Brustkrebs-Hilfe

Herzen gegen Schmerzen

Melanie Gerusch und Denise Lund vom Verein Herzkissen Hamburg e.V. (v.l.) freuen sich über die Zusammenarbeit mit der ärztlichen Leiterin des Brustzentrums Helios Mariahilf, Angela Bernhardt, und ihrer Kollegin Heidi Schönheit

Melanie Gerusch und Denise Lund vom Verein Herzkissen Hamburg e.V. (v.l.) freuen sich über die Zusammenarbeit mit der ärztlichen Leiterin des Brustzentrums Helios Mariahilf, Angela Bernhardt, und ihrer Kollegin Heidi Schönheit

Foto: Hanna Kastendieck / HA

Verein Herzkissen näht für erkrankte Frauen und Männer. Die Helios Mariahilf Klinik ist die erste im Süderelberaum, die profitiert.

Heimfeld.  Manchmal denkt sie schon darüber nach, warum es ausgerechnet sie getroffen hat. Und ob ihr jemand da oben vielleicht ganz bewusst dieses Schicksal und damit eine Aufgabe in den Schoß gelegt hat. Denn wäre Melanie Gerusch nicht vor drei Jahren an Brustkrebs erkrankt, hätte sie damals nicht verzweifelt ein zusammengerolltes Handtuch unter ihre schmerzende Achselhöhle gestopft und wütend im Krankenbett nach Alternativen zur Schmerzlinderung gesucht, sie hätte sich wohl niemals Gedanken über die Folgen einer Brustkrebs-OP gemacht. Sie hätte nie im Internet nach Hilfe gegoogelt. Und wäre wohl kaum auf die Idee gekommen, Herzkissen für an Brustkrebs erkrankte Frauen und Männer zu nähen und an Hamburger Krankenhäuser zu liefern.

Doch weil es in Hamburg damals keine solche Initiative gab, nahm Melanie Gerusch, damals 35 Jahre alt, die Sache selbst in die Hand. Sie holte eine Bekannte mit ins Boot, Denise Lund, sprach Freundinnen an, ob sie nicht nähen könnten, besorgte Stoffreste und Füllmaterial und knüpfte Kontakt zu den Krankenhäusern. Sechs standen bislang auf ihrer Liste. Jetzt ist mit der Helios Mariahilf Klinik eine siebte Einrichtung hinzu gekommen. Das Krankenhaus ist das erste im Süderelberaum, dessen Patientinnen von der Herzkissen-Initiative „Herzen gegen Schmerzen“ profitieren können.

„Wir freuen uns sehr über das Angebot“, sagt Angela Bernhardt, ärztliche Leiterin des Brustzentrums. „Das Angebot passt zu unserem Ansatz einer ganzheitlichen Therapie des Brustzentrums mit Herz.“ Dazu gehöre, so Bernhardt, nicht nur das umfangreiche Spektrum medizinischer Maßnahmen, sondern auch ein ausgewogenes Komplementärangebot, zu dem neben Beratungsgesprächen, der Hilfe durch den Sozialdienst sowie spezialisierte Psychologen, auch ganz einfache Dinge gehörten, die zum Wohlfühlen beitragen können, wie eine Aromarose auf dem Nachttisch, Herzmeditation, Entspannung auf dem Klangstuhl und eben das eigene Herzkissen. Es lindert Narbenschmerzen sowie Lymphschwellungen oder Druck unter dem Arm. Und es spendet auch Trost.

Heidi Schönheit, onkologische Fachschwester, weiß, wie wichtig ein solches Kissen, das die Patienten als Geschenk erhalten, ist. „Netterweise hatten wir eine ältere Dame, die für uns viele Jahre genäht hat. Doch inzwischen wird ihr die Arbeit zu viel.“ Und der Herzkissenvorrat neige sich dem Ende. Es sei also ein glücklicher Zufall, dass ihre Station ausgerechnet jetzt in den Fokus der Herzkissen-Initiative von Melanie Gerusch gerückt sei.

Mit einer Lieferung von 30 Kissen sind die Initiatorin und ihre Mitstreiterin nun in Harburg gestartet. Insgesamt sollen pro Jahr etwa 120 Kissen geliefert werden. Das entspricht einem Bedarf von etwa zehn im Monat. Für Melanie Gerusch und ihre ehrenamtlichen Helferinnen kein Problem. Denn aus dem kleinen Kreis von Engagierten ist inzwischen eine große Gemeinschaft geworden.

Und aus der Initiative ein richtiger Verein: Herzkissen Hamburg e.V.. 80 Näherinnen gehören dazu, sieben Kliniken werden monatlich mit etwa 150 Kissen beliefert, 400 Herzkissen liegen im Schnitt zur Verteilung bereit, 1000 Hüllen warten darauf, gestopft zu werden. Dafür treffen sich die Frauen regelmäßig zum sogenannten „Stopftreffen“.

Dank der Unterstützung des Stoffzentrums Hamburg mangelt es so gut wie nie an Stoffen. Für gespendetes Füllmaterial ist der Verein jedoch immer dankbar. „Am besten eignen sich Bastelwatte oder der Inhalt von SLAN-Ikeakissen“, sagt Melanie Gerusch, die aus der kleinen Initiative inzwischen ein wahres Herzkissen-Imperium gemacht hat. Mit Hilfe einer Grafikerin wurde ein Logo entwickelt (siehe links), es gibt T-Shirts und Stoffbeutel mit dem Aufdruck „Herzen gegen Schmerzen“.

Gerade wurde der Verein mit dem Helferherzen-Preis der Drogeriekette DM ausgezeichnet. „Das Projekt ist ein Vollzeitjob neben dem eigentlichen Vollzeitjob“, sagt die 38-Jährige, die in der Online-Werbung tätig ist. Nach ihrer Brustkrebsdiagnose begann sie, einen Internet-Blog über ihre Erkrankung zu schreiben, den sie auch heute noch, drei Jahre später, weiterführt. „Wenn ich etwas mache“, sagt Melanie Gerusch, „dann mache ich es richtig.“

Chefärztin Angela Bernhardt gefällt das. Weil auch sie ein Mensch ist, der alles tut für ihre Patienten. Medizinisch wie auch menschlich. Und die froh darüber ist, dass von jährlich 70.000 an Brustkrebs erkrankten Frauen in Deutschland inzwischen rund 86 Prozent geheilt werden können.

Beim Verlassen der Klinik bekommt jede Frau ihr Kissen

Auch der Eingriff sei heute weitaus weniger aufwendig als früher, sagt sie. „Wir operieren mit lokaler Betäubung. Die Patientinnen sind anschließend so gut wie schmerzfrei und können bereits wenige Stunden nach der OP wieder aufstehen.“ Beim Verlassen der Klinik bekommt jede Patientin dann nicht nur ihren Therapieordner mit nach Hause, auf deren Deckblatt das Herz als Symbol steht, sondern auch ihr persönliches Kissen vom Verein Herzkissen Hamburg.

Kliniken, die Interesse an dem Projekt haben sowie Sponsoren, die sich engagieren möchten, können sich am 5. November direkt bei Melanie Gerusch informieren, die beim Brustkrebs-Forum der Helios Mariahilf Klinik im Hotel Lindtner dabei sein wird. Weitere Infos gibt es auch im Internet unter www.herzkissen-hamburg.de