Niedersachsen

Pastor soll Internatsschüler missbraucht haben

Fünf Opfer, die auf das mittlerweile geschlossene Internat in Damme bei Vechta gingen, wurden bereits aufgespürt.

Damme.  Ein katholischer Benediktiner-Pater hat offenbar zwischen 1966 und 1974 mehrere Internatsschüler in Damme im Kreis Vechta missbraucht. Der Verdacht „sexueller Grenzverletzungen und körperlicher Gewalt“ habe sich bestätigt, sagte der Sprecher einer Arbeitsgruppe, die den Fall aufklären soll. Der unter Verdacht stehende Pater sei bereits 2005 gestorben. Das Kloster Damme untersteht der Abtei Münsterschwarzach bei Würzburg.

Die Arbeitsgruppe zur Aufarbeitung und Prävention sexueller Gewalt habe rund 80 frühere Schüler des Internats zu einem Treffen eingeladen, zum dem 17 gekommen seien. In den Gesprächen hätten mindestens fünf Teilnehmer bestätigt, selbst Opfer des Paters zu sein, sagte der Sprecher der Arbeitsgruppe, Staatsanwalt a.D. Rainer Gündert aus Bamberg. Die Arbeitsgruppe respektiere den Wunsch der Betroffenen, „weder ihre Namen noch die seinerzeitigen Vorgänge oder die nun zu ergreifenden Maßnahmen“ in irgendeiner Weise publik zu machen.

Weitere Opfer werden gesucht

Gündert appellierte an mögliche weitere Opfer, sich zu melden. Abt Michael Reepen unterstrich: „Wir wissen, welche gravierenden Folgen sexueller Missbrauch von jungen Menschen auf das ganze Leben hat. Es ist besonders dringlich, dass hier nun nach Jahrzehnten Wege der Aufarbeitung beschritten werden.“

Erste konkrete Hinweise seien bereits 2014 bekanntgeworden. Die Schule wurde den Angaben zufolge 1966 gegründet und Anfang der 1980er Jahre wieder geschlossen. Heute dient das Gebäude als Gästehaus des Klosters St. Benedikt. Anfang Februar teilte die Kirche mit, dass das Kloster aus finanziellen und personellen Gründen zum Jahresende geschlossen wird. Derzeit leben dort noch sechs Benediktiner. Die Schließung stehe nicht im Zusammenhang mit den Vorwürfen.

Nach Informationen der Oldenburgischen Volkszeitung (Montagsausgabe) soll der verantwortliche Pater nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Missionar und Lehrer in Afrika gearbeitet haben. 1963 habe der Benediktiner-Orden ihn mit dem Aufbau des Internats in Damme beauftragt. Von 1974 bis in die 1990er Jahre sei er dann als Familienseelsorger in der Altenpflege tätig gewesen.