Niedersachsen

Bevölkerung in Gemeinden klafft weiter auseinander

Die Südstadt in Hannover

Die Südstadt in Hannover

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

In Osterode könnte die Zahl der Einwohner in 20 Jahren um ein Drittel sinken. In Großstädten ziehen die Mieten dagegen an.

hannover. Die Entwicklung des Wohnungsmarkts in Niedersachsen klafft immer weiter auseinander – und stellt die Politik vor schwierige Herausforderungen. Nicht nur die Großstädte wie Hannover, Braunschweig und Osnabrück, sondern auch die Landkreise Lüneburg, Harburg und Vechta werden weitere Bevölkerungszuwächse erleben. Auf der anderen Seite schrumpfen Städte wie Hildesheim, Salzgitter und Wilhelmshaven aber auch die breite Mehrheit der Landkreise. Trauriger Spitzenreiter soll dabei der Landkreis Osterode sein, der bis 2035 beinahe jeden dritten Einwohner verliert.

Die Zahlen stammen aus dem am Montag in Hannover vorgelegten Bericht zur Wohnmarktbeobachtung, gemeinsam publiziert vom Sozialministerium, der NBank und dem Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft. Danach wächst die Bevölkerung bis 2019 übers ganze Bundesland gerechnet noch einmal leicht an, sinkt dann aber bis zum Jahr 2035 um 4,8 Prozent auf 7,2 Millionen Menschen. In den kommenden vier Jahren geht der Bericht noch von starker Zuwanderung aus, danach kann aber auch dieser Faktor die steigende Zahl der Sterbefälle nicht mehr ausgleichen.

Ob nun Eigentum oder Mietwohnung, in den Regionen mit starkem Bevölkerungszuwachse steigen die Preise und dieser Trend wird sich fortsetzen eben wegen der demografischen Entwicklung. Sozialministerin Cornelia Rundt (SPD) rechnete in Hannover am Montag vor, der Anteil der Senioren (60 Jahre und älter) werde bis 2035 von 27 auf 36 Prozent der Einwohner steigen: „Viele ältere Menschen, die ein Eigenheim besitzen, werden darüber nachdenken, in eine kleinere barrierefreie Wohnung möglichst zentral gelegen umzuziehen.“ Bereits jetzt leben in Zwei Dritteln der insgesamt 3,8 Millionen Haushalte im Land nur ein oder zwei Personen. Und in keiner deutschen Großstadt ist die Zahl der Ein-Personen-Haushalte prozentual höher als in Hannover.

Ministerin Rundt verspricht: „Unser Ziel ist, die Städte als Wohnraum auch für Menschen mit kleinem Geldbeutel, für ältere Menschen oder für Menschen mit Behinderung zu erhalten.“ Sie setzt dabei vor allem auf Steuerung: So wird die NBank, Förderbank des Landes, Kommunen mit angespanntem Wohnungsmarkt ermitteln. Dann will die Ministerin mit diesen Kommunen das Gespräch suchen über die Einführung einer Mietpreisbremse. Darüber hinaus soll eine Verordnung modernisiert werden, die es Kommunen erlaubt, bei der Vermietung von Sozialwohnungen ein „Benennungsrecht“ auszuüben. Konkret bedeutet dies, dass die Kommune dem Vermieter vorschreiben kann, an wen er vermieten muss. Die Ministerin hat klare Vorstellungen: „Ich denke da an die allein erziehende Mutter ohne Erwerbseinkommen, an Flüchtlingsfamilien und Menschen mit schwerer psychischer Erkrankung.“ Auch die Wohnraumförderung will die Ministerin konzentrieren auf die Schaffung von Wohnungen für Senioren, Menschen mit Behinderungen und Pflegebedürftige.

Der Wohnungsmarktbericht aber geht davon aus, dass bis zum Jahr 2035 jährlich rund 14.000 neue Wohnungen benötigt werden. Weswegen die oppositionelle CDU die Ministerin aufforderte, ein Sofortprogramm für Niedersachsen mit 500 Millionen Euro aufzulegen für den Bau bezahlbarer Wohnungen. Max Matthiesen, sozialpolitischer Sprecher der Landtagsfraktion, sieht die Notwendigkeit, jährlich mindestens 5000 neue Sozialwohnungen zu bauen: „Das Wohnraumförderprogramm des Landes muss drastisch aufgestockt werden.“ Das Land dürfe sich nicht länger darauf zurückziehen, lediglich 40 Millionen Euro des Bundes weiterzureichen sondern müsse endlich eigene Mittel zusätzlich bereit stellen, so Matthiesen

Michael Kiesewetter, Vorstandschef der NBank, nannte den Umgang der Kommunen mit Leerständen etwa in Südniedersachsen „die wesentliche Herausforderung der nächsten Jahre. Auf der anderen Seite werde die Zahl der Familienhaushalte in Städten wie Braunschweig und Wolfsburg bis zum Jahr 2035 um rund 20 Prozent steigen: „Vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten und gute Infrastrukturen machen große Städte attraktiv für Zuzüge insbesondere von jungen Menschen und Familien.“ Angesichts der vielen befristeten Arbeitsverträge lasse sich die Mobilität in den Städten leichter realisieren. Zudem seien viele Menschen nicht mehr bereit, durch lange An- und Abfahrtswege Zeit zu verlieren.