Agrar

Tierhalter in Niedersachsen setzen weniger Antibiotika ein

Das Bemühen um einen geringeren Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung ist erfolgreich, die Menge in Niedersachsen erneut gesunken. Nun sollen Zuständigkeiten bei der Kontrolle verlagert werden. Ist das ein Problem?

Hannover. Der Einsatz von Antibiotika durch Tierhalter in Niedersachsen ist im vergangenen Jahr erneut zurückgegangen. Wurden 2018 noch 429 Tonnen der Mittel an Tierärzte und Tierarztpraxen in den niedersächsischen Postleitzahlgebieten ausgegeben, seien es 2019 nur noch 386 Tonnen gewesen, teilte das Landwirtschaftsministerium am Donnerstag in Hannover mit. Erfreulicherweise habe die Abgabemenge in Tonnen insgesamt gesenkt werden können, auch wenn es in einzelnen Bereichen einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr gegeben habe.

Da einzelne große Tierarztpraxen über die Grenzen der Bundesländer hinaus arbeiten, beinhalten die Daten immer auch zu einem geringen Anteil Antibiotika-Mengen, die in Nachbarbundesländern eingesetzt wurden. 2014 betrug die Abgabemenge 726 Tonnen und 2011 waren es noch knapp 1014 Tonnen.

Antibiotika sind wichtig für die Behandlung bakterieller Infektionen. Aber mit jeder Verabreichung steigt die Gefahr, dass die Keime widerstandsfähig gegen das Medikament werden. Das erschwert die Behandlung. Da sowohl in der Landwirtschaft als auch bei der Behandlung von Menschen viele Antibiotika eingesetzt werden, bemüht man sich in beiden Bereichen um eine Reduzierung.

Kritik kam von der Agrarexpertin der Grünen im Landtag, Miriam Staudte, an der geplanten Verlagerung der Kontrolle des Antibiotika-Einsatzes von der Landes- zurück auf die kommunale Ebene. Mit der Herabstufung werde ein bewährtes Kontrollsystem zerschlagen, sagte sie am Donnerstag. Mit der Konzentration auf Landesebene hätten ein hoher fachlicher Standard und eine drastische Reduktion des Antibiotikaeinsatzes erreicht werden können. Die Kommunen seien heute schon mit vielen Kontrollaufgaben in der Tierhaltung und in Schlachthöfen überfordert.

Das Landwirtschaftsministerium hielt dem entgegen, dass die kommunalen Behörden ohnehin bereits für die Überwachung der Tierarzneimittel zuständig seien. Es werde ein stringenter Durchgriff bei festgestellten Verstößen erwartet, ohne eine weitere Behörde einzuschalten. Die kommunalen Veterinärämter würden durch die Verschiebung gestärkt. Das landesweite Meldesystem soll beim Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) bleiben, ebenso die statistische Auswertung der Antibiotika-Minimierung auf Landesebene.