Lüneburger Heide

200 Rüstungsgegner blockieren Rheinmetall-Werk in Unterlüß

Rüstungsgegner blockieren auch im Mai 2017 das Rheinmetall-Werk in Unterlüß (Niedersachsen).

Rüstungsgegner blockieren auch im Mai 2017 das Rheinmetall-Werk in Unterlüß (Niedersachsen).

Foto: picture alliance / Philipp Schulze/dpa

Aktivisten werfen Rüstungsfirma vor, über Umwege Waffen an Saudi-Arabien zu verkaufen. Dabei gilt ein Waffenexport-Stopp.

Unterlüß. Mehrere Hundert Menschen blockieren seit Freitagmorgen das Werksgelände der Rüstungsfabrik Rheinmetall in Unterlüß in der Lüneburger Heide. Mit der Aktion seien der Schichtwechsel zur Frühschicht sowie An- und Auslieferungen zur und von der Fabrik unterbrochen worden, sagte Ulli Becker von der Initiative „Rheinmetall entwaffnen“: „Wir haben die Rheinmetall-Rüstungsproduktion für einen weiteren Tag lahmgelegt.“

Die Polizei sprach von insgesamt vier Blockaden rund um das Werksgelände mit insgesamt etwa 200 Teilnehmern. Auf einer Zufahrtstraße hätten Demonstranten ein dreibeiniges Gestell, einen sogenannten Tripod, aufgebaut. Zeitweise seien Aktivisten auch auf einen Strommasten geklettert. Die Proteste verliefen bislang friedlich, sagte Polizeisprecher Christian Riebrandt.

Rheinmetall soll Waffenexport-Regularien umgehen

Rheinmetall leiste materielle Hilfe für die von Saudi-Arabien begangenen Kriegsverbrechen im Jemen und die völkerrechtswidrige Besatzung der türkischen Armee im nordsyrischen Kanton Afrin, begründete Becker die Blockade. Das Unternehmen sei „mitverantwortlich für diese und viele weiteren Kriegsverbrechen“. Mit der Gründung von Tochterunternehmen und Joint Ventures umgehe Rheinmetall bewusst Waffenexport-Regularien der Bundesregierung wie den aktuellen, bis Ende September geltende Waffenexport-Stopp nach Saudi-Arabien.

Bereits seit Sonntag protestieren Rüstungsgegner mit einem Camp in Unterlüß gegen Rheinmetall. Zum Abschluss der Aktionswoche ist am Sonnabend (7. September) eine Demonstration geplant, zu der zahlreiche Gruppen aufgerufen haben. In Unterlüß befindet sich nach Angaben des Bündnisses „Rheinmetall entwaffnen“ eine wichtige Produktionsstätte von Rheinmetall. Knapp 2000 Menschen produzierten dort Waffen, Munition, Panzer und anderes Kriegsgerät. Die Schießanlage in Unterlüß sei das größte private Testgelände in Deutschland, hieß es.