Corona-Lockerung

Friseure rechnen mit Ansturm auf die Salons

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Rolf Zamponi
Mit Humor weist der Friseursalon von Kerstin Kröger und Nadine Peters in Winsen/Luhe auf die Wiedereröffnung am 4. Mai 2020 nach der Corona-Zwangspause hin.

Mit Humor weist der Friseursalon von Kerstin Kröger und Nadine Peters in Winsen/Luhe auf die Wiedereröffnung am 4. Mai 2020 nach der Corona-Zwangspause hin.

Foto: Markus Steinbrück / HA

Am kommenden Montag dürfen die Geschäfte wieder öffnen. Die Hygieneregeln sind wegen der Coronakrise massiv. Termine sehr beliebt.

Tostedt/Winsen.  Die beiden Friseurinnen Nadine Peters und Kerstin Kröger haben schon jetzt eine Eilmeldung für den 4. Mai herausgegeben. Sie steht auf einer Tafel vor ihrem Geschäft am Rande der Winsener Innenstadt. Für den kommenden Montag empfehlen sie: „Vorsicht im Straßenverkehr. 100.000 aggressive Frauen auf dem Weg zum Friseur. Chaos vorprogrammiert.“ Ganz so schlimm wie augenzwinkernd angekündigt dürfte es wohl nicht kommen. Doch der nächste Montag markiert für die Branche nach Wochen ohne jeden Kunden einen Wendepunkt. Die Friseurgeschäfte dürften wieder öffnen.

Kröger und Peters sind in der Kreisstadt bekannt für ihren mit Kreide dokumentierten Humor. Seit sie vor eineinhalb Jahren ihr Geschäft übernommen haben, ließen sie sich jede Woche einen neuen Spruch über Themen ihres Berufs einfallen. „Inzwischen ändern unsere Kunden schon ihren Arbeitsweg, um zu schauen, was bei uns steht. Die Sprüche werden in den Netzwerken gepostet. Das entwickelt sich zum Kult“, sagt Kerstin Kröger. Die 600 Stammkunden können nun bald nicht mehr nur vorbeifahren, sondern auch hereinkommen. Sie müssen aber geduldig sein. Zwei bis drei Wochen Vorlauf für Termine im Salon sind normal. „Wer jetzt kommt, wird dagegen bis Anfang, Mitte Juni warten müssen“, sagt Kröger.

Termine sind schon telefonisch vergeben worden

Ähnlich stark ist die Sehnsucht von Kunden nach einem akkuraten Schnitt nach dem von höchster Stelle angeordneten Verzicht auch bei Katharina Kalinowsky, der Obermeisterin der Friseurinnung im Landkreis Harburg. „Seit einer Woche nehmen wir wieder Termine per Telefon entgegen. Angerufen wurden dafür auch schon um zwei Uhr nachts“, sagt sie. Bei ihr können Kunden, die sich jetzt melden, einen Besuch wieder ab dem 19. Mai buchen.

Die Obermeisterin, seit einem Jahr im Amt, geht jedoch davon aus, dass es noch geraume Zeit dauern wird bis alle Haare der Menschen im Landkreis gebändigt sind. Denn die für die Firmen vorgeschriebenen Hygienemaßnahmen sind einschneidend und vielfältig. „Wir bieten jetzt maximale Sicherheit. Für mich stellt das fast die Regeln für Ärzte und Kliniken in den Schatten“, sagt Kalinowsky. Der hohe Aufwand ist neben dem tausenden seit Wochen unfrisierten Menschen der entscheidende Faktor für lange Wartezeiten.

Friseure: Hygienemaßnahmen kosten viel Zeit

So hat Kalinowsky auf 140 Quadratmetern in Tostedt zwar insgesamt neun Plätze, an denen ihre sechs Mitarbeiter mit Schere, Shampoo und Kamm im Einsatz sind. Jetzt jedoch dürfen nur fünf dieser Plätze besetzt sein. Die Mitarbeiter wechseln sich dazu tage- und wochenweise ab. Die Kunden müssen sich nach ihrem Eintritt die Hände desinfizieren, ihren Namen angeben und mitteilen, wo sie zu erreichen sind.

„Dafür gilt für uns eine Dokumentationspflicht“, erklärt die 40-jährige Meisterin. Gegen die Viren geschützt werden müssen natürlich auch die Frisierplätze und alle Werkzeuge. Alles kostet Zeit und Geld. „Viele werden so ihr Personal gar nicht auslasten können und zumindest in dieser Anlaufphase rote Zahlen schreiben“, fasst die Obermeisterin zusammen. Endlich aber könne nun wieder geöffnet werden. Die Kernzeit dafür liegt zwischen acht und 20 Uhr, zumeist an sechs Tagen. Sogar bis 22 Uhr kann geöffnet werden.

Salons helfen sich untereinander mit Material aus

Immerhin macht sich Kalinowsky nur wenig Sorgen um die 52 Betriebe der Innung. „Wer Mitglied ist, wird von einem Meister geführt und ist gut aufgestellt“, sagt sie. Während der Krise seien die Betriebe zudem stark zusammengerückt. So wurde untereinander Material ausgetauscht, um so vor den Neustart Engpässe zu bewältigen – beispielsweise beim Bestellen von Masken sowohl für Mitarbeiter als auch für die Kunden. Noch immer gibt es aber Engpässe. „Ich habe gerade 1000 Masken aus China bestellt“, sagt Kalinowsky. Wann die aber ankommen, ist ungewiss. Noch immer seien auch Desinfektionsmitteln und Schutzwände aus Plexiglas knapp. Trotz der offensichtlich abflauenden Pandemie bleibt viel Unsicherheit.

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Deutlich ist jedoch, dass die Friseurbesuche teurer werden. „Wir erbringen eine umfangreichere Dienstleistung. Ich rechne künftig mit um 20 Prozent höheren Preisen“, so Kalinowsky. Nur ein Beispiel: Einen günstigen Trockenhaarschnitt wird es so nicht mehr geben. Denn die Haare des Kunden müssen in jedem Fall mit einem antiviralen Shampoo gewaschen werden. Die Behandlung schützt die Friseure vor dem Einatmen der Haarschnipsel und damit vor Infektionen. Statt 22 Euro ohne Waschen dürften künftig etwa bei Herren um die 35 Euro auf der Rechnung stehen.