Fahrlässige Tötung

Betrunkenen nicht nach Hause gefahren – Polizisten angeklagt

Wegen eines neuen Einsatzes setzten die Beamten den 23-Jährigen auf einem Parkplatz ab. Wenig später lief er vor ein Auto.

Oldenburg. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat nach dem Unfalltod eines 23-Jährigen zwei Polizisten angeklagt, die den Mann kurz zuvor betrunken auf einem Parkplatz abgesetzt hatten.

Der junge Mann war knapp eine Stunde später von einer Autofahrerin auf einer Kreisstraße in Rastede angefahren und tödlich verletzt worden. Den Beamten wird nach dem Unfall Mitte November fahrlässige Tötung vorgeworfen, so die Staatsanwaltschaft in Oldenburg am Donnerstag.

Polizisten wurden plötzlich zu Einsatz gerufen

Die beiden Polizisten wollten den Mann eigentlich mit dem Streifenwagen nach Hause fahren, unterwegs wurden sie aber zu einem Einsatz gerufen und setzten den 23-Jährigen auf einem Supermarkt-Parkplatz ab.

Vor dem Unfall war der Mann mehrmals bei der Polizei in Erscheinung getreten. Er hatte unter anderem vor einer Polizeiwache in Oldenburg randaliert und einen Platzverweis ignoriert.

Unfallopfer hatte mindestens 1,1 Promille

Die Staatsanwaltschaft hatte mitgeteilt, dass der 23-Jährige zum Zeitpunkt des Unfalls einen Blutalkoholwert von mindestens 1,1 Promille hatte und vermutlich auch unter dem Einfluss von Cannabis stand.

Nachdem die Polizisten den Mann abgesetzt hatten, meldeten sich 20 Minuten später Verkehrsteilnehmer über Notruf bei der Polizei, weil der 23-Jährige auf einer vielbefahrenen Straße statt auf dem Gehweg auf der Fahrbahn lief.

Eröffnung des Gerichtsverfahrens noch unklar

Eine Streifenwagenbesatzung suchte den Mann, dieser rannte während der Überprüfung aber davon. Eine halbe Stunde später wurde er dann überfahren.

Es gebe keinen Nachweis dafür, dass den 23 und 24 Jahre alten Polizisten die Hilflosigkeit des Mannes klar gewesen sei oder dass sie diese ernsthaft in Rechnung gestellt hätten, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

Ob und wann die Polizisten sich nun vor Gericht verantworten müssen, ist noch unklar, weil das Landgericht noch nicht über die Eröffnung eines Hauptverfahrens entschieden hat.