Weltmädchentag

Finanzministerin für einen Tag: "Eine großartige Chance"

Studentin Celina Kühl übernimmt zum Weltmädchentag für einen Tag symbolisch das Finanzministerium von Olaf Scholz (SPD)

Studentin Celina Kühl übernimmt zum Weltmädchentag für einen Tag symbolisch das Finanzministerium von Olaf Scholz (SPD)

Foto: dpa

Studentin Celina Kühl aus Hannover hat zum Weltmädchentag Finanzminister Olaf Scholz begleitet. Was sie erlebt hat.

Berlin. Glücklich und erfüllt von einem spannenden Tag ist Celina Kühl Donnerstagmittag zurück bei ihren Eltern in der Nähe von Hannover angekommen. „Es war unglaublich und eine großartige Chance für mich persönlich“, sagt sie etwas aufgewühlt am Telefon. Kühl hatte sich am Mittwoch für einen Tag mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) den Job geteilt. Anlass ist der Weltmädchentag am heutigen Donnerstag, an dem rund um den Globus Mädchen und junge Frauen an die Stelle von Regierungschefs, Ministern oder Leitern globaler Konzerne treten. Das Besondere sei für sie aber vor allem, Teil dieser Bewegung zu sein, so Kühl hinterher. „Wir haben so viel Aufmerksamkeit bekommen, das allein sollte uns Frauen motivieren und unterstützen beim Kampf für mehr Gleichberechtigung.“

Das Gespräch mit Scholz sei ausgesprochen nett gewesen. „Er hat mir so freundlich zugehört und geantwortet“, sagt sie. „Wir haben gemeinsam besprochen, dass die Bewegung für mehr Gleichberechtigung noch lange nicht am Ziel ist und wir immer wieder daran erinnern müssen.“ Sie habe das Gefühl gehabt, dass Scholz das schon sehr bewusst sei. „Er war sehr angetan von unserem Engagement und hat uns ermuntert, weiter zu machen.“

Auch zum Thema politische Teilhabe von Jugendlichen hätten sie gesprochen. „Ich habe ihm ein bisschen auf den Zahn gefühlt, was man konkreter machen könnte“, so Kühl. Scholz habe zugesagt, das Thema im Hinterkopf zu behalten und künftig ein Auge drauf zu haben. „Ich denke, dass ich ihm in unserem Gespräch schon einen Denkanstoß gegeben habe.“ Es ginge darum, künftig die Meinung von jungen Menschen mehr abzufragen.

Insgesamt seien die Aktionen rund um den Weltmädchentag für sie ein großer Erfolg. „Wir haben so viel Aufmerksamkeit bekommen, das ist großartig“, sagt sie. „Nächstes Jahr haben wir ja wieder einen Weltmädchentag. Und ich hoffe sehr, dass sich in dieser Zeit nachhaltig wieder ein bisschen was für die Mädchen und Frauen auf der Welt verändert.“

Der Weltmädchentag wurde 2011 von den Vereinten Nationen (UN) ins Leben gerufen. Initiator war das Kinderhilfswerk Plan International. Weltweit gibt es Aktionen, um auf die Rechte von Mädchen und Frauen aufmerksam zu machen. Dazu gehören rund 1000 sogenannte Takeover, die Jobübernahmen, in 70 Ländern, darunter Positionen wie das Amt des General Managers von eBay Canada, das Amt der Verteidigungsministerin der Niederlande oder das Amt des Vizepräsidenten von Indonesien. Zudem erstrahlen am heutigen Abend in 30 Städten in Deutschland 60 bekannte Gebäude in Pink, wie der Funkturm in Berlin, das Neue Rathaus am Marienplatz in München und die St.-Petri-Kirche in Hamburg.

„Nur wenn Mädchen überall die gleichen Chancen haben wie Jungen, hat unsere Welt eine Zukunft“, sagt Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland. „Bis dahin müssen wir viel Überzeugungsarbeit leisten. Mit unserer Beleuchtungsaktion wollen wir darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, dass auch Mädchen und junge Frauen führende Rollen übernehmen und mitmischen in allen Bereichen, die sie betreffen. In Deutschland – und überall auf der Welt. Denn Gleichberechtigung trägt zur nachhaltigen Bekämpfung von Armut bei – und zu einer sicheren Welt.“

Die vergangenen Aktionen des internationalen Weltmädchentages haben bereits einige Fortschritte gebracht. In Nepal übernahmen Mädchen 2017 unter anderem 300 lokale Radiosender. 20 von ihnen bekamen hinterher eine feste Anstellung bei den Sendern. In Ecuador gelang es 24 Mädchen nach dem Takeover der Nationalversammlung, dass eine Resolution gegen Gewalt an Mädchen eingebracht wurde. (sla)