Niedersachsen

Metronom-Lokführer rettet zwei Jugendliche

Einen Tag nach dem Dreifach-Tod von Hannover wollten zwei 17-Jährige bei Scheeßel auf einem Güterzug surfen. Vorfall auch in Rostock.

Lauenbrück. Am späten Montagabend starben in Hannover drei junge Menschen durch einen Güterzug - und tags darauf hätte es in Niedersachsen in einem ähnlichen Fall durchaus noch weitere Opfer geben können. Doch am Bahnhof Lauenbrück in der Nähe von Scheeßel im Landkreis Rotenburg verhinderte der Lokführer eines Metronoms am Dienstag schlimmeres.

Dieser hatte beobachtet, wie zwei Jugendliche am Gleis 3 auf einen entgegenkommenden Güterzug sprangen, der gerade anfahren wollte. Der Metronom-Lokführer reagierte auf den Leichtsinn und stoppte den Güterzug per Notpfiff, wie der Sprecher der Polizeiinspektion Rotenburg, Heiner van der Werp, am Mittwoch mitteilte.

Passanten alarmierten schließlich die Polizei und hielten den jungen Mann und die junge Frau fest, bis die Beamten eintrafen. "Das ist sehr gefährlich“, sagte van der Werp über die spontane Aktion der Jugendlichen. Die beiden hätten sich schwer verletzen können. Die Polizei ermittelt gegen die 17-Jährigen nun wegen Gefährdung des Bahnverkehrs. "Das ist keine Ordnungswidrigkeit. Das ist eine Straftat.“

Polizei geht in Hannover von Unglück aus

Erst am Montag waren zwei Männer und eine Frau in Hannover von einem Güterzug erfasst und getötet worden. "Wir gehen aktuell eher weiter von einem Unglücksfall aus, einen Suizid können wir aber noch nicht vollkommen ausschließen", sagte Polizeisprecher Sören Zimbal am Mittwochvormittag.

Nach Zeugenaussagen könnten die späteren Opfer alkoholisiert gewesen sein. In der Nähe seien Alkoholflaschen gefunden worden, bestätigte nun auch Zimbal. "Ob die aber mit der Gruppe in Zusammenhang stehen, wird noch aktuell untersucht." Das Trio - darunter ein 18-Jähriger und eine 20 Jahre alte Frau - hatte sich nach Angaben der Polizei offensichtlich an den Gleisen aufgehalten, als der Zug kam.

Illegale Überquerer widersetzen sich in Rostock

Alarmiert sind Polizei und Bahn auch in Rostock. Dort haben Unbekannte an der S-Bahnstrecke zwischen Evershagen und Lütten-Klein einen Sicherheitszaun zerstört. Dieser war gerade erst errichtet worden, um zu verhindern, dass Anwohner und Schüler die Bahngleise als illegale Abkürzung auf dem Weg zu einem gegenüber liegenden Schnellrestaurant an der Stadtautobahn nutzen.

Dadurch sei es wiederholt zu Gefahrensituationen gekommen, wie es im Polizeibericht vom Mittwoch heißt. Mit dem Aufbruch des Zauns mit einem Bolzenschneider hätten die unbekannten Täter offensichtlich die alte Situation wieder herstellen wollen. Die Bundespolizei ermittelt nun und leitet bereits ein Strafverfahren wegen Sachbeschädigung ein.

Immer wieder tödliche Unfälle

In diesem Zusammenhang weist die Bundespolizei nochmals eindringlich auf die besonderen Gefahren im Bahnverkehr hin. Bahnanlagen dürften daher ausschließlich auf dafür vorgesehenen Übergängen überquert werden. Nur so könnten Unfälle, mit zum Teil tödlichem Ausgang, vermieden werden.

In der Tat kommt es an Bahngleisen immer wieder zu schweren Unglücken. Alkohol, Leichtsinn oder völlige Fehleinschätzungen der Gefahren sind nicht selten der Grund. Im Oktober 2012 kletterte bei Würzburg ein junger Mann auf einen abgestellten Güterzug und kam an eine Starkstromleitung.

Im Dezember 2009 in Chemnitz überquerte ein 26-Jähriger die Gleise und wurde von einem Regionalexpress überrollt. Nur vier Monate zuvor wurde nahe Kelsterbach in Hessen ein drei Jahre altes Mädchen von einem Zug erfasst und getötet, als es mit seinem Vater die Gleise überquerte.