Hannover

Mutter tötete erst Mann, dann die Kinder und sich selbst

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Eine Obduktion sorgt für Klarheit bei dem Familiendrama in Hannover. Das Paar hatte sich vor einiger Zeit getrennt.

Hannover. Bei einem Familiendrama in Hannover mit vier Toten hat die Mutter (35) nach den Ermittlungen der Polizei ihre beiden Kinder (3 und 9) sowie sich selbst getötet. Der Vater starb nach Ergebnissen einer Obduktion an Stichverletzungen, teilte die Polizei am Mittwoch mit. Ob die Mutter auch den Vater (41) tötete, steht noch nicht fest, gilt aber als wahrscheinlich. Zuvor teilte die Polizei mit, dass es keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass weitere Personen in das Geschehen verwickelt waren. Zu den Hintergründen sagte die Polizei nichts. Das Paar lebte nach Angaben von Anwohnern seit einiger Zeit getrennt.

Der Vater war am Dienstag erstochen in seinem Haus im Vorort Laatzen-Gleidingen entdeckt worden. Danach wurden auch Frau und Kinder tot in einer Wohnung in Hannover gefunden.

Die Familie war erst vor zwei Jahren in den Klinkerbau in Gleidingen gezogen und hatte begonnen, das Haus zu renovieren, wie ein Nachbar am Mittwoch sagte. Auch nach der Trennung wurden die Kinder beim Vater gesehen. Nach Medienberichten soll es Streit über die Besuche der Kinder gegeben haben. Anwohner berichteten auch davon, dass die Frau längere Zeit krank war. Am Mittwoch lagen zwei Rosen vor der versiegelten Tür des Einfamilienhauses in Gleidingen, außerdem hatte jemand ein rotes Grablicht angezündet.

Eltern entdeckten toten Familienvater

Der 41-Jährige war am Dienstagnachmittag von seinen 62 und 63 Jahre alten Eltern entdeckt worden. Weil die ebenfalls in dem Haus gemeldete Ehefrau und die Kinder nicht dort angetroffen wurden, fuhren die Ermittler zu der ebenfalls der Familie gehörenden Wohnung im etwa 20 Kilometer entfernten Stadtteil Hannover-Linden. Dort fanden sie die Leichen der Frau und beiden Kinder.

Tödliche Familiendramen wie das in der Region Hannover werden aus Expertensicht oft durch eine konflikthafte Trennung der Eltern ausgelöst. Dies sagte die Rechtswissenschaftlerin Theresia Höynck von der Uni Kassel, die längere Zeit zu sogenannten erweiterten Suiziden geforscht hat. Meist seien Männer die Täter. Dass auch Frauen sich zusammen mit ihren Kindern umbrächten, sei eher selten der Fall, sagte Höynck.

Die Täter sind nach ihren Erkenntnissen in allen sozialen Schichten zu finden. Dies hänge mit dem Auslöser der Taten zusammen. „Das sind diese überhaupt nicht verarbeiteten Trennungen, die damit etwas zu tun haben, dass Menschen in ihrem Selbstbild, in ihrem Lebenssinn, in ihrer Fähigkeit, Konflikte adäquat zu lösen, völlig desorientiert werden und Sachen tun, die sie und andere ihnen niemals zugetraut hätten“, sagte Höynck.

( dpa )