Lüneburg

Nächste spektakuläre Wende im Fall des Göhrdemörders?

Bereits im April 2018 suchten Polizisten auf dem ehemaligen Grundstück des mutmaßlichen Serienmörders in Lüneburg nach Hinweisen auf weitere Verbrechen.

Bereits im April 2018 suchten Polizisten auf dem ehemaligen Grundstück des mutmaßlichen Serienmörders in Lüneburg nach Hinweisen auf weitere Verbrechen.

Foto: dpa

Friedhofsgärtner könnte womöglich für weitere 235 Vermisstenfälle, Morde und Vergewaltigungen verantwortlich sein.

Lüneburg. Im Fall des mutmaßlichen Serienmörders von Lüneburg prüft die Polizei mittlerweile mögliche Verbindungen zu mehr als 200 Taten. "Bislang haben mehrere Dutzend Dienststellen insgesamt 235 verschiedene interessante Fälle gemeldet", sagte Sprecher Mathias Fossenberger der Polizeidirektion Lüneburg zum Ermittlungsstand. Darunter seien auch Vermisstenfälle und Vergewaltigungen.

"Damit kein Fall unbeachtet bleibt, sind die Dienststellen angehalten, sich bereits niedrigschwellig mit der Clearingstelle der Ermittlungsgruppe Göhrde in Verbindung zu setzen", betonte Fossenberger. Dazu gehörten auch viele Fälle, die vermutlich nicht mit dem Friedhofsgärtner in Verbindung stünden.

Friedhofsgärtner nahm sich das Leben

Auf einem früheren Grundstück des Gärtners am Stadtrand von Lüneburg war im September 2017 die Leiche der seit 1989 vermissten Birgit Meier entdeckt worden. Den grauenvollen Fund machte ihr Bruder Wolfgang Sielaff, ehemaliger Leiter des Landeskriminalamts Hamburg.

Anfang vergangenen Jahres hatte die Polizei in Lüneburg die Clearingstelle eingerichtet. Andere Dienststellen im In- und Ausland sollen so ihre Fälle anhand der sogenannten Göhrdemorde abgleichen können. In dem Waldgebiet östlich von Lüneburg waren 1989 zwei Paare getötet worden. Der Gärtner gilt als Verantwortlicher für die zwei Doppelmorde, die bundesweit für Schlagzeilen sorgten. Im April 1993 beging er Selbstmord, als er wegen anderer Vorwürfe in U-Haft saß. Gegen Tote wird nicht ermittelt, doch zumindest in einigen Fällen soll er von einem als Beschuldigten geführten möglichen Komplizen unterstützt worden sein.

Wer missbrauchte und tötete eine 14-Jährige?

Auch zwei nie geklärte Mordfälle aus dem Raum Lüneburg beschäftigen dabei die Ermittler. Im Mai 1969 wurde eine 14-jährige Schülerin missbraucht und getötet. Ihre Leiche wurde später an der Elbe gefunden. Ein knappes Jahr darauf wird eine 38-Jährige mit vier Schüssen aus einer Kleinkaliberwaffe getötet, als sie mit ihrem Rad in einem Naturschutzgebiet am Stadtrand unterwegs war – auch dieser Fall blieb ungeklärt.

Ein Bewegungsbild des Mannes wurde erstellt, der längere Zeit auch in Karlsruhe lebte. In einem polizeiinternen Skript war nach Informationen der Lüneburger "Landeszeitung" schon im vergangenen Jahr von 22 Komplexen mit 26 Opfern die Rede. Dazu gehört auch eine Serie von Vergewaltigungen in der Nordheide von 1985/86. In dem bundesweit verschickten Papier geht es laut Zeitungsangaben auch um sechs Taten in Süddeutschland und eine in Frankreich. Die Polizei wollte sich nicht dazu äußern.

Fall Frischholz wohl anders gelagert

Der Fall der in Bayern seit 1976 vermissten Monika Frischholz dürfte nach bisherigen Erkenntnissen nichts mit dem Göhrdemörder zu tun haben. Bei der Suche nach sterblichen Überresten der Zwölfjährigen waren die Ermittler bei Flossenbürg vor einigen Tagen im Waldboden auf ein Auto gestoßen – auch der Friedhofsgärtner hatte einen Wagen auf seinem Grundstück vergraben.

"Wir gehen davon aus, dass es ein Täter aus der Region war", sagte Florian Beck vom Polizeipräsidium Oberpfalz zum Fall Frischholz. "Grundsätzlich gehen unsere Ermittlungen aber in alle Richtungen." Das Auto habe einem Mann aus der Region gehört und stehe nach bisherigen Erkenntnissen nicht in Zusammenhang mit dem Verschwinden des Kindes.