Salzhemmendorf

Nach Anschlag auf Asylunterkunft: Milde Strafe gefordert

Die Angeklagten im Landgericht in Hannover

Die Angeklagten im Landgericht in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Der Verteidiger der mutmaßlichen Täter fordert fünf Jahre Haft nach Brandanschlag auf ein bewohntes Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf.

Hannover.  Im Prozess wegen des Brandanschlages auf ein bewohntes Flüchtlingsheim in Salzhemmendorf sind die Verteidiger in ihren Plädoyers deutlich unter dem Strafmaß der Staatsanwaltschaft geblieben. „Fünf Jahre reichen“, sagte Rechtsanwalt Roman von Alvensleben am Mittwoch vor dem Landgericht Hannover. Staatsanwältin Katharina Sprave hatte für den mutmaßlichen Haupttäter Dennis L. (31) eine Freiheitsstrafe von acht Jahren verlangt (Az: 39 Ks 20/15).

Mit seiner Forderung orientiere er sich an anderen Prozessen, die zu ähnlichen Urteilen geführt hätten, erläuterte von Alvensleben. Fünf Jahre Haft reichten aus, um Dennis L. Zeit zu geben, darüber nachzudenken, was er seinen Opfern angetan habe. Bereits zu Beginn des Prozesses hatte L. gestanden, in der Nacht zum 28. August einen Molotow-Cocktail in das überwiegend von Asylbewerbern bewohnte Mehrfamilienhaus in dem Ort bei Hameln geschleudert zu haben.

Für seinen Kumpanen Sascha D. (25) sah Verteidiger Clemens Anger gleich mehrere Möglichkeiten, das Strafmaß zu mildern. So habe ein Gutachter bei ihm eine Alkoholkrankheit festgestellt und diese auch in einen Zusammenhang mit der Tat gestellt. Zudem habe D. durch seine anfänglichen Aussagen entscheidend zur Aufklärung der Tat beigetragen. Anger verzichtete jedoch darauf, einen Antrag zum Strafmaß zu stellen.

Tat sorgte bundesweit für Entsetzen

Die Staatsanwaltschaft geht von versuchtem Mord und Brandstiftung aus. Sie hatte für Sascha D. sieben Jahre Haft gefordert. Für die dritte Angeklagte Saskia B. (24) forderte die Staatsanwaltschaft vier Jahre und zwei Monate Haft. Die Frau hatte eingeräumt, die beiden Männer zum Tatort gefahren zu haben.

Bei dem Anschlag waren eine damals 34-jährige Frau aus Simbabwe und ihre drei Kinder nur knapp den Flammen entkommen. Verletzt wurde niemand. Die Tat sorgte bundesweit für Entsetzen. In dem Haus hielten sich zur Tatzeit rund 40 Personen auf - neben deutschen Bewohnern waren dies Asylsuchende aus dem Irak, Pakistan, Syrien, der Elfenbeinküste und Simbabwe. Das Urteil soll am Donnerstag verkündet werden.