Hells Angels

Urteil: Rockerboss Frank Hanebuth muss Geldstrafe zahlen

Der Angeklagte Frank Hanebuth (r.) im Gerichtssaal neben seinem Anwalt Michael Nagel. Das Amtsgericht Hannover hat den Rockerboss am Donnerstag zu einer Geldstrafe verurteilt.

Der Angeklagte Frank Hanebuth (r.) im Gerichtssaal neben seinem Anwalt Michael Nagel. Das Amtsgericht Hannover hat den Rockerboss am Donnerstag zu einer Geldstrafe verurteilt.

Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Chef einer Autowerkstatt soll von Hells Angels angegriffen worden sein. Opfer erinnert Tat nicht mehr. Kam das den Angeklagten zugute?

Hannover.  Im Prozess gegen Rockerboss Frank Hanebuth hat das Amtsgericht Hannover Geldstrafen gegen ihn und weitere Angeklagte verhängt. Eine gemeinschaftliche Körperverletzung sei nicht nachweisbar, eine einfache Körperverletzung aber schon, sagte die Vorsitzende Richterin Monika Pinski am Donnerstag zur Urteilsbegründung.

Hanebuth wurde wegen Nötigung und Beihilfe zu 4000 Euro Geldstrafe verurteilt. Ein 46 Jahre alter Angeklagter wurde zu 90 Tagessätzen zu 60 Euro – also 5400 Euro Strafe – verurteilt. Er hatte demnach den Chef einer Autowerkstatt in Langenhagen bei Hannover geschlagen.

Verteidigung prüft, ob sie Rechtsmittel gegen Urteil einlegt

Die Richterin sagte den Verurteilten: „Was Sie getan haben, war nicht in Ordnung und wird geahndet, aber verhältnismäßig.“ Die übrigen drei Verurteilten müssen Geldstrafen von 1200 beziehungsweise 1500 Euro bezahlen. Die Anklage hatte auf gemeinschaftliche Körperverletzung, Beihilfe zur Nötigung und Verstoß gegen das Waffengesetz gelautet.

Sowohl der Staatsanwalt, der überwiegend Bewährungsstrafen gefordert hatte, als auch Hanebuths Anwalt wollen nach eigenen Angaben prüfen, ob sie Rechtsmittel gegen das Urteil einlegen.

Hanebuth war nach Überzeugung des Gerichts mit weiteren Männern beteiligt, als der 40 Jahre alte Kfz-Mechaniker geschlagen wurde. Die Verurteilten gehören laut Anklage zur Rockergruppe Hells Angels. Im April 2018 waren die Männer bei dem Kfz-Mechaniker erschienen. Bei dem Vorfall solle es um Mietrückstände von 2500 Euro gegangen sein.

Opfer verweigerte die Aussage weitgehend

Der 40-Jährige sprach dagegen von einem „Konflikt“ um seine Ex-Partnerin. Diese sagte aus, sie und ihre 26 Jahre alte Tochter seien von dem Mann bedroht worden. Das Opfer verweigerte die Aussage weitgehend. Die Polizei habe aus dem Streit „eine Affäre gemacht“.

Bei einer Razzia im Zusammenhang mit den Vorwürfen wurden im November 2018 verbotene Waffen, vor allem Patronen, auf dem Anwesen von Hanebuth gefunden. Laut Richterin Pinski ist das ein Verstoß gegen das Waffengesetz. Die Bemerkung von Hanebuths Anwalt, wonach eine Patrone in einer Gürteltasche ein Glücksbringer sein könne, bezeichnete sie als „total charmant“.

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Prozess in Spanien steht noch aus

Es ist nicht das einzige Verfahren, mit dem der Rockerboss zu tun hat: 2013 war Hanebuth auf Mallorca festgenommen worden, er saß zwei Jahre in Spanien in Untersuchungshaft. Dort wird ihm unter anderem die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Ein Prozess steht noch aus. Der 55-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

Nach seiner Rückkehr nach Niedersachsen heiratete er im Sommer 2017, knapp ein Jahr später eröffnete er eine Bar in Hannover. Im November 2001 hatte das Landgericht Hannover ihn wegen gefährlicher Körperverletzung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.