Erstlingswerk

Mit dem Wolf kam die Idee für ein eigenes Buch

Elke Stoll hält eines der druckfrischen Exemplare ihres Romans „Das Schneewittchen-Syndrom" in den Händen.

Elke Stoll hält eines der druckfrischen Exemplare ihres Romans „Das Schneewittchen-Syndrom" in den Händen.

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Insektengiftexpertin und Lehrerin Elke Stoll wollte zeit ihres Lebens einen Roman schreiben. Mit 69 Jahren hat es nun gewagt.

Undeloh. Die Angst ist da. Sie lauert. Auch drei Jahren später noch. Elke Stoll erinnert sich. „Es war ein schöner Morgen in der Heide. Ich war mit unserer Hündin Paula zwischen Undeloh und Sahrendorf unterwegs, als ich in der Ferne ein Tier sah. Es kam auf mich zu, blieb stehen, kam näher. Immer näher.“ Elke Stoll weiß noch genau, wie ihr Herz immer schneller pochte, der Mund trocken wurde, die Beine zitterten, als sie dem Wolf in die Augen schaute. Dann senkte dieser den Kopf, drehte sich um und verschwand lautlos, wie er gekommen war. Seitdem hat sie den Wolf nicht wieder getroffen. Die Angst aber ist geblieben.

„Eine Wolfsbegegnung vergisst man nicht“, sagt Elke Stoll. „Jedes Mal, wenn ich in der Heide spazieren gehe, habe ich die Bilder vor Augen.“ Bilder, die Elke Stoll jetzt auf eine ganz eigene Art verarbeitet hat. Die 69-Jährige hat einen Roman geschrieben, in dem unter anderem die Wölfe in der Lüneburger Heide eine tragende Rolle spielen. Das Buch heißt „Das Schneewittchen-Syndrom“ und verwickelt gleich drei aktuelle Themen in einem Plot. Es geht um Wölfe, um Internetsucht bei Jugendlichen und die tödliche Gefahr von Insektengiften. Themen, die Elke Stoll zum Teil auch beruflich umtreiben.

Zwei Jahre hat die Autorin an ihrem Werk gesessen, von der ersten Idee bis zum fertigen Druck war es ein langer Weg. „Ein Abenteuer“, wie es Elke Stoll nennt. Von diesem Abenteuer will sie anderen berichten, ihnen Mut machen, eigene Ideen für ein Buch zu entwickeln und aufzuschreiben. Dafür hat sie einen Vortrag entwickelt. Der Titel lautet: „Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben“. Die Veranstaltung findet im Oktober statt (siehe Info). „Ich möchte Tipps geben, wie Ideen geordnet, Charaktere entwickelt und Ereignisse miteinander sinnvoll und spannend verstrickt werden können“, sagt sie, die nach eigenen Aussagen „mit Leib und Seele Lehrende ist“ und nichts lieber tut, als andere an ihrem Wissen teilhaben zu lassen.

Autorin war mit Leib und Seele Lehrerin

Diese Leidenschaft zieht sich wie ein roter Faden durch das Leben der Autorin – genauso wie die Liebe zur Lüneburger Heide. Dort verbringt die gebürtige Hamburgerin in ihrer Kindheit jedes freie Wochenende. Es ist das Kontrastprogramm zum städtischen Alltag in Lokstedt. „Draußen in der Heide war ich frei, konnte durch Wald und Wiesen toben, Baumhäuser und Höhlen bauen. Die Heide war still. Die Stadt war laut.“ Nach dem Lehramtsstudium an der Hamburger Universität unterrichtet Elke Stoll Geografie und Geschichte an einer Eimsbüttler Realschule.

Ein Thema, das sie über die Jahre hinweg immer wieder beschäftigt, ist die unterschätzte Gefahr von Insektengiftallergien. Es ist eines der Hauptthemen in ihrem Roman.

„Ich habe bei meinen Begegnungen immer wieder erschrocken festgestellt, wie wenig die Menschen über das Thema wissen“, sagt sie. „Immerhin sind rund drei Prozent der deutschen Bevölkerung für eine Insektengiftallergie hochgradig sensibilisiert, was bedeutet, dass etwa 2,5 Millionen Menschen dem Risiko eines anaphylaktischen Schocks mit tödlichem Ausgang ausgesetzt sind.“ Oft habe sie sich gefragt, wie viele Vorträge sie halten müsste, bis ich alle erreichen würde. Irgendwann sagte sie zu einem Bekannten: „Darüber müsste man eigentlich mal einen Bestseller schreiben.“ Seine Antwort lautete: „Dann mach!“

Also hat sie gemacht. Doch wieviel schwieriger es ist, einen Roman zu schreiben als einen sachlichen Text, begreift sie erst, als sie versucht, ihre Ideen zu einer Geschichte zu verweben. Also besucht sie den Kurs „Kreatives Schreiben“ an der Volkshochschule und besorgt sich Bücher zum Thema „Wie schreibe ich einen Roman?“ „Meine Achtung vor einfacher Unterhaltungslektüre ist in dieser Zeit enorm angestiegen“, sagt sie. „Die Fülle dessen, an was ich alles denken muss, hat mich erschlagen. Doch irgendwann hat es ‚klick‘ gemacht. Und ich habe begriffen, dass Romanschreiben nichts anderes ist, als ein Thema über viele Unterrichtseinheiten verteilt zu vermitteln. Man braucht eine Dramaturgie, einen Spannungsbogen, um die Leute bei der Stange zu halten.“

Bei der Recherche waren Fachleute gefragt

Ihr erster Kauf ist eine große Pinnwand, die sie im Arbeitszimmer montiert. Das ist im Oktober 2018. Dann kontaktiert sie Experten. Zum Thema Internetabhängigkeit spricht sie mit einer Therapeutin, zu den Wölfen befragt sie eine Tierärztin. Sie entwickelt die Charaktere, Schauplätze und Kernbotschaften, schreibt die Handlung zunächst in chronologischer Reihenfolge auf und ordnet diese anschließend an der Pinnwand so an, dass ein Spannungsbogen entsteht – wie ein Puzzle, das sie Stück für Stück zusammenfügt. Jeden Morgen steht sie um 4.30 Uhr auf und beginnt zu schreiben. Im März 2019 setzt sie den Schlusspunkt.

„Die eigentliche Arbeit aber begann anschließend“, sagt sie. 50 Verlage hat sie angeschrieben, Exposés und Leseproben verschickt. Schließlich findet sie eine Lektorin, die das Buch bearbeitet und sie bei der Veröffentlichung unterstützt. Ein Jahr später kommt „Das Schneewittchen-Syndrom“ bei Books on Demand auf den Markt. Innerhalb kürzester Zeit sind die ersten 400 Exemplare verkauft. Sie plant Lesungen und Vorträge. Doch dann kommt Corona. Seitdem steht der Markt still.

Doch Elke Stoll ist optimistisch, dass sie im Herbst wieder Gas geben und ihren Roman weiter promoten kann. Anfragen von Vereinen aus der Region liegen bereits vor. Bereits fest eingeplant ist der Vortrag mit Lesung an der VHS Buchholz. Die ist am 30. Oktober. Zur gleichen Zeit vor drei Jahren hat sie das Abenteuer einen Roman zu schreiben, gestartet. Sie könnte sich vorstellen, dass sie die Reise noch einmal antritt. Die Idee dafür hat sie bereits im Kopf.

Inhalt und Lesung

Der Roman handelt von der Psychologin Maike Gontemann. Als diese die Chance erhält, internetsüchtige Jugendliche an einem Ort ohne WLAN zu therapieren, scheint das einsam gelegene Heidehotel ihrer Schwägerin Gerda der ideale Platz zu sein. Doch die Idylle trügt. Als Allergikerin Maike im Schlaf von mehreren Wespen gestochen wird, glaubt sie nicht, dass es sich um Zufall handelt.

Einen Vortrag „Vom Abenteuer, einen Roman zu schreiben“ mit Lesung gibt es am 30. Oktober um 19 Uhr in der VHS Buchholz, Lindenstraße 10.

Das Buch gibt es im Buchhandel sowie unter www.bod.de