Hildesheim

Mord an einer Prostituierten – Lebenslange Haftstrafe

Der Angeklagte vor dem Landgericht in Hildesheim (Archiv)

Der Angeklagte vor dem Landgericht in Hildesheim (Archiv)

Foto: dpa

Er sei des Mordes in Tateinheit mit Raub mit Todesfolge schuldig, entschied das Gericht. Der Angeklagte hatte die Tat abgestritten.

Hildesheim. Für den Mord an einer Prostituierten in ihrem „Lovemobil“ bei Peine muss ein 30-Jähriger lebenslang ins Gefängnis. Das Landgericht Hildesheim sah es am Mittwoch als erwiesen an, dass der Mann die Frau am 4. November 2016 getötet und ihre Tageseinnahmen von etwa 500 Euro sowie ihr Handy gestohlen hat.

Wegen seiner Mietschulden in Höhe von rund 2500 Euro und damit seine Freundin nicht immer alles bezahlen muss, habe der Angeklagte spontan den Entschluss gefasst, die Prostituierte zu überfallen, erläuterte der Vorsitzende Richter Peter Peschka das Urteil. Der 1,97 Meter große arbeitslose Deutsche hatte die Tat stets bestritten, sein Verteidiger hatte Freispruch gefordert.

Ingenieur saß unschuldig in Untersuchungshaft

Nach dem Gewaltverbrechen in dem Wohnwagen war zunächst ein Kunde der Ungarin verhaftet worden. Der 45-jährige Ingenieur saß rund ein halbes Jahr unschuldig in Untersuchungshaft. Erst ein anonymes Schreiben, das bei Polizei und Staatsanwaltschaft einging, brachte die Ermittler auf die Spur des wahren Täters. Hinter dem Brief steckte der ehemals beste Kumpel des Mörders, der während der Tat auf dem Parkplatz wartete. Er habe sich erst so spät bei den Behörden gemeldet, weil der Täter gedroht habe, seiner Familie etwas anzutun, sagte der Mann als Zeuge aus. Im Juli wurde der 45-Jährige freigesprochen.

Während der Verhandlung hatte der nicht vorbestrafte Angeklagte immer wieder versucht, die Bluttat seinem Bekannten anzuhängen. Richter Peschka setzte in seiner gut einstündigen Urteilsbegründung jedoch akribisch alle Indizien wie ein Puzzle zusammen. So wurde zum Beispiel unter drei Fingernägeln des Opfers DNA des 30-Jährigen aus Salzgitter gefunden. Auf dem Shirt der Getöteten fand sich ein Blutfleck von ihm, den Experten zufolge eine Tropfspur.

Gutachter: „Gewisse Gefühlsarmut“

Nach Überzeugung der Richter forderte der 30-Jährige gleich nach Betreten des „Lovemobils“ die Herausgabe von Geld. Als die zierliche 40-Jährige sich wehrte un ihn kratzte, warf der 120 Kilo schwere Mann sie zu Boden und stellte sich mit seinem Schuh auf ihren Hals. „Er hat ihren Todeskampf miterlebt, er hatte freien Blick auf ihren Kopf“, sagte der Richter, während der Angeklagte regungslos mit verschränkten Armen ihm zuhörte. Weder Alkohol noch Drogen noch Medikamente seien im Spiel gewesen, betonte Peschka. Ein Gutachter hatte dem Hartz-IV-Empfänger eine „gewisse Gefühlsarmut“ bescheinigt.

Zum Schluss seines Vortrags bedankte sich der Vorsitzende Richter bei dem ehemaligen Freund des Täters und dessen Freundin, die mit ihrem Hinweis ein Justiz-Irrtum vermieden hätten.

Der Verteidiger des 30-Jährigen kündigte nach der Verhandlung an, dass sein Mandant wahrscheinlich Revision beantragen werde. Dagegen sagte der Rechtsanwalt, der den Bruder des Opfers als Nebenkläger vertritt: „Wir sind mit der Entscheidung zufrieden.“ Sein Mandant und der 16-jährige Sohn der Getöteten seien von dem Verbrechen stark beeinträchtigt und hätten sich in Psychotherapie begeben müssen.