Niedersachsen

Doppelmord von Lüneburg: Bundesgerichtshof hebt Urteil auf

Der Angeklagte Ziad K. (r)  im September 2015  Landgericht Lüneburg (Niedersachsen) neben seinen Verteidiger Steffen Stern (l) hinter der Anklagebank

Der Angeklagte Ziad K. (r) im September 2015 Landgericht Lüneburg (Niedersachsen) neben seinen Verteidiger Steffen Stern (l) hinter der Anklagebank

Foto: Philipp Schulze / dpa

Ein Jeside hat den Mord an seiner Frau und deren Freundin gestanden. Prozess muss wiederholt werden, weil Richter den Saal verließ.

Lüneburg.  Weil der Vorsitzende Richter für eine Zeugenvernehmung den Verhandlungssaal verlassen hat, muss der Prozess um die Ermordung zweier Frauen in Lüneburg wiederholt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat das Urteil des Landgerichts Lüneburg aufgehoben und in seinem am Donnerstag veröffentlichten Beschluss der Revision stattgegeben (Az. 3 StR 84/16).

Das Landgericht hatte den mutmaßlichen Täter am 17. September 2015 zu lebenslanger Haft verurteilt. Der angeklage Jeside, zu dessen Alter es unterschiedliche Angaben gibt, hat nach Überzeugung der Lüneburger Richter seine Ehefrau und deren Freundin mit zahlreichen Messerstichen ermordet. Die 32 Jahre alte Ehefrau habe er getötet, weil sie ihn verlassen und Christin werden wollte. Die ein Jahr ältere Freundin, die Mitglied einer evangelischen Freikirche war, habe er für den Schritt seiner Frau mitverantwortlich gemacht. Der Angeklagte hatte die Morde gestanden.

Der BGH hob das Urteil auf, weil der Vorsitzende Richter die damals zwölf Jahre alte Tochter des Angeklagten und seiner Ehefrau zu ihrem Schutz in einem gesonderten Video-Vernehmungsraum als Zeugin angehört hatte. Die Vernehmung war in den Sitzungssaal übertragen worden. Die Video-Vernehmung als solche sei nicht zu beanstanden, heißt es im BGH-Beschluss. Der Vorsitzende Richter hätte dazu aber den Sitzungssaal nicht verlassen dürfen. Seine ununterbrochene Gegenwart in der Hauptverhandlung sei gesetzlich vorgeschrieben. Der Fall muss nun vor einen anderen Kammer des Landgerichts Lüneburg neu verhandelt