Ausbau des ÖPNV und weniger Autos in der City. „Die Besucher könnten auf Park-and-Ride-Plätze am Stadtrand parken und per Elektro-Shuttlebus in die Innenstadt kommen.“Bei der Bildung will Meyer die Zusammenarbeit mit dem Landkreis verbessern und alle Stadtschulen modernisieren und digitalisieren. Die Kulturszene sei zwar stark, die Beteiligten müssten aber besser miteinander zusammenarbeiten. Der unabhängige Kandidat sieht Lüneburg als starke Wirtschafts- und Universitätsstadt.

Die Wirtschaftsförderung müsse besser aufgestellt werden, um Unternehmen nachhaltig für den Standort zu begeistern. Eine „ganze große Aufgabe“ sei zudem die Gestaltung der Innenstadt. „Wir waren in Lüneburg in dem Bereich immer ganz vorn und müssen es auch in Zukunft bleiben. Aber nach Corona wird vieles anders werden.“Heiko Meyer will zum einen mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung als selbstständiger Unternehmer punkten – der gelernte Elektroinstallateur und Kältetechniker richtet mit seiner Firma Brauereien und Gastronomiebetriebe ein und führt das Coffee House No. 1 in der Schröderstraße.

Zudem hat er den Verein Junge Lüneburger gegründet und ist seit 14 Jahren Vorsitzender des Lüneburg City Managements (LCM). Für ein besseres Verständnis der Verwaltungsarbeit hat er eine Weiterbildung gemacht.Zum anderen setzt der zertifizierte City- und Quartiersmanager auf Bürgernähe und seine Kontakte in der Stadt. Für den Wahlkampf hat er sich ein Lastenrad zugelegt, mit dem er in die Stadtteile fährt. Auch in seinem Café ist er regelmäßig anzutreffen. „Ich habe gern ein Ohr für die Leute, das macht mir Spaß. Lüneburg und ich gehören einfach zusammen, hier bin ich gut vernetzt und geerdet.“