Geflügelzüchter

Niedersachsens Ministerpräsident will Wiesenhof helfen

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) beantwortet zusammen mit Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD, links) vor der Brandruine von Wiesenhof Fragen von Medienvertretern

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) beantwortet zusammen mit Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD, links) vor der Brandruine von Wiesenhof Fragen von Medienvertretern

Foto: Ingo Wagner / dpa

Über Details sprach Stephan Weil nicht. Nach dem Feuer in dem Betrieb wurden alle Leiharbeiter gekündigt. Brandursache weiter unklar.

Lohne.  Der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat dem Geflügel-Schlachter Wiesenhof nach dem Großbrand vor einer Woche die Unterstützung der Landesregierung zugesagt. Zu konkreten Schritten machte Weil zwar keine Angaben, in Kürze sollen aber in Lohne bei Vechta etwa die Hälfte der insgesamt rund 1500 Beschäftigten wieder arbeiten können, sagte er am Mittwoch nach einem Gespräch mit der Geschäftsführung des Wiesenhof-Mutterkonzerns PHW. Bereits ab Mitte Mai sollen wieder 350 Mitarbeiter in der Zerlegung und der Verpackung arbeiten. Diese Betriebsteile waren bei dem Brand nur geringfügig beschädigt worden.

In der Region hersche Vollbeschäftigung

Entscheidend für die Zukunft der Beschäftigten sei die Frage, ob eine Betriebsausfallversicherung vorhanden sei, sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) nach einem weiteren Gespräch unter anderem mit Vertretern der Stadt Lohne, des Betriebsrats und der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Bisher habe sich das Unternehmen nicht dazu geäußert. Lies appellierte an alle Beteiligten, zügig und umfassend zu informieren. Je nach Art der Versicherung könnten Beschäftigte möglicherweise bis zu zwei Jahre weiterbezahlt werden.

NGG-Gewerkschaftssekretär Matthias Brümmer warf Wiesenhof eine „katastrophale Informationspolitik“ vor. Er bot allen Gekündigten an, über die Gewerkschaft eine Kündigungsschutzklage zu erheben. Solange Wiesenhof sich nicht zur Versicherung äußere, müsse das Unternehmen die Löhne weiter zahlen. Dass ein Leiharbeiterunternehmen bereits aus eigener Initiative seinen Mitarbeitern gekündigt habe, sei für ihn nicht nachvollziehbar. Er könne auch nicht erklären, warum der Betriebsrat nicht informiert werde. Wiesenhof hatte unmittelbar nach dem Brand mitgeteilt, dass nicht alle Arbeiter weiterbeschäftigt werden können.

Eine Sprecherin der Arbeitsagentur Vechta bestätigte, dass sich bisher nur Leiharbeiter als arbeitslos gemeldet haben. Die Chancen für eine Anschlussbeschäftigung stünden allerdings gut, da in der Region Vollbeschäftigung herrsche und der Arbeitsmarkt aufnahmefähig sei.

Alle Leiharbeiter wurden gekündigt

Wer nun weiter auf dem Gelände von Wiesenhof arbeiten könne, müsse nun von Geschäftsführung, Betriebsrat und der Gewerkschaft ausgehandelt werden, sagte Betriebsrat Zafer Babacan. Er hoffe auf zügige und offene Gespräche. Bisher galt bei Wiesenhof in Lohne ein Verhältnis von 60 Prozent Festangestellte zu 40 Prozent Werkvertragsarbeiter und Leiharbeiter. Allen Leiharbeitern wurde jedoch bereits gekündigt.

Wiesenhof selbst kündigte auf seinen Internetseiten an, dass der Betrieb wieder aufgebaut werden soll. Dies werde aber mindestens 18 bis 24 Monate dauern. Der Lohner Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer (CDU) zeigte sich erleichtert über diese Ankündigung. Er erinnerte daran, dass Wiesenhof der mit Abstand größte Arbeitgeber der Stadt sei. Hinzu kämen zahlreiche vor- und nachgelagerte Betriebe, wie etwa Geflügelzüchter. Deswegen sei die tatsächliche Zahl der von dem Brand Betroffenen noch nicht abzusehen.

Die Brandursache steht unterdessen noch nicht fest, sagte ein Polizeisprecher. An den Ermittlungen sind sowohl die Beamten als auch externe Gutachter beteiligt. Es werde voraussichtlich noch mehrere Wochen dauern, bis Ergebnisse vorliegen, so der Sprecher weiter.