Hells Angels

Mordprozess soll möglichen Rocker-Hintergrund klären

Der Angeklagte am Freitag mit seinen Verteidigern Otten (l.) und Rotter (r.)

Der Angeklagte am Freitag mit seinen Verteidigern Otten (l.) und Rotter (r.)

Foto: dpa

Im Juli 2017 erschoss ein 38 Jahre alter Mann in Oldenburg den Vater eines vermissten Ex-Rockers. Auch der Onkel wurde verletzt.

Oldenburg. Nach tödlichen Schüssen in einer Oldenburger Firma hat am Freitag vor dem Landgericht der Prozess gegen einen 38 Jahre alten Mann begonnen. Nach Angaben des Gerichtssprechers wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten Totschlag und versuchten Totschlag vor. Laut Anklage soll der Mann mit türkischer Staatsangehörigkeit Ende Juli einen 65-jährigen Bekannten durch mehrere Schüsse getötet haben.

Einen weiteren Mann im Alter von 60 Jahren wollte er demnach ebenfalls töten. Als dies scheiterte, weil das Magazin seiner Schusswaffe leer war, soll er mit der Pistole auf sein Opfer eingeschlagen haben. Der 60-Jährige wurde schwer verletzt und musste operiert werden. Die Polizei nahm den 38-Jährigen kurz nach der Tat fest und stellte die Tatwaffe sicher.

Der Prozess startete unter umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen. Am ersten Verhandlungstag sahen sich die Prozessbeteiligten Videos und Tatortskizzen an, Zeugen wurden dem Gerichtssprecher zufolge nicht vernommen. Der Angeklagte äußerte sich nicht zur Tat.

Sohn des Opfers war bei Hells Angels

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es im Vorfeld der Tat zu finanziellen Streitigkeiten zwischen dem Angeklagten und seinen beiden Bekannten gekommen ist. Zudem soll es um die Frage gegangen sein, wo der Sohn des 60-Jährigen ist. Dieser wird seit Juli in Oldenburg vermisst, damals war er 29 Jahre alt. Er soll früher Mitglied der Rockergruppe Hells Angels gewesen sein. Der 65-Jährige, der bei der Gewalttat in Oldenburg starb, war der Onkel des jungen Mannes. Ob Verbindungen ins Rockermilieu bei der Tat eine Rolle gespielt haben, ist bislang unklar.