Delmenhorst

Nach Mord an Obdachloser: Unterkünfte für Frauen gefordert

Ein Güterzug steht  in Delmenhorst  auf den Schienen eines ehemaligen Rangierbahnhofs. Die 51-Jährige war in der Nacht zum Sonnabend auf dem Gelände eines ehemaligen Rangierbahnhofs in der Stadt nahe Bremen getötet worden

Ein Güterzug steht in Delmenhorst auf den Schienen eines ehemaligen Rangierbahnhofs. Die 51-Jährige war in der Nacht zum Sonnabend auf dem Gelände eines ehemaligen Rangierbahnhofs in der Stadt nahe Bremen getötet worden

Foto: picture alliance/dpa

Der gewaltsame Tod der 51 Jahre alten Frau sorgt in Delmenhorst für Entsetzen. Was steckt hinter dem Verbrechen?

Delmenhorst.  Nach der Tötung einer Obdachlosen in Delmenhorst fordern Initiativen mehr Unterbringungsmöglichkeiten für Frauen. Diese seien besonders gefährdet, Opfer von Gewalttaten zu werden, sagte Katrin Kriesche-Radtke vom Tagesaufenthalt für Wohnungslose in Delmenhorst am Dienstag. „Frauen brauchen einen abgeschlossenen, männerfreien Raum.“ Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe meiden Frauen Unterkünfte, die mehrheitlich von Männern belegt sind, weil sie dort einen schweren Stand haben.

Die Leiche der 51-Jährigen war am Sonnabend auf dem Geländes eines ehemaligen Rangierbahnhofs in der Stadt nahe Bremen entdeckt worden. „Sie weist schwere Misshandlungen auf, und daran ist sie auch verstorben“, sagte eine Polizeisprecherin am Montag. Weitere Details wollte sie nicht nennen. Auf dem Gelände hatte die Frau nach Angaben der Staatsanwaltschaft in einer offenen Garage gewohnt.

Ein Bekannter fand die Tote

Wer für den Tod der 51-Jährigen verantwortlich ist, ist noch unklar. „Das Tatmotiv ist unbekannt“, teilte Staatsanwältin Gesa Weiß mit. „Es besteht aktuell kein konkreter Tatverdacht.“ Anhaltspunkte, dass die Frau einem Sexualdelikt zum Opfer gefallen sei, gebe es nicht. Die Tote sei von einem Bekannten gefunden worden.

Immer wieder werden Obdachlose in Deutschland Opfer von Gewaltverbrechen. Im Juni waren in Köln ein Mann und eine Frau wegen Totschlags verurteilt worden, nachdem sie einen Obdachlosen zu Tode getreten und angezündet hatten. Im Frühjahr soll ein 24-Jähriger einen wohnungslosen Mann in Hannover mit einem Pflasterstein mehrmals auf den Kopf geschlagen und lebensgefährlich verletzt haben. Das Landgericht Braunschweig verurteilte zwei Männer im vergangenen Dezember zu mehrjährigen Haftstrafen, weil sie einen 58-Jährigen in einer Unterkunft für Wohnungslose mit einer Machete getötet hatten, um an sein Geld zu kommen.

2016 wurden 18 Obdachlose in Deutschland getötet

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe dokumentiert seit den 90er Jahren die Zahl der Gewalttaten gegen Obdachlose. Diese seien über die Jahre konstant geblieben, sagte die stellvertretende Geschäftsführerin, Werena Rosenke. „Es gibt aber ein großes Dunkelfeld.“

Nach der Statistik des Vereins wurden im vergangenen Jahr 18 Obdachlose in Deutschland umgebracht, in elf Fällen kamen die Täter aus demselben Milieu. 2013 wurden sogar 29 Obdachlose getötet. In diesem Jahr wurden bisher 14 Opfer gezählt.

Generell müsse unterschieden werden zwischen der Gewalt Obdachloser untereinander und Überfällen auf Menschen, die auf der Straße liegen. „Es gibt da sehr unterschiedliche Motivlagen“, sagte Rosenke. So beobachtet der Verein seit vielen Jahren, dass es sich bei nichtwohnungslosen Tätern um kleine Gruppen jüngerer Männer handele, die sich schwächere, wehrlose Opfer suchten. „Da steht im Hintergrund oft ein menschenverachtendes Bild“, sagt Rosenke. Den Gewalttaten unter Obdachlosen geht dagegen in der Regel ein Streit um Schlafplätze oder Habseligkeiten voraus, der eskaliert, weil die Beteiligten betrunken sind.

Im Gegensatz zu Männern würden Frauen vor allem Opfer von versteckter Gewalt in Unterkünften oder Mitwohnverhältnissen, in denen sie oft unter prekären Umständen lebten, um nicht auf der Straße zu landen.